Der Jahreswechsel an den Börsen hatte es in sich. Auf den «Nightmare Before Christmas» folgte ein «Unhappy New Year», wie die amerikanischen Chefanalysten der UBS die letzten und ersten Handelstage in Marktanalysen betitelten. Der Schweizer Leitindex, der Swiss Market Index (SMI), verlor 2018 aufs ganze Jahr gesehen rund 11 Prozent und ist damit nicht allein. Noch nicht einmal der durch die Streicheleinheiten von Trump verwöhnte S&P 500 konnte sich im Plus halten (–6 Prozent). Die UBS-Experten geben sich trotzdem optimistisch, was Aktien betrifft. «Wir gehen davon aus, dass Aktien über die nächsten sechs Monate zur Erholung ansetzen, wenn der politische Lärm und Rezessionsängste nachlassen», so Chief Investment Officer (CIO) Mark Haefele.

Anleger sollten weiter überinvestiert in Aktien bleiben, sich allerdings gegen Handelsunsicherheiten und gegen die Geldpolitik des Fed absichern, rät Haefele. Ebenso «bullish» zeigt sich das CIO der Credit Suisse, das 2019 ebenfalls auf ein Übergewicht in Aktien setzt. ZKB, Vontobel und Raiffeisen nutzen die Rückschläge in ihren Allokationen sogar zum Zukaufen. Analysten der US-Grossbanken geben sich dagegen vorsichtig. Die Experten von Goldman Sachs erwarten ein schwieriges Jahr für Anleger. Das Assetmanagementteam der Bank of America rät Investoren, sich wegen der unsicheren Aussichten eher zurückzuhalten mit Aktienkäufen.

Was also ist zu tun? Im gegenwärtig nervösen Umfeld ist es für Anleger wichtig, ruhig zu bleiben und nicht überhastet zu verkaufen oder zu kaufen. Die «Handelszeitung» beantwortet die dringendsten Fragen:

Wie geht es an den Börsen weiter?

Es wird 2019 an den Börsen streckenweise ungemütlich bleiben. Eine Ahnung davon bekamen Investoren, als Tech-Liebling Apple am 3. Januar überraschend die eigene Gewinnprognose nach unten revidierte. Die Aktien gaben innerhalb eines Handelstages gut 10 Prozent nach und zogen zig andere Titel mit in die Tiefe – etwa AMS. Anleger sollten mit ähnlichen plötzlichen Ereignissen und Bewegungen nach unten rechnen. Zu möglichen Auslösern von Abwärtstauchern könnten neben Gewinnwarnungen auch Brexit-Sorgen oder eine markante Konjunkturschwäche in China zählen.

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Doch wichtig zu verstehen bleibt: Fundamental sind viele Unternehmen gesund, auch wenn sich das Gewinnwachstum 2019 verlangsamen dürfte. Ein grosser Crash wie bei der Finanzkrise, als das Interbankengeschäft wegen mangelnden Vertrauens versiegte, dürfte ausbleiben. Die private und staatliche Verschuldung ist zwar rasant gewachsen und weltweit bedrohlich hoch, bleibt aber wegen der tiefen Zinsen nach wie vor refinanzierbar.

Soll ich mein Depot jetzt umschichten?

Das hängt damit zusammen, welche Titel sich im Depot befinden. Stark vereinfacht gesagt, sind derzeit Zykliker out und defensive Schwergewichte in. Eine entsprechende Anpassung kann durchaus Sinn ergeben. Historische Vergleiche haben indes gezeigt, dass langfristig orientierte Investoren eine bessere Performance erzielen, wenn sie eher weniger als mehr handeln. Das vor allem wegen der Transaktionskosten. Oder wie es der bekannte Value-Investor James Montier auf den Punkt bringt: «Wenn es nichts Gescheites zu tun gibt, dann tue nichts!»

Befinden wir uns schon in einem Bärenmarkt?

Das hängt von der Definition ab. Allgemein gilt: Fällt der Gesamtmarkt vom Höchststand einer Hausse innerhalb von sechs Monaten um 20 oder mehr Prozent, wird von einem Bärenmarkt gesprochen. Das Hoch im SMI betrug Anfang 2018 rund 9600 Punkte, heute beträgt der Stand 8650 Punkte. Von einem Bärenmarkt könnte also erst gesprochen werden, wenn der SMI auf unter 7700 Punkte gefallen wäre. Doch derzeit fühlt es sich beinahe so an, als würden wir uns in einem Bärenmarkt befinden.

Die Stimmung ist so pessimistisch wie seit Jahren nicht mehr. Das mag ein Grund sein, weshalb sich einige Anleger von einer Bärenmarktrally fürchten, sprich einer Zwischenerholung in einem übergeordneten Abwärtstrend. So oder so müssen Aktiensparer ihre Renditeerwartungen nach unten anpassen, denn wir befinden uns im letzten Drittel des aktuellen Konjunkturzyklus, so der Konsens. Bei der Aktienauswahl muss jetzt vor allem auf eine möglichst solide Bilanz, ein durch Burggräben geschütztes Geschäftsmodell, hohe Cashflows und ein stetiges Dividendenwachstum geachtet werden.

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Wie gross ist die Gefahr einer Rezession in den USA?

Hier liegen die Meinungen der Ökonomen am weitesten auseinander. Zusammenfassend können wir sagen, dass die meisten Beobachter eine Abkühlung erwarten, eine Rezession aber wohl erst 2020 oder später. Konkrete Anzeichen für eine Kontraktion der grössten Volkswirtschaft der Welt gibt es noch nicht. Warnungen vor einer Rezession in den USA im laufenden Jahr dürften sich als übertrieben erweisen. Das Fed hat zudem signalisiert, dass weitere Zinserhöhungen mit Augenmass und nicht mechanistisch vorgenommen werden. Ein Zinsschock, der die Wirtschaft jäh abwürgt, droht also nicht.

Was sind Alternativen zu Aktien?

Aktien schneiden in sehr langfristigen Performancemessungen besser als alle anderen Anlageklassen ab. Doch es gibt auch Durststrecken, die sich im ungünstigen Fall auch einmal ein Jahrzehnt hinziehen können. Das erwarten wir zwar nicht, konstatieren aber, dass sich der Markt im «Risk off»-Modus befindet. In der Regel schneiden in einem solchen Umfeld Staatsanleihen grosser Volkswirtschaften gut ab, also Treasuries und Bundesanleihen.