Herr Carolin, welche neuen Entwicklungen hat es bei B3i in den letzten Monaten gegeben?
Wir haben kürzlich weiteres Kapital von bestehenden Aktionären aufgenommen und einen neuen Aktionär, Türk Reasürans, hinzugewonnen. Darüber hinaus haben wir zwei neue strategische Partnerschaften vereinbart. Eine mit TCS (Tata Consulting Services) und die andere mit MSG. Beides sind Partnerschaften, die für uns sehr wichtig sind.

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Warum ist die Partnerschaft mit MSG, einem Beratungsunternehmen aus Deutschland, so wichtig?
Diese Partnerschaft erhöht unsere Möglichkeiten, Produkte auf den Markt zu bringen, erheblich. Wir können gemeinsame Workshops mit Kunden abhalten. MSG ist stark in der Integration mit der Rückversicherungsmanagementsoftware von SAP  Das verschafft uns Zugang zu Kunden, die wir sonst nicht hätten erreichen können.

Wie lange arbeitet B3i schon mit MSG zusammen?
Wir arbeiten seit 2019 zusammen. Seit letztem Jahr haben wir ein Team in Rumänien. MSG ist für uns aber nicht nur ein Lieferant, sondern ein strategischer Partner. Neben gemeinsamen Brainstorming- und Lösungsworkshops haben wir eine Proof-of-Concept-Integration der Rückversicherungslösung von B3i in die SAP-Reinsurance-Managementlösung abgeschlossen.

Das klingt, als würde MSG B3i übernehmen.
Das ist nicht der Fall. Viele unserer Aktionäre und Kunden sind auch Kunden von MSG. MSG hilft uns sehr dabei, unsere eigenen Softwareprotokolle in die Rückversicherungsverwaltungssysteme zu integrieren. Mit MSG sind wir in der Lage, den praktischen Wert für unsere gemeinsamen Kunden zu erhöhen: kurzfristig die Integration in Legacy-Systeme zu ermöglichen und derweil Lösungen der nächsten Generation zu bauen, für den Zeitpunkt, wenn die Legacy-Systeme zur Ablösung bereit sind. MSG ist aber derzeit kein Gesellschafter bei uns.

Werden Sie bald weitere Partnerschaften abschliessen?
Das ist für die unmittelbare Zukunft nicht zu erwarten. Die bestehenden Partnerschaften sind bereits sehr produktiv. Man darf nicht vergessen, wie vielfältig die Versicherungslandschaft ist. Man kann in diesem Bereich nicht alles alleine machen und man wird immer starke Partner brauchen.

«Unsere idealen Partner verfügen über Assets, Fähigkeiten und Know-how, die komplementär zu unseren eigenen sind.»

Wie sehen die idealen Partner aus?
Unsere idealen Partner verfügen über Assets, Fähigkeiten und Know-how, die komplementär zu unseren eigenen sind. Zusammen mit unseren Partnern und Drittanbietern von Anwendungen wollen wir ein funktional reichhaltiges digitales Ökosystem aufbauen. Das Ökosystem wird auch den digitalen Vertrieb von Dienstleistungen ermöglichen, sodass alle derzeitigen Dienstleister für die globale Versicherungsbranche potenzielle Partner für B3i sind. Das können Datenbereinigungsdienste, Risikomodellierungsdienste, Treasury-Dienste, Schadenregulierer, Datenanalyseanbieter oder Technologieanbieter sein, um nur einige zu nennen.

Wie ist die Perspektive der B3i-Gesellschafter bei Ihnen?
Wir entwickeln diese Technologie zum Nutzen der gesamten Branche. Wir versuchen, gemeinsame Probleme der Rückversicherer zu lösen, aber unsere Anteilseigner sind gleichzeitig Wettbewerber, die ihre Investitionen in B3i auch nutzen wollen. Der Sweet Spot für uns sind gemeinsame Industrielösungen, Standards und Protokolle für alle, während wir mithilfe von Partnern innovative und differenzierende Lösungen für einzelne Kunden anbieten wollen.

Wie erklären Sie den Partnerunternehmen die Kosten-Nutzen-Relationen Ihrer Lösungen?
Wir haben solche Berechnungen in der Anfangsphase vornehmen lassen. Ein Ergebnis war, dass Versicherungsunternehmen damit die Combined Ratio um 1 Prozent senken können. Aber wir sind von solchen allgemeinen Berechnungen abgerückt. Jetzt berechnen wir die Kosten-Nutzen-Relationen für einzelne Geschäftsfälle. 

Wie verändern sich für B3i die Ansprechpartner bei den Versicherungsunternehmen?
Am Anfang haben wir mit den CTO gesprochen, also den Leuten, die sich für ganz neue Technologien interessieren. Das ist heute anders. Wir sprechen viel mehr mit den Verantwortlichen im operativen Geschäft und dabei geht es nicht mehr so sehr um die Technologie, sondern um den geschäftlichen Nutzen der Technologie. Zum Beispiel verspricht unsere Rückversicherungslösung, das Problem der nicht zugewiesenen Barmittel zu lösen, die Kosten für das Matching zu reduzieren, aber vor allem, das Kapital freizusetzen. Der Return on Investment für Projekte, bei denen Kapital freigesetzt werden kann, ist sehr bedeutend.

«Bis zu vollautomatisierten und deterministischen Smart Contracts ist es noch ein weiter Weg.»

Eine Lösung wie die von B3i kann auf Dauer nur bestehen, wenn eine gewisse Standardisierung erreicht wird.
Bis zu vollautomatisierten und deterministischen Smart Contracts ist es noch ein weiter Weg. Es gibt viel massgeschneidertes Underwriting, aber inkrementelle Verbesserungen auf diesem Weg schaffen schon heute einen Mehrwert. Das ist ein weiterer Grund, warum die Zusammenarbeit mit MSG so wichtig ist. Durch die Verbindung unserer Lösung mit Legacy-Systemen können kurzfristig solche inkrementellen Verbesserungen erzielt werden.

Wie werden sich solche Verbesserungen bemerkbar machen?
Es wird keinen Big Bang geben. Alle grossen Versicherungsunternehmen haben ihre eigenen Wege zur digitalen Transformation. Grundlegende Veränderungen kann man aber letztlich nicht alleine, als einzelnes Unternehmen, realisieren. Wir nähern uns den Zielen über inkrementelle Verbesserungen. Wir tragen mit unserer Technologie, die wir den Aktionären zur Verfügung stellen, zu dieser Entwicklung bei. 

Warum hat sich B3i anfangs für Cat-XoL-Produkte entschieden?
Noch vor ein paar Jahren war die Distributed-Ledger-Technologie viel weniger ausgereift als heute. Für unseren anfänglichen Proof of Concept hatten wir daher ein Versicherungsprodukt gewählt, bei dem relativ selten ein hoher Wert gehandelt wird, um die Skalierbarkeit zu testen. Im Nachhinein würde ich eher ein Produkt wählen, das einen hohen Wert aufweist und das einen hohen Verwaltungsaufwand in der Abwicklung mit sich bringt, der mit Technologie reduziert werden kann. 

Was ist bei B3i an neuen Produkten in der Pipeline?
Wir bringen bald eine neue Anwendung für einen Zusammenschluss europäischer Versicherungsunternehmen heraus. Es gibt Angebote für Risikopools und wir arbeiten an einem umfassenden Projekt zum Austausch von Risikodaten, mit einer Reihe von Variationen des ausgetauschten Datensatzes, beispielsweise in den Bereichen Property Location, Cyber Exposure oder zur Schadenhistorie bei Kraftfahrzeugen. Es gibt auch andere Themen wie Netting von gegenseitigen Verbindlichkeiten und Abrechnung von Forderungen und Verbindlichkeiten, die sich aus Rückversicherungsverträgen ergeben, welche die bestehende B3i-Re-Anwendung bereichern werden.

«Wir orientieren uns an den Bedürfnissen der Kunden – sie geben unsere Roadmap vor.»

Eine logische Entwicklung wäre in Richtung einer Börse für die Produkte …
Wir haben uns das angeschaut. Aber wir orientieren uns an den Bedürfnissen der Kunden – sie geben unsere Roadmap vor. Das ist für uns deshalb kein Thema, das unmittelbar relevant ist. Wir konzentrieren uns auf die operative Effizienz und sind eher eine Clearingstelle für Risiken als eine Börse an sich.

Wo stehen Sie in Bezug auf die Profitabilität? 
Wir haben praktisch eine Rolle als Dienstleister für den Markt und die Versicherungsgesellschaften. Natürlich stellen wir den einzelnen Versicherungen Rechnungen für das, was wir zusätzlich für sie tun. Und natürlich wollen wir finanziell selbsttragend werden. 

Wie können sich die Nicht-Aktionäre einbringen?
Auch solche Versicherungsgesellschaften nutzen unsere Lösungen. Wir wollen sicherstellen, dass alle Teilnehmer der Versicherungsbranche auf unsere Lösungen zugreifen können, egal ob gross oder klein. Wir haben viel investiert, um eine leistungsfähige Infrastruktur bereitstellen zu können, die auch für die kleinsten Unternehmen kosteneffizient ist. Der Wert für alle skaliert mit dem Wachstum des Netzwerks, deshalb möchten wir einen einfachen Zugang in unserem Ökosystem ermöglichen.

Was sind die nächsten Schritte?
Wir bauen nicht nur Anwendungen. Wir haben ein Netzwerk aufgebaut und sind dabei, ein Ökosystem zu entwickeln, das von Partnern, Kunden und Anwendungsentwicklern von Drittanbietern aufgebaut wird. Es ist wichtig, dass wir uns auf die gemeinsamen Standards und Protokolle konzentrieren und als Enabler für Drittpartei-Anwendungsentwickler und Partner agieren, um lokale, regionale oder unternehmensspezifische Probleme zu lösen, die sich aus dem gleichen Grundproblem ergeben: dem Mangel an konsistenten, genauen Daten, die zwischen den Parteien abgestimmt sind. Als Kurator dieses breiteren Ökosystems wollen wir die Interoperabilität sicherstellen und gewährleisten, dass viele Anwendungen und Parteien das Risiko effizienter übertragen können.