Auch 2020 kommen Anleger nicht um Aktien herum. Obwohl die Kurse ein sehr stolzes Niveau erreicht haben und die Wirtschaft nur ein schwaches Wachstum aufweisen dürfte, verspricht der Aktienmarkt nicht zuletzt wegen der anhaltend tiefen Zinsen erneut die besten Gewinnchancen.

2019 war eines der besten Anlagejahre überhaupt. Der SMI hat trotz der schwächelnden Konjunktur zuletzt neue Rekordwerte erklommen und bis dato rund 27 Prozent zugelegt. Verantwortlich waren dafür die Zentralbanken, die im Kampf gegen eine Rezession schon frühzeitig ihre Geldpolitik wieder gelockert haben.

Die Analysten sind sich so einig wie selten: Das Hauptargument gilt weiter. Höhere Zinsen sind nicht in Sicht. Daher gibt es noch lange keine Alternative zu Aktien. Obligationen und auch der zunehmend überhitzte Immobilienmarkt nicht. Doch dürfte 2020 die Ernte geringer ausfallen. Prognostiker rechnen mit einem Plus am Aktienmarkt von maximal zehn Prozent.

«Die Investoren müssen sich darauf einstellen, dass der Markt einfach weniger hergibt», sagt Andreas Köster, Chef der Global Asset Allocation bei der Grossbank UBS.

Denn die Aktienkurse dürften 2020 wieder stärker vom Gewinnwachstum der Unternehmen beeinflusst werden und damit moderater ausfallen, sagt Martin Lück, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter BlackRock.

Unsicherheitsfaktoren bestehen weiter

Die Unsicherheitsfaktoren Handelsstreit und Brexit, die den Markt 2019 immer wieder belastet hatten, schweben daher weiterhin über dem Markt. Und trotz Sieg der Konservativen bei den britischen Parlamentswahlen ist nach wie vor offen, wie der Brexit konkret ausgestaltet wird.

Zudem hegen Anleger Zweifel, ob es nach der jüngsten Annäherung der USA und China im Handelsstreit wirklich zu einem Abkommen kommt. Schon mehrfach wurde vorschnell ein Durchbruch gefeiert, der sich dann wieder in Luft aufgelöst hat. Eine Annäherung sei zwar gut für die Marktstimmung, sie dürfte aber bereits weitgehend in den Kursen eingepreist sein, warnt BlackRock-Stratege Lück.

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Auch das Rennen um die US-Präsidentschaft wird wohl für Bewegung an den Märkten sorgen. Die Anleger dürften daher auch im nächsten Jahr zwischen Risikofreude («Risk-on») und Risikoscheu («Risk-off») schwanken, glaubt der Assetmanager Allianz Global Investors.

US- und Schweizer Aktien als Favoriten

Für die Zürcher Kantonalbank sind US- und Schweizer Aktien die Favoriten im Anlagejahr 2020. Sie seien zwar teurer als andere, sie lockten aber auch mit höherem Gewinnpotenzial. Für die Banque Pictet ist die hiesige Börse dagegen vor allem wegen ihres defensiven Charakters attraktiv.

Mit Obligationen ist dagegen weiterhin nur wenig Staat zu machen, sagen die Analysten. Auch 2019 dürften Eigenossen und andere erstklassige Obligationen eine negative Rendite aufweisen. Als Zinsersatz sollten Dividenden erwogen werden. Als Bond-Alternative könnten aber auch Immobilienaktien und -fonds in Frage kommen.

Gewisse Chancen sehen Pictet und ZKB bei Anleihen aus Schwellenländern. Wenn Anleihen, dann Papiere von mittlerer Bonität, rät UBS. Die sichersten Papiere gäben nichts mehr her und im Bereich der Hochzins-Anleihen nähmen die Kreditrisiken zu.

Gold könne als Beimischung ins Depot erwogen werden, sagt Janwillem Acket, Chefökonom von Julius Bär. Thomas Stucki, Chef-Stratege der St. Galler Kantonalbank, rät dazu, aus Sicherheitsüberlegungen 5 bis 10 Prozent des Vermögens in Gold zu halten.

Aktien, what else?

Relativ einfach sieht es ein Aktienhändler: «Präsident Trump will unbedingt wiedergewählt werden, damit macht er alles, was dem Aktienmarkt hilft. Also ist es weniger wichtig, welche Aktien man hält. Wichtig ist einzig, dass man Aktien hält.»

(awp/tdr)