Herr Attia, Sie bezeichnen Automate als Underwriting Agency – weshalb? Ist das klassische Brokergeschäft tot?

Nein, das klassische Brokergeschäft oder auch die klassischen Vertriebskanäle wie der Versicherungsaussendienst sind auf keinen Fall tot! Im Gegenteil, insbesondere die Brokerinnen und Broker sind ein wichtiger Vertriebskanal für uns und generieren einen Mehrwert für Privat- und Unternehmenskunden. 

Partner-Inhalte
 
 
 
 
 
 

Automate kommt einer Underwriting Agency sehr nahe, da die Aufgaben einer Underwriting Agency darin bestehen, sämtliche administrativen Tätigkeiten einer Versicherung zu übernehmen, also unter anderem Risiken für den Risikoträger zu zeichnen beziehungsweise spezifische Produkte für den Risikoträger zu entwickeln und anzubieten. 

HZ Insurance-Newsletter DAILY
Karin Bosshard, Chefredaktorin von HZ Insurance, und ihr Versicherungsexpertenteam liefern Ihnen die Hintergründe zu Themen, welche die nationale und internationale Versicherungswelt bewegen. Jeden Tag (werktäglich) in Ihrem E-Mail-Postfach. Jetzt kostenlos zum Newsupdate für Insurance-Professionals anmelden.
HZ Insurance-Newsletter DAILY

Was unterscheidet Automate denn von einem Assekuradeur?

Wir nehmen diese Aufgabe in einem ähnlichen Rahmen wahr, mit dem Unterschied, dass die Zeichnungspolitik vom Versicherer vorgegeben ist. Wir verstehen uns als technologiebasierte Versicherungsplattform, die im Tandem mit unseren Vertriebspartnern und unseren Risikoträgern agiert. Wir sind also der Abwicklungsdienstleister oder Service-Provider des Risikoträgers. Gleichzeitig bieten wir mit unseren White-Labeling-Lösungen auch Möglichkeiten für Versicherungsgesellschaften und deren Aussendienst, die ihre Produktpalette ergänzen wollen.

2020 hat Automate den Innovationspreis der Schweizer Assekuranz erhalten – haben Sie das Geschäftsmodell seither verändert?

Nicht gross, nein. Unter anderem dank der vom Innovationspreis ausgezeichneten Pay-as-you-drive-Lösung mit Swiss Re konnten wir über die uns angeschlossenen Versicherungsmakler kontinuierlich wachsen.

In der Zwischenzeit haben wir weitere nationale und internationale Versicherer sowohl als Produkt- als auch als Vertriebspartner gewonnen. Beispielsweise verwalten wir seit mehreren Jahren das Mietkautionsversicherungsangebot der SBB-Immobilien für deren Mieterinnen und Mieter. Darauf ist auch die Uniqa Liechtenstein aufmerksam geworden, und seit diesem Jahr haben wir mit ihr eine Mietkautionsversicherung für sämtliche Mieterinnen und Mieter in der Schweiz verfügbar. Diese vertreiben wir über die uns angeschlossenen Brokerinnen und Broker.

Worauf führen Sie den Erfolg zurück?

Unser Angebot für Versicherungen und andere grosse Unternehmen zielt konsequent auf das Bedürfnis nach Lösungen ab, welche einerseits ihre bestehenden Kern-Systeme nur minimal tangieren und andererseits schnell und skalierbar umsetzbar sind. Dabei profitieren wir von unseren Versicherungs- und IT-Erfahrungen und entwickeln Lösungen, die stets vom Vertrieb, dem Produktmanagement und anderen relevanten Stakeholdern mitgestaltet werden können. 

Wir heben uns in vielerlei Hinsicht von einem Insurtech-Venture oder einem Startup ab.

Was heisst das?

Wir setzen auf Co-Kreation mit den Versicherern, denen wir auf Augenhöhe begegnen. Das schätzen die meisten Kunden. Aufgrund kurzer Entscheidungswege und unserer Best-Practice-Ansätze sowie unserer einfach integrierbaren Plattform kann Automate quasi als Schnellboot neben dem grossen Tanker erfolgreich agieren. Damit lösen wir für Unternehmen das Problem, dass die Umsetzbarkeit auf Basis der bestehenden IT-Legacy zu lange dauert und die limitierten Ressourcen einen zeitnahen Go-Live verunmöglichen.  

Wodurch unterscheidet sich Automate von anderen Insurtechs?

Wir heben uns in vielerlei Hinsicht von einem Insurtech-Venture oder einem Startup ab. Die meisten Leute denken beim Wort Insurtech an einen neuen digitalen Vertriebskanal,  der das Versicherungsprodukt breit vermarktet und vertreibt. Uns war sehr früh klar, dass wir die Komplexität des «Versicherungslateins» und die dazugehörigen Prozesse auf das Wesentliche reduzieren müssen. Dadurch können wir Effizienzen in verschiedensten Bereichen generieren, um ganz im Sinne des Plattformgedankens mehrere Anspruchsgruppen wie Vertrieb, Underwriting oder Leistungen gleichzeitig bedienen zu können. 

Wir haben die Bearbeitungszeit auf fünf Minuten reduziert.

Und wie funktioniert das?

Dazu haben wir beispielsweise verschiedenste Vertragsmutationen im Hintergrund automatisiert. Bisher haben Vertriebsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter bis zu 45 Minuten Bearbeitungszeit für den Prozess von der Offertierung bis zur Policen- und Rechnungstellung einer klassischen Autoversicherung aufgewendet. Wir haben diese Bearbeitungszeit auf fünf Minuten reduziert. Der Proof of Concept ist uns auch bereits mehrmals mit verschiedenen Produktlaunches gelungen.

Welchen Einfluss haben das neue Vermittlergesetz und die Änderung der Aufsichtsverordnung auf dieTätigkeit als Underwriting Agency?

Das wissen wir noch nicht so genau. Die genauen Regelungen, die in den Verordnungen zum neuen Vermittlergesetz verankert sein werden, sind heute noch nicht richtig abschätzbar. Wir gehen davon aus, dass eine weitere Dimension der Komplexität hinzukommt und ein Qualitätsauftrag für uns daraus resultieren könnte.

Werfen wir noch einen Blick in die Kristallkugel: Wo steht Automate in fünf Jahren?

In einer sich immer schneller wandelnden Zeit ist eine klare Prognose schwierig. Nichtsdestotrotz wage ich ein paar Arbeitshypothesen zu formulieren: Automate wird dannzumal als Benchmark für Insurance as a Service in der Versicherungsbranche etabliert sein. Unsere Lösungen werden sämtliche Geschäftsmodelle der Plattformökonomie wie zum Beispiel Embedded Insurance oder Affinity-Versicherungen unterstützen.