Die Executives schweizerischer Versicherungen fallen zwar mit ihrem Alter zwischen 50 und 60 Jahren nicht in die höchste Risiko-Gruppe der Coronavirus-Pandemie. Aber als Männer sind sie – gestützt auf die ersten Erkenntnisse von grossen Untersuchungen – exponierter als gleichaltrige Frauen und ihre Gefährdung ist auch grösser als die jüngerer Alterskohorten. 

An den bisher erfolgten Bilanzmedienkonferenzen zeigten sich diese Executives bislang sehr entspannt: In den Corporate-Lösungen, wie sie Zurich und Swiss Re weltweit verkaufen, werden Risiken aus Pandemien gewöhnlich nicht abgedeckt. Die Ansprüche werden lediglich dann ausbezahlt, wenn es an Gebäuden zu Schäden kommt. Auch in vielen Business-Interruption-Policen befinden sich entsprechende Ausschlussklauseln.

Lage ist ungefährlich

Auch bei Lebensversicherungen wie Swiss Life sieht man die Lage als nicht gefährlich für die Versicherungsgesellschaft an. Man verweist hier darauf, dass und wie sich bei den sich abzeichnenden Todesfällen in älteren Kohorten die belastenden und entlastenden Faktoren einigermassen kompensieren. 

Problem: Nicht digitalisierte Prozesse

Wenn es Probleme für Versicherungen aufgrund der jüngsten Entwicklungen gibt, dann aufgrund der rapide gefallenen Preise von Assets wie Aktien. Offen sind noch die Auswirkungen auf die einzelnen Geschäftsbereiche, die teilweise bisher nicht digitalisiert worden sind. Selbst eine Versicherung wie Axa in der Schweiz lässt ihre Vertreter noch Interessenten und Kunden anrufen, dass man für Verlängerungen von bestehenden Policen «unbedingt zusammensitzen» müsste – obwohl man gleichzeitig mit einfachen Online-Lösungen wirbt. 

Gemäss Analysten schaut man in der Branche jetzt auf das Geschehen in den Gebieten, wo der personalintensive Versicherungsvertrieb nicht mehr möglich ist. Das sind derzeit einige Regionen in China, in Südkorea sowie in Italien. Erste Medienberichte aus den Gebieten zeigen, dass die Kunden versuchen, ihre Anliegen so gut es geht auf digitalem Weg zu lösen. Versicherungen, die keine entsprechenden Kanäle aufgebaut haben, so die ersten Beobachtungen, dürften unter Druck kommen und die Kunden, die sie jetzt verlieren, auch nicht mehr zurückgewinnen können. 

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Reiseverbote werden sich auswirken

Und auch in einzelnen Bereichen der Rückversicherungsbranche spürt man die Auswirkungen. Einige Cat-Bond-Investoren sitzen auf Verlusten, nachdem ihr Weltbank-Pandemie-Cat-Bond getriggert wurde. Es besteht hier die Hoffnung auf eine milde Hurrikan-Saison. Hier sind es vor allem die Reiseverbote, die in diesem «People Business» einschneidend wirken. Der im Rückversicherungsgeschäft wichtige Standort Bermudas kann zwar noch problemlos erreicht werden, aber langsam steigen die Zahlen der Corona-Betroffenen auch an den beliebten physischen Treffpunkten London und New York. 

Folgen treten verzögert auf

Laut den Analysten von Morgan Stanley werden die Corona-Folgen erst mit einiger Verzögerung den Versicherungssektor treffen. Das ist dann, wenn die Kunden ihre Neuanschaffungen massenhaft aufschieben, weil sie mehrere Wochen keine neuen Autos in der wichtigen Frühlingssaison kaufen können. Damit zeichnet sich kaum Entspannung für das bereits vor dem aktuellen Ausbruch unter Druck stehende MF-Policengeschäft ab. 

Immerhin, so ein Vertreter einer Sachversicherung, gibt es bei diesem Szenario auch eine entlastende Komponente: Deutlich weniger Fahrten bedeuten deutlich weniger Auszahlungen von Schäden. (mn)