Darum geht's
  • Flexibles Arbeiten ist auch in der Schweiz stark im Kommen
  • Die finanzielle Absicherung von Flexworkern in der 2. Säule ist nur ungenügend 
  • Pensionskassen kommt bei Lösungsansätzen eine Schlüsselrolle zu

Arbeiten wie viel ich will, wann ich will und von wo ich will - die moderne Arbeitswelt befindet sich in einem grossen Wandel. So genannte Flexworker wollen nicht einfach nur einem 9-to 5-Job nachgehen, sondern selbst bestimmen, wie sie ihre Arbeitskraft einsetzen. Die Digitalisierung stellt also nicht nur unser alltägliches Leben auf den Kopf - auch die Workforce verändert sich durch die Veränderung von Jobprofilen und Anforderungen an zum Teil hoch spezialisierte Kompetenzen. Gerade am Standort Schweiz seien laut der Studie «Flexible Workforce» des Beratungsunternehmens Bearing Point die Potenziale der flexiblen Workforce dank eines hohen Bildungsgrads, der gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie der modernen Lebensweise der Schweizer Bevölkerung erheblich. Der demographische Wandel tut sein Übriges.

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Dieser Artikel ist Teil der Market Opinion «Private Vorsorge zeitgemäss gestalten», die in Zusammenarbeit mit der Sammelstiftung Vita realisiert wurde.

Flexibilität ist nicht immer Trumpf

Der grosse Schrei nach (mehr) Freiheit bringt für die Flexworker wie auch die Unternehmen allerdings zahlreiche Herausforderungen mit sich, stellt auch das Projekt «Management von Flexible Workforce» der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung Innosuisse und der Fachhochschule Nordwest (FHNW) fest. Es sei ein hochkomplexes Feld und strategisches Workforce Management werde zu einem Erfolgsfaktor, der über die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen entscheidet. Dazu gehöre insbesondere auch die Ausgestaltung der beruflichen Altersvorsorge. Denn so attraktiv flexible Arbeitsmodelle auf den ersten Blick erscheinen - die Projektergebnisse von Innosuisse zeigen ebenfalls, dass die finanzielle Absicherung von Flexworkern in der 2. Säule nur ungenügend ist. Das liegt auch daran, dass sich das BVG in der Schweiz noch immer am klassischen Modell des 100%-Vollzeiterwerbs orientiert. Die Minimalbestimmungen wie Eintrittshürde, Mindest- und Maximallohn oder Koordinationsabzug können bei Flexworkern also zu grossen Vorsorgelücken in der betrieblichen Altersvorsorge führen (HZ Insurance berichtete).   

Schlüsselrolle für Pensionskassen

Den Pensionskassen kommt bei Lösungsansätzen zur sozialen Absicherung von Flexworkern somit eine Schlüsselrolle zu. Denn trotz der Einschränkungen gibt es durchaus auch Freiräume, die es zu nutzen gilt. «Auch wenn die Rahmenbedingungen in der beruflichen Vorsorge noch nicht alle Anforderungen moderner Beschäftigungsverhältnisse abdecken, gibt es dennoch heute schon viel Flexibilisierungspotenzial in den Vorsorgelösungen, das nicht ausgeschöpft wird», betont Marcel Oertig, VR-Präsident und Partner der Avenir Group, in einem Interview mit penso.ch. So können Unternehmen beispielsweise die Eintrittsschwelle und den Koordinationsabzug reduzieren oder dem Arbeitspensum anpassen. Zudem kann der Arbeitgeberanteil an die 2. Säule freiwillig erhöht werden, damit den Beschäftigten am Ende mehr Geld auch für die private Altersvorsorge bleibt. Aber auch die Flexworker können selbst dafür sorgen, dass sie sich auch im Alter noch den ein oder anderen Traum erfüllen können - beispielsweise über freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse.  

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Es lohnt sich also für beide Seiten - Arbeitnehmende wie Arbeitgebende -, sich frühzeitig Gedanken über passende Vorsorgelösungen von Flexworkern zu machen. Gerade Arbeitgeber können damit ihre Attraktivität bei heiss begehrten Fachkräften steigern. Ein Zurück zum klassischen 9-to-5-Job wird es für viele Flexworker wahrscheinlich nicht mehr geben, wenn man dem Arbeitsbarometer 2024 des Personaldienstleisters Randstad Glauben schenken darf: Danach würde fast jeder dritte Arbeitnehmende in der Schweiz kündigen, wenn es zu einer Rückkehr ins Büro käme.