Weshalb entschied Hesse & Partner, sämtliche Aktien an Gallagher zu verkaufen?

In erster Linie ist die vollständige Übernahme der Aktien ein grosser Vertrauensbeweis von Gallagher, dass man an unser Konzept, unsere Strategie und ganz allgemein an den Standort Schweiz glaubt. Es zeigt, dass Hesse & Partner in der Vergangenheit vieles richtig gemacht hat. Dass der Firmengründer Guido Hesse früher oder später seine eigenen Ideen verfolgen würde, war schon länger klar. Der jetzige Zeitpunkt ist sicher auch unter dem Aspekt der geplanten Übernahmen durch Gallagher von WillisRe und den Willis Standorten in Deutschland, Frankreich, Holland und Spanien zu sehen. 

Gleichzeitig mit dem Verkauf erhöhen sie den Personalbestand und eröffnen eine Niederlassung in der Romandie. Welche Ziele verfolgen Sie innerhalb der nächsten zwei Jahre?

Mit den getätigten Investitionen holen wir uns enorm viel zusätzliches Know-How an Bord. Damit können wir unter anderem unsere Präsenz in der Romandie und unsere Nähe zu den Kunden verstärken. Hesse & Partner hat heute schon einen exzellenten Ruf als Spezialitätenmakler. Bei gewissen Industrien, etwa Kehrichtverbrennungsanlagen beziehungsweise im Bereich waste-to-energy, können wir behaupten, dass wir Marktführer sind. Mit den nun getätigten Investitionen und dem Gallagher-Netzwerk im Rücken sind wir in der Lage, auch grosse und komplexe internationale Firmen zu beraten, internationale Programmlösungen anzubieten und diese auch effizient und kundenfreundlich umzusetzen. Wir wollen ganz klar mehr als nur eine valable Alternative zu den beiden «grossen» AON und Kessler/Marsh sein.

Was bringt diese Expansionspolitik den Kunden?

In erster Linie ein noch tieferes und breiteres Fachwissen als bereits zuvor, welches wir zum Wohle der Kunden in der Beratung und insbesondere auch bei komplexen Schadenfällen einsetzen können. Zudem haben wir als Teil von Gallagher Zugriff auf Expertenteams, auch in sehr speziellen Gebieten wie beispielsweise Intellectual Property, Captives und parametrische Lösungen, die wohl in Zukunft deutlich an Bedeutung gewinnen werden. Wir verfügen nun über ein weltweit etabliertes Netzwerk, das uns erlaubt, auch grosse internationale Kunden hoch professionell zu betreuen, egal wo diese auf der Welt tätig sind. 

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Ist diese Expansionspolitik von den Schweizer Kunden gefragt?

Davon sind wir absolut überzeugt. Nach dem Verschwinden von Willis nach dem Merger mit Aon wollen die Kunden alternative Anbieter haben. Die Anforderungen an eine gute Betreuung und Beratung werden immer höher. Die Schadenfälle vieler Kunden werden immer komplexer, vor allem im Haftpflichtbereich. Die Kunden brauchen hier professionelle und fundierte Unterstützung. Diese können wir über alle Sparten anbieten. Egal, ob für nationale KMU’s oder international tätige Grossunternehmungen. 

Sie führen ein neues Operating Model ein: Haben Sie Nachholbedarf?

Wir passen uns den Bedürfnissen der Kunden an und wollen damit unsere Abläufe vereinfachen und modernisieren. Das wird auch unseren Kunden einen Mehrwert bieten, zum Beispiel in Form von noch schnelleren Antwortzeiten. Ebenfalls wird die Digitalisierung uns und den Kunden im täglichen Geschäft eine deutliche Effizienzsteigerung bringen. Die Implementierung von Kunden- und Partnerplattformen via unserer neuen IT-Lösung wird den Kunden einen direkten Zugriff auf ihre benötigten Daten erlauben und wir können auch internationale Programmlösungen verständlich darstellen. Zudem werden wir die Führungsebene ausbauen, um strategische Entscheidungen breit abzustützen. 

Wann wird Hesse & Partner in Gallagher umbenannt?

Das ist früher oder später denkbar. Wann und in welcher Form das passieren wird, kann ich aber im Moment noch nicht sagen. Klar ist, dass wir uns Gedanken über ein Re-Branding machen.

Gallagher ist im Europäischen Umfeld auf Einkaufstour. Wird das Unternehmen weitere Broker in der Schweiz aufkaufen?

Wenn sich gute und passende Gelegenheiten bieten, die sinnvoll sind und zu uns und unserer DNA passen, ist das sicher denkbar. Wichtig ist dabei aber immer eines: Ein Zukauf macht nur dann Sinn, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dann auch zu uns wollen und die Unternehmenskulturen zueinander passen. 

Heute wurde ebenfalls der Zusammenschluss von Advantis, MEEX und S&P Insurance Group bekannt. Worauf sind diese Bewegungen zurückzuführen?

Jeder Merger hat seine eigene Geschichte und es stecken immer verschiedene strategische Überlegungen dahinter. Im Falle der geplanten Übernahmen von westeuropäischen Willis-Gesellschaften durch Gallagher komplettiert diese unter anderem das Netzwerk und die geographische Präsenz von Gallagher optimal, da die Gruppe bisher erst in der Schweiz, in einigen nordischen und osteuropäischen Ländern vertreten war. Das sind also hervorragende und sinnvolle Ergänzungen. Zudem kauft man sich viel wertvolles Know-How ein. Aber es ist sicher so, dass durch die gestiegenen Anforderungen an einen Makler der rasche Zugriff auf Know-How immer wichtiger und die Beratung immer zeitintensiver wird, was auf die Kosten drückt. Bei einer Übernahme dürften also die Skalen-Effekte immer eine Rolle spielen. Dieser Trend lässt sich auch bei den Versicherungsgesellschaften beobachten, zuletzt im Falle AXA und XL. 
 

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