Seit 2022 hat die Schweizer Nationalbank den Leitzins deutlich angehoben. Gleichzeitig kommt es an den Aktienbörsen weltweit zu Turbulenzen. Unweigerlich stellt sich die Frage, wie Pensionskassen auf dieses neue Umfeld reagieren sollen. Gilt es, Anlagestrategie und Parameter wie den technischen Zins und den Umwandlungssatz anzupassen? Diesen Themen widmete sich die ZHAW-Fachveranstaltung «Vision PK 2030».

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Genereller Einfluss von Zinsen

Am Webinar vom 8. Mai 2023 referierten drei Branchenexperten vor rund hundert Teilnehmenden über Zinswende, veränderte Anlageperspektiven und den Einfluss von Zinsen auf die Bilanzen der Pensionskassen. Moderiert wurde das Webinar von Markus Moor, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Risk & Insurance der ZHAW.

Wieder auf dem Niveau von 2019

Stefan Keller, Asset Allocation Strategist und Portfoliomanager bei Candriam, erläuterte in seinem Vortrag, was die Zinswende aus der Vogelperspektive für die Pensionskassen bedeutet. Er vermittelte dazu einen Überblick über das makroökonomische Umfeld, die Folgen der eingeleiteten Zinswende und die aktuellen Herausforderungen für Anlagestrategien.

Langfristig erwartete Renditen sind jetzt viel attraktiver.

Stefan Keller, Asset Allocation Strategist und Portfoliomanager bei Candriam

Keller zeigte auf, dass die eingeleitete Zinswende die zuvor rückläufigen Renditen insgesamt wiederhergestellt hat; man befände sich jetzt wieder auf dem Niveau von 2019. «Langfristig erwartete Renditen sind jetzt viel attraktiver», sagte der Candriam-Portfoliomanager. Allerdings sei 2022 betreffend Diversifizierung ein «Annus horribilis» gewesen. Deshalb müsse auch nach anderen Quellen der Diversifizierung Ausschau gehalten werden. Insbesondere Sachwerte und alternative Strategien könnten die Effizienzgrenze verbessern.

Weniger Liquidität

Im nachfolgenden Referat zeigte Raymond Hamersma, Managing Director von Ortec Finance, welche Anlageperspektiven sich bei höheren Zinsen bieten. Er hob hervor, dass von Anfang dieses Jahrhunderts bis Ende 2021 die Zinsen praktisch kontinuierlich rückläufig waren, was dazu führte, dass festverzinsliche Wertpapiere auf der Aktivseite der Bilanz den Pensionskassen nicht mehr helfen konnten. Die erwarteten Renditen waren weitgehend negativ oder konnten nur durch die Inkaufnahme erheblicher Kredit- oder Illiquiditätsrisiken positiv gestaltet werden. Pensionskassen reagierten darauf, indem sie aufgrund der Situation tiefere Renditen und höhere Risiken und damit verbunden auch weniger Liquidität in Kauf nahmen. 

Renditen im Grund nicht verändert

Glücklicherweise habe sich die Lage bei den festverzinslichen Wertpapieren inzwischen wieder verändert, betonte Hamersma. So haben sich die Erträge aus festverzinslichen Wertpapieren mit fünf- bis zehnjährigem Horizont deutlich verbessert. Bei den Aktien sieht das Bild allerdings anders aus: Die erwarteten Renditen hätten sich im Grunde nicht verändert. Und bei den Immobilien dürfte der Zenith gar überschritten sein. In den letzten Jahrzehnten hätten diese dank niedriger Zinsen eine sehr gute Performance hingelegt. Da nun aber die Zinssätze deutlich höher sind, sei es nicht abwegig, anzunehmen, dass der künftige Anstieg geringer ausfallen könnte, was in der Konsequenz zu niedrigeren Renditen führe. Die Auswirkungen auf alternative Anlagen seien dagegen weniger deutlich und würden stark von der Art der Alternative abhängen. Etwa Private Debt dürfte von den höheren Kreditspreads profitieren, und die Infrastruktur könnte von den höheren Inflationsraten profitieren. Hingegen könnten Private Equity und bestimmte Hedgefonds von den höheren Kreditzinsen negativ betroffen sein, so Hamersma.

Es gibt wieder Optionen 

Höhere Renditen stellten erfreulicherweise nicht die einzige Verbesserung dar. Durch die angehobenen Zinssätze würden sich endlich wieder Optionen ergeben, sagte der Chef von Ortec Finance vor den Teilnehmenden des Fachseminars. Auch sei es wieder möglich, etwa in Kredite von geringerer Qualität oder in Anlagekategorien mit höherer Komplexität zu investieren. 

Negative Renditen sind nicht unbedingt schlecht

Zum Schluss ging Marco Jost, PK-Experte und Partner bei PPC Metrics, auf die Auswirkungen der Zinsrisiken auf die Bilanzen von Pensionskassen ein. Er erläuterte, wie Zinsschwankungen den Deckungsgrad beeinflussen.

Konsistente Bewertung ist unabdingbar, um Klarheit zu schaffen.

Marco Jost, PK-Experte und Partner bei PPC Metrics

Diese stellten ein Risiko dar, wenn die Duration beider Bilanzseiten nicht übereinstimmt. Das sei typischerweise dann der Fall, wenn es zu einer Erhöhung von Marktzinsen kommt, was eine Neubewertung der Verpflichtungen zur Folge hat. Deshalb sei eine konsistente Bewertung unabdingbar, um Klarheit zu schaffen, folgerte Jost. Zwar würden Zinserhöhungen den unmittelbaren Marktwert von Nominalanlagen reduzieren, dafür würden sich die zukünftigen Erträge erhöhen. Jost ergänzte, dass bei einer Zinserhöhung der technische Deckungsgrad sinkt, dabei aber unberücksichtigt bleibt, dass damit eine künftige Finanzierung verbessert wird. Nur mit einer systematischen Anpassung der Bewertungszinsen an die Marktzinsen, etwa durch die ökonomische Bewertung, wird der tatsächliche Einfluss der Zinsen wirklich sichtbar.

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Negative Renditen in Verbindung mit einem Zinsanstieg, wie dies 2022 erfolgte, seien für Pensionskassen mit langen Verpflichtungen insgesamt nicht unbedingt schlecht.