Die Finanzmarktturbulenzen zur Zeit der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 ziehen Insidern zufolge möglicherweise Strafermittlungen bei einigen Allianz-Fondsmanagern nach sich. Das US-Justizministerium untersucht, ob die Fondsmanager den Investoren gegenüber das Risiko ihrer Anlagen verschleiert hatten, wie drei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Das Ministerium und die Allianz lehnten eine Stellungnahme zu den Ermittlungen ab.

Hintergrund der Untersuchungen ist ein Konflikt, den die Vermögensverwaltungs-Tochter Allianz Global Investors (AllianzGI) mit US-Investoren mehrerer Hedgefonds hat. Die unter dem Namen «Structured Alpha» aufgelegten Fonds hatten Verluste verzeichnet, als die Märkte im ersten Corona-Schock in die Knie gingen. Pensionsfonds und andere Anleger klagen deshalb gegen die Allianz und machen Verluste von bis zu sechs Milliarden Dollar geltend.

«Massiver Rückschlag für die Allianz»

Der Allianz-Vorstand warnte Anfang August, dass die mit den Fonds verbundenen Angelegenheiten erhebliche Auswirkungen auf künftige Finanzergebnisse haben könnten. Allianz-Chef Oliver Bäte sagte damals, es sei eine schreckliche Woche für ihn und den Versicherer. Die Vorfälle hätten nichts mit der Allianz-Kultur zu tun. Nicht alles sei perfekt gelaufen im Fondsmanagement, räumte er ein. Auch in Deutschland bekommt es die Allianz wegen des Streits um US-Hedgefonds mit der Finanzaufsicht Bafin zu tun.

Nach Berechnungen der Berenberg-Analysten - die die Allianz-Aktie zum Kauf empfehlen - drohen dem Versicherungskonzern aus München im schlimmsten Fall Schäden von bis zu 6,8 Milliarden Euro, wenn er alle Klagen verliert und zu Strafzahlungen verurteilt wird. Das entspricht in etwa dem gesamten Gewinn des vergangenen Jahres. «Es ist ein massiver Rückschlag für die Allianz», sagte Ingo Speich, Leiter des Nachhaltigkeitsbereichs beim Allianz-Grossaktionär Deka. «Das wirft die Frage auf, inwieweit die Allianz als Versicherer sich im Fondsgeschäft und mit komplizierten Produkten betätigen sollte.»

Investmentstrategie geändert

Kern des Streits mit dem Pensionsfonds aus Arkansas ist die Frage, ob die Fondsmanager alles getan haben, um Verluste zu vermeiden. «Der Hauptvorwurf ist, dass sie von ihrer Investmentstrategie abgerückt sind», sagte der Anwalt eines Klägers bei einem Treffen mit einem Richter. «Sie haben gesagt, sie handeln nach der Strategie, haben es aber dann nicht getan.» Im Februar 2020 hatte Allianz Global Investors in einer Präsentation über den Fonds mit einem Volumen von damals 15 Milliarden Dollar geschrieben, das Unternehmen sei auf schwere Marktturbulenzen vorbereitet. Ende März wurden zwei Fonds aufgelöst, die Ende 2019 noch zusammen auf einen Wert von 2,3 Milliarden Dollar gekommen waren.

Im Februar 2021 hatten die Anwälte der Allianz angeführt, dass die Pensionsfonds sehr erfahrene Investoren seien, die über die spekulativen Anlagestrategien Bescheid wüssten. Sie könnten es sich leisten, ihr gesamtes Geld zu verlieren. Die Pensionskasse aus Arkansas, die Ende 2019 1,6 Milliarden Dollar in drei Alpha-Fonds angelegt hatte, wechselte mit dem Geld, das noch übrig war, im April zum Allianz-Rivalen Blackrock. Die Allianz lehnte eine Stellungnahme dazu ab, wie viel Geld in den Alpha-Fonds noch vorhanden ist.