Eigentlich hätte sie gerne noch etwas mehr Zeit gehabt, sagt Finanzberaterin Stephanie Bielmann. Und vor allem noch mehr Informationen über den Kunden, um sich ein umfassendes Bild zu machen von seiner aktuellen finanziellen Situation, seinen Bedürfnissen, Zielen und Erwartungen an die Verwaltung seines Vermögens. Gerade Kunden im Alter von über 50 Jahren haben viel weiter gehende Bedürfnisse, ihre finanziellen Verhältnisse sind komplexer, als sich viele oft selbst bewusst sind. Das beobachtet die junge Finanzplanerin, die zuvor bei der UBS und der Valiant Bank Berufserfahrungen gesammelt hat, immer wieder. Es werden Vorsorgefragen und die Pensionsplanung, Erbschaften, Hypotheken und Steuern thematisiert. «Die umfassende Beratung erhält in der Vermögensverwaltung eine immer grössere Bedeutung», ist Stephanie Bielmann überzeugt. Der konkrete Anlagevorschlag sei letztlich der kleinere und einfachere Teil der Kundenberatung.

Die individuelle Beratung stehe deshalb bei der Raiffeisenbank im Private Banking an oberster Stelle, betont Marc Trösch, Leiter Finanzberatung der Bank in Bern. Dabei spiele es keine Rolle, ob der Kunde wie beim BILANZ-Rating ein Anlagevermögen von 3,5 Millionen oder 100  000 Franken habe, so Daniel Schmid, Leiter der Raiffeisen-Niederlassung Bern. Gross ist die Freude bei Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz: «Die Auszeichnung zeigt, dass wir unabhängig von der Vermögensgrösse im Private Banking eine hohe Beratungskompetenz bieten können.»

Zur individuellen Beratung gehört, dass Stephanie Bielmann bei ihren Kundenvorschlägen frei ist in der Wahl der Produkte. Deshalb überrascht der hohe Anteil an eigenen und Partnerprodukten. So würde sie rund 30 Prozent des Vermögens in Fonds und Zertifikate von Vontobel und Raiffeisen sowie in eine Lebensversicherung von Helvetia investieren. «Weil ich überzeugt bin von der Qualität», begründet die Finanzberaterin diese Wahl. Oft wünsch­ten die Kunden sogar solche «hauseigenen Produkte», sagt Marc Trösch. Dass nicht die Retrozessionen im Vordergrund stehen, zeigt sich unter anderem im hohen Anteil von elf Prozent an ETF, börsenkotierten Index- und Edelmetallfonds, die im Vorschlag zum Einsatz kommen. Da gibt es keine solchen Provisionen. Die Jury lobt neben der guten Struktur und Risikostreuung denn auch die ­effiziente Umsetzung des Mandats.

Eine solche Kundennähe trägt Früchte. In Bern ist Raiffeisen Schweiz seit sechs Jahren mit einer Niederlassung präsent. Bereits zählt die Bank in der Hauptstadt über 12  000 Kunden und konnte letztes Jahr bei den Kundengeldern ein Wachstum von über 30 Prozent verzeichnen. Doch das ist Niederlassungsleiter Schmid noch zu wenig: «Man traut uns noch nicht so recht zu, dass wir im Private Banking ebenso kompetent sind wie im Retailgeschäft.» Doch für Raiffeisen-Chef Vincenz ist klar: «Im Anlagegeschäft wollen wir qualitativ ebenso hoch stehende Lösungen anbieten wie bei den Hypotheken, unserem Kerngeschäft.»

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  • Der Vorschlag: Die vom Kunden erwartete Rendite von 4,2 Prozent sei nur mit einem Aktienanteil von 30 Prozent erreichbar, mehr als der Kunde an Risikobereitschaft vorgibt, schrieb Stephanie Bielmann. Den Hauptteil machen jedoch Obligationen aus, und sieben Prozent würden in Rohstoffe und Edelmetall-ETF der ZKB investiert. 300'000 Franken sollen zudem als Einmaleinlage in eine Lebensversicherung investiert werden. Damit kann die Steuerbelastung verringert und die Lebenspartnerin des Kunden erbrechtlich begünstigt werden.