Mit Social Trading soll dank Schwarmintelligenz jeder zum Trader werden. Plattformen wie Wikifolio, Ayondo oder EToro verwischen die Grenzen zwischen Börse und sozialem Netzwerk. Sie wollen das Traden sexy und unkompliziert machen. Und damit vor allem Millennials ansprechen, die keine Lust auf öde Plattformen und hohe Gebühren haben.

Der Marktführer unter den Social-Trading-Plattformen kommt aus Israel und heisst EToro. Das 2007 gegründete Unternehmen zählt rund zwölf Millionen Nutzerinnen und Nutzer aus 140 Ländern. Genaue Zahlen nennt es nicht, gibt aber bekannt: «Über 1,5 Prozent aller Schweizer Bürger haben ein EToro-Konto.» Das Kundenwachstum habe sich in den letzten zwei Jahren hierzulande verdreifacht.

Traden soll sich wie Facebook anfühlen

EToro unterscheidet sich vor allem in einem Punkt von herkömmlichen Trading-Plattformen wie etwa Swissquote: Die Anlagestrategie und das Portfolio jedes Nutzers sind öffentlich. Jeder User kann sehen, wer welche Titel kauft und wie hoch die Performance ist. Yoni Assia, der Chef von EToro, glaubt stark an seine Idee. «Eine vernetzte Community kann bessere Anlagestrategien entwickeln als ein einzelner Berater.» Der Schlüssel für erfolgreiches Investieren sei Diversifizierung, präzisiert Assia.

Mit dem Investment-Netzwerk, einer Trading-Akademie, einer einfachen User-Interface und Prämien will EToro vor allem Einsteiger für die Plattform gewinnen. Das vermeintlich komplizierte Traden soll für Digital Natives einfach und intuitiv werden. Deshalb erinnert die Benutzeroberfläche stark an die Designsprache von Social-Media-Portalen. Zudem gibt es Likes, Chats und Tutorials.

EToro macht es Nutzern möglich, erfolgreichen Händlern zu folgen. Wenn einem die Anlagestrategie eines Traders gefällt, kann man sein Portfolio eins zu eins kopieren und wird damit ein Follower. Die Trader können mit Followern Einkommen generieren. Von jedem Franken, den ein Follower investiert, erhalten sie 2 Rappen. Auf der Plattform werden die erfolgreichsten Händler am prominentesten präsentiert. Eine Handvoll Trader kommt auf rund 200 000 Dollar.

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EToro bietet auch themenspezifische Portfolios an, etwa zum Thema Reisen. Dort drin hat man beispielsweise Firmen wie Easyjet, aber auch Mastercard. Doch machen gutes Design und farbige Buttons den Unterschied zum klassischen Devisenhandel der Finanzinstitute? «Wir geben unseren Kunden die bessere Option als die Banken. Weil wir Designer sind und stark mit Technologie arbeiten. Dieser Ansatz fehlt den Banken. Dadurch sind wir schneller und agiler», sagt Assia.

Handeln kann man auf EToro so ziemlich alles: Wertpapiere, Rohstoffe, Währungen. Das Fintech wirbt mit «null Provision». Die User zahlen zwar keine Gebühren, aber EToro verdient mit den Spreads, das heisst mit der Handelsspanne zwischen dem Rücknahme- und dem Verkaufskurs eines Zertifikats. EToro verdient also mit der Masse an Transaktionen sein Geld. Das Prinzip ist einfach: je mehr Mitglieder, desto mehr Spreads, desto mehr Einnahmen.

Eine weitere Funktion, die «versteckte» Gebühren mit sich bringt, ist eine Auszahlung des angelegten Vermögens auf ein Konto. Das kostet bei EToro zwischen 5 und 25 Dollar. Yoni Assia bestätigt das Geschäftsmodell seiner Plattform: «Unsere Einkünfte basieren auf Volumen.» Im vergangenen Jahr betrug das gehandelte Volumen auf EToro 1000 Milliarden Dollar. Der Hauptnutzen einer Social-Trading-Plattform ist ihr «Openbook». Als User kann man erfolgreiche Trader kopieren und hoffen, dass sich die Anlagestrategie für einen selbst auszahlt. Allerdings ist es riskant, nur einen anderen Trader zu kopieren. Das weiss auch EToro und erlaubt, maximal 20 Prozent des eigenen Portfolios auf einen Trader zu setzen.

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Ein weiteres Risiko birgt die sogenannte Leverage. Dabei werden Instrumente genutzt, die Gewinne hebeln. Wenn eine Aktie 10 Prozent Gewinn macht und Anleger einen Hebel von 10 einsetzen, wird aus dem 1 Prozent Gewinn eben 10 Prozent. Allerdings wirkt der Hebel nicht nur nach oben, sondern auch nach unten, wenn es in die Verlustzone geht.

Trotzdem schreiben einige Nutzer von EToro, dass «Hebeln» der einzige Weg sei, zu Geld zu kommen. Nicht unmöglich, aber nur eben mit sehr hohem Risiko verbunden. Davor warnt auch EToro: «Bitte beachten Sie, dass die Nutzung eines Hebels ein höheres Risiko mit sich führt, da die Hebelwirkung sowohl Gewinne als auch Verluste erhöht. Wenn Sie einen Trade hebeln und der Markt sich gegen Sie bewegt, ist Ihr Verlust grösser», heisst es dort.

Besonders bei CFD-Trading warnt EToro die User. Dabei geht es um Finanzprodukte, die meist grosse Hebel aufweisen: «CFD sind komplexe Instrumente und bergen ein hohes Risiko, durch Leverage schnell Geld zu verlieren.» Besonders für Einsteiger sind diese Produkte riskant, wenn man nicht über genügend Vorwissen verfügt. Auf der Plattform gibt es CFD mit Hebel von 400. Ein Gewinn von 1 Prozent wird zu 400 Prozent. Allerdings ist das Geld auch schon bei einem klitzekleinen Verlust schnell weg. Den meisten Tradern passiert genau das. EToro biete deshalb auch Tutorials zum richtigen Anlegen. Ein gewisses Vorwissen sei absolut notwendig, ansonsten sei man sein Geld schnell los, schreiben Nutzerinnen und Nutzer der Plattform.

Trading-Einsteiger sind vor allem in der Anfangsphase besessen davon, schnelle Gewinne zu schaffen. Deshalb folgen sie Tradern, die eine gute Performance aufweisen. Diese Trader gehen aber bewusst grössere Risiken ein. Das kann eine Weile gut gehen, aber meist scheitert es irgendwann. Dessen sind sich Einsteiger kaum bewusst.

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EToro-Chef und Mitgründer Yoni Assia: «Wir wollen nicht, dass die Leute ihr gesamtes Vermögen auf unserer Plattform investieren.» Er rät Neukunden, am Anfang 10 Prozent ihres Vermögens auf EToro zu platzieren, auszuprobieren und nach ein, zwei Jahren weitere 10 Prozent zu investieren. Es gehe ihm darum, möglichst viele Leute zu erreichen und ihnen die Möglichkeit zu geben, in Unternehmen zu investieren, die sie für spannend halten. «Das unterscheidet uns von den Banken. Wir wollen nicht das gesamte Geld eines Kunden», sagt Assia.

Keine nennenswerten Beträge

EToro ist in den Augen mancher mehr Spielcasino als ernsthafte Vermögensverwaltung. Vielleicht sind die meisten User auch deshalb mit Beträgen unter 5000 Dollar dabei – in einigen Ländern sind es gar unter 1000 Dollar. Damit kaufen die Nutzer meist Titel von Unternehmen, die an den grossen globalen Märkten wie DAX oder Nasdaq kotiert sind. Dort fliesst der grösste Teil der Gelder hin. Trotz der Kritik in der Trader-Community ist EToro in den letzten drei Jahren um 600 Prozent gewachsen. Ein Ende ist nicht absehbar: «Wir werden in den nächsten fünf Jahren die Schwelle von zwanzig Millionen Nutzerinnen und Nutzern überschreiten», sagt Assia. Um das zu schaffen, wolle man sich künftig noch mehr auf die Blockchain-Technologie konzentrieren. «Wir wollen alternative Assets über die Blockchain anbieten, sodass man beispielsweise 1 Prozent eines Kunstwerks besitzen kann», sagt Assia.

Inzwischen ziehe EToro auch Mittelständler an, die zur Plattform statt zur Bank gehen. Für Anleger, die einen spielerischen Ansatz verfolgen und den Austausch schätzen, ist Social Trading eine Option. Es gibt dafür nicht nur EToro, sondern weitere Anbieter, auch Schweizer Firmen (siehe Box). Aber natürlich können Anleger auch über das Online-Trading-Tool einer Bank anlegen. Anbieter wie Swissquote oder True Wealth sind oft bei den günstigsten.

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Clevercircles (clevercircles.ch)
Stammt aus der Schweiz, von der Bank CIC. Man kann Freunde oder Spezialisten einladen, um ihre Meinung über Marktentwicklungen einzuholen. Gemäss diesen Auswertungen kann man dann sein Portfolio anpassen.

Ayondo (ayondo.com)
Man kann Toptradern folgen. Ayondo belohnt die, die am ausgewogensten mit Risiken und Verlusten umgehen. Es gibt für Signalanbieter eine Vergütung zwischen 1 und 5 Dollar pro Follower. Das Unternehmen wird in Deutschland und Grossbritannien reguliert und hat eine tiefe Einzahlung von 1000 Euro. Die Spreads sind eher hoch.

Wikifolio (wikifolio.com)
Ist im deutschen Sprachraum führend. Setzt auf Musterportfolios von privaten und professionellen Händlern. Die besten werden zu Zertifikaten umgewandelt und sind an der Stuttgarter Börsekotiert. Es gibt aber keinen Mobile-Zugang und Investition in Zertifikate beinhalten ein Emittentenrisiko.

Zulutrade (zulutrade.com)
Unterhält Kooperationen mit Brokern. Jeder Trader kann selbst zum Händler werden und umgekehrt. Daher ist Vorsicht bei den Signalgebern geboten. Händler können als Provision bis zu 0,5 Pips für jede Transaktion erhalten. Das Netzwerk ist stark in Forex, wie der Devisenhandel in Fachkreisen genannt wird.

Naga Trader (naga.com)
Bietet ein soziales Netzwerk fürs Investieren an, gibt aber auch einen eigenen Coin (Blockchain-Technologie) heraus, der angewendet werden kann und niedrigere Gebühren bringt.

Tradency (tradency.com)
Ist von den japanischen Behörden reguliert und kein soziales Netzwerk wie die anderen Plattformen, sondern es geht hier nur um die automatische Spiegelung von Portfolios.