Eine der wichtigsten Fragen, vor der jeder Indexanleger steht, ist die Auswahl der richtigen Benchmark. Hier haben Anleger die Qual der Wahl. Denn Studien zufolge stehen weltweit über drei Millionen Indizes zur Verfügung.  

Nun kann man argumentieren, diese Vielfalt sei im Interesse der Anleger, denn so stehe praktisch für jedes beliebige Anlageziel, jede Präferenz und jede verrückte Idee der passende Index zur Verfügung. Aber kann diese Fülle an potenziellen Benchmarks nicht auch verwirrend für Anleger sein und sie von den Grundprinzipien ablenken, die einen guten Index ausmachen?  

Richtiges Timing ist entscheidend  

2020 wird als Jahr der Pandemie in die Geschichte eingehen. Für Anleger war das Jahr aber auch davon geprägt, dass einige Anlagethemen sehr gute Resultate erzielt haben. Unter den fünf themenspezifischen ETF mit der höchsten Performance waren Covid-19-Gewinner wie Videogaming, Cloud-Computing und saubere Energie, die allesamt den Gesamtmarkt übertroffen haben. Hier stellt sich die Frage, ob Themenindizes die beste Wahl sind, um an diesen Gewinnertrends zu partizipieren.  

Der Plan klingt überzeugend: Gezielt auf die Wirtschaftsbereiche setzen, die sich im anvisierten Zeitraum vermutlich am stärksten entwickeln werden. Die Praxis zeigt aber, dass Timing eine entscheidende Rolle spielt, um mit solchen themenspezifischen Anlagen Erfolg zu haben. Wenn in einem Jahr ein bestimmtes Thema vorne liegt, weiss man noch lange nicht, wie es sich in Zukunft weiterentwickelt.  

Bei den genannten Top-5-Themen-ETF von 2020 sieht man zum Beispiel, dass sie 2021 bis dato mit nur einer Ausnahme allesamt hinter dem Gesamtmarkt zurückliegen (siehe zweite Grafik).

Die besten Themen-ETFs im Jahr 2020. Kumulative Performance im Zeitraum 31.12.2019 - 28.05.2021 (in USD). Die ange-gebene Performance basiert auf dem täglichen Nettoinventarwert der ETFs, der alle internen Kosten mit einbezieht.

Die besten Themen-ETF im Jahr 2020.

Quelle: Bloomberg
Die besten Themen-ETFs im Jahr 2020 im Zeitraum Jan-Jun 2021

Dieselben ETF im Zeitraum Jan–Jun 2021. (Kumulative Performance im Zeitraum 31.12.2019–28.05.2021 (in USD). Die angegebene Performance basiert auf dem täglichen Nettoinventarwert der ETF, der alle internen Kosten mit einbezieht.)

Quelle: Bloomberg

Um mit thematischen Anlagen Erfolg zu haben, müssen Anleger nicht nur auf das richtige Timing achten, sondern auch die unterschiedlichen Methoden zur Indexberechnung durchschauen.  

Es gibt einen besseren Weg, um sich auf längere Sicht Zugang zu den renditestärksten Themen zu sichern: Nicht die Nadel im Heuhaufen suchen, sondern einfach den gesamten Heuhaufen kaufen, auch wenn dies einigen Anlegern simpel vorkommen mag.

Bei breit diversifizierten Indizes partizipieren Anleger an dynamischen Sektorgewichtungen, die proportional zum relativen Wachstum der Sektoren im jeweiligen Anlageuniversum angepasst werden. So müssen die Anleger nicht über künftige Branchentrends spekulieren oder sich mit den zahlreichen Berechnungsmethoden der Themenindizes befassen.  

Eng gefasste können von der eigenen Popularität überrollt werden  

Einige Themenindizes mussten in der Vergangenheit nachjustiert werden, da die sehr hohen Kapitalzuflüsse zu hohen Konzentrationen in einzelnen Titel – insbesondere kleinere und weniger bekannte Firmen – und damit zu Liquiditätsproblemen geführt haben.  

Über den Autor

Andreas Zingg ist Head of Switzerland & Liechtenstein bei Vanguard Investments Switzerland GmbH.

Die Neukonstitution eines Index aufgrund einer zu hohen Konzentration birgt gewisse Risiken für Anleger. Nicht zuletzt halten sie anschliessend oft ein völlig anderes Portfolio als vor der Neukonstitution.  

Was macht einen guten Index aus?  

Egal an welcher Benchmark sich Anleger orientieren möchten, Indexanlagen bieten mehrere Vorteile, um die individuellen Anlageziele zu erreichen. Dazu zählen eine breite Diversifikation, geringe Kosten sowie ein geringes Abweichungspotenzial von der Marktrendite. Bestimmte Merkmale haben schliesslich alle guten Indizes gemein. An erster Stelle sollte ein Index diversifiziert, liquide und für Anleger transparent sein.  

Best-Practices bei Indizes

Es gibt noch eine Reihe weiterer Best-Practices, auf deren Grundlage ein Index seinen Referenzmarkt noch genauer nachbilden kann. Dazu zählen etwa die Aufnahme von Börsen-Newcomern, damit der Index jederzeit das investierbare Universum repräsentiert, sowie eine dynamische Berücksichtigung der Marktkapitalisierungen, um die relative Grösse der Unternehmen korrekt abzubilden. Diese beiden Faktoren sind aus unserer Sicht entscheidend, um eine aussagekräftige Benchmark zu generieren.  

Wenn Anlageprodukte die genannten Faktoren berücksichtigen, haben Anleger die besten Chancen, damit ihre Ziele zu erreichen. Wenn Investoren also beim nächsten Mal die Millionen an verfügbaren Indizes durchsuchen, sollte gezielt nach diesen Kriterien Ausschau gehalten werden.  

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