Ende 2021 hatte Gert De Winter die Krebsdiagnose erhalten. Kurz vor Weihnachten. Seit August ist er wieder zurück an der Arbeit. Er hat als Folge der schweren Operation an der Speiseröhre und der Chemotherapie stark abgenommen, als er Michael Heim von der «Handelszeitung» zum Interview empfängt. Im langen Gespräch spricht De Winter erstmals über die Behandlung – und das Tabu Krankheit.

Nach der sechsmonatigen Behandlung mit sechs Chemo-Zyklen und einer grösseren Operation gehe es ihm ziemlich gut, sagt De Winter. Zwar gehe er nun früher ins Bett und schlafe mehr. «Aber ich bin krebsfrei und die Prognose ist positiv.»

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Er habe vor der Diagnose gespürt, dass etwas nicht stimme. Dennoch sei die erste Zeit sehr emotional gewesen: «Wenn man innerhalb von drei Minuten die Wörter Krebs, Tumor, Operation, Chemotherapie hört, ist das natürlich ein Schock.»

Lesen Sie das grosse Interview in der «Handelszeitung»:

Schnell wieder im Arbeitsmodus

Obwohl die Genesungschance bei Speiseröhrenkrebs nur 50 Prozent beträgt, habe er nie einen Plan B gehabt, sagt De Winter. Zusammen mit Verwaltungsratspräsident Thomas von Planta und Schweiz-Chef Michael Müller habe man sich neu organisiert.

«Ich wollte die strategischen Themen weiter betreuen: Verwaltungsratssitzungen, Teamsitzungen», sagt De Winter. Müller übernahm die operativen Aufgaben, was sehr gut funktioniert habe.

Er könne zwar nachvollziehen, wenn andere bei einer schweren Erkrankung einen kompletten Break machten. Für ihn aber sei weiterarbeiten eine willkommene Ablenkung gewesen. «Ich habe auch viel vom Spital aus gearbeitet. Spital-Office statt Homeoffice. Wir hatten ja noch die Covid-19-Regelungen.»

Überwältigende Reaktionen von Kolleginnen und Kollegen

Die Reaktionen von Kolleginnen und Kollegen seien überwältigend gewesen, so De Winter. Die vielen Reaktionen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hätten gezeigt, dass es sich lohne, über Krankheiten offen zu sprechen.

Auch Swiss-Life-CEO Patrick Frost, der vor einigen Jahren selber an Krebs erkrankt war und dies auch offen kommunizierte, sei auf ihn zugekommen. «Ich war schon bei der Baloise, als Patrick erkrankte, und ich fand es sehr mutig, wie er damit umgegangen ist. Patrick hat mich auch sehr bald, nachdem ich meine Krankheit kommuniziert hatte, kontaktiert. Er schlug vor, darüber zu reden.»

Dingend nötige AHV-Reform

Im weiteren Verlauf des Interviews spricht De Winter unter anderem über seine Zusammenarbeit mit dem Banker von Planta, die Diversität bei der Baloise und die Dringlichkeit der AHV-Reform, über die im September abgestimmt wird.

(hzi/gku)