Der Goldpreis ist in den letzten zwölf Monaten in neue Rekordhöhen emporgestiegen und lässt Anleger jubeln. Im langfristigen Trend müssen sich Eigenheimkäufer aber alles andere als verstecken.
Immobilien werden nicht umsonst als Betongold bezeichnet, wie ein aktueller Vergleich zeigt. Wer 1998 ein Kilogramm Gold für 13'600 Franken gekauft hat, kann den Barren heute für rund 116'000 Franken verkaufen. Das ist eine Wertsteigerung von 750 Prozent.
Für viele Immobilienbesitzer ist es im selben Zeitraum noch rosiger gelaufen. Ein typisches Einfamilienhaus in der Schweiz kostete gemäss Zahlen der Immobilienberatungsfirma Iazi damals rund 610'000 Franken. Nach Iazi-Kriterien verfügt ein typisches Haus über 5 Zimmer, gut 140 Quadratmeter Wohnfläche und steht auf einem Grundstück mit 500 Quadratmetern. Heute ist ein typisches Haus im schweizweiten Schnitt rund 1,7 Millionen Franken wert.
Betongold schlägt echtes Gold
Beim Kauf im Jahr 1998 musste eine Käuferin oder ein Käufer Eigenmittel von mindestens 122'000 Franken einbringen. Rechnet man die Wertsteigerung des Hauses bis zum heutigen Tag dazu, steckt inzwischen Eigenkapital im Wert von 1,2 Millionen Franken im Haus. Damit beläuft sich der Wertzuwachs gemäss Iazi in dieser Rechnung auf 900 Prozent. Die eingesetzten Eigenmittel haben sich folglich verzehnfacht. Das Betongold schlägt in dieser Iazi-Rechnung das echte Gold beim Vermögensaufbau.
Der Grund für den immensen Wertzuwachs beim Einfamilienhaus ist der Hebeleffekt: Wird eine Immobilie mit 20 Prozent Eigenmittel und 80 Prozent Fremdkapital finanziert, wirkt die Wertsteigerung auf den ganzen hundert Prozent. Auf dem eingesetzten Kapital wirkt also ein fünffacher Hebel. Da kaum jemand ein Haus oder eine Wohnung ohne Hypothek kaufen kann, profitieren die meisten Eigenheimbesitzer von einem solchen Hebeleffekt.
Hebeleffekt erhöht das Risiko
Beim Goldwert hingegen führt eine Wertsteigerung um 10 Prozent dazu, dass der Investor eben diese zehn Prozent verdient. Ausser er setzt beim Anlegen auf Hebelprodukte, die mit höheren Risiken verbunden sind. Denn bei einer negativen Preisentwicklung wirkt der Hebel auch in die andere Richtung und frisst das Eigenkapital überproportional schnell auf.
Diese Gefahr besteht natürlich ebenso beim Hauskauf mit hoher Fremdfinanzierung. Die Häuserpreise in der Schweiz sind seit 1998 zwar praktisch nur gestiegen, gelten also als weniger volatil als andere Anlagen. Es könnten aber irgendwann wieder andere Zeiten kommen. Verliert ein Haus zehn Prozent des Werts, wären bei einem Eigenkapitalanteil von 20 Prozent die Hälfte der Eigenmittel weg. Die Bank wird dann rasch verlangen, dass der Eigentümer frisches Kapital einbringt. Wer das nicht kann, muss mit Verlust verkaufen.
Dieser Artikel erschien zuerst bei Blick.
