Als grosse, langfristig orientierte institutionelle Anleger leisten Versicherungen und Pensionsfonds einen bedeutenden Beitrag zur europäischen Wirtschaft und zu den Kapitalmärkten. Die europäischen Versicherer verfügen über Vermögenswerte im Wert von 9'348 Milliarden Euro, 2'468 Milliarden Euro verzeichnen europäische Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV), schreibt die Eiopa in ihrem Newsletter. Ein erheblicher Teil dieser Vermögenswerte ist bereits in Europa investiert, da 69 Prozent der Investitionen der Versicherer in Aktien, Unternehmens- und Staatsanleihen innerhalb der EU getätigt werden.

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Integration der europäischen Kapitalmärkte

Der Versicherungs- und der Altersvorsorgesektor könnte eine noch stärkere Rolle bei der Vertiefung und weiteren Integration der europäischen Kapitalmärkte spielen, indem er beispielsweise eine breitere Palette von Produkten anbietet, in welche Privatpersonen investieren können und indem die Sparmöglichkeiten der europäischen Bürger genutzt werden, um den grünen und digitalen Wandel voranzutreiben, ist die Eiopa überzeugt.

Im Vorgriff auf den neuen Politikzyklus hat die europäische Aufsichtsbehörde einige Bereiche identifiziert, in denen weitere Massnahmen die Kapitalmarktunion und den Binnenmarkt stärken könnten:

1. Besserer Verbraucherschutz bei Finanzdienstleistungen für Privatkunden.

Die Zahl der Verbraucher, die in Europa durch Anlageprodukte sparen, ist immer noch relativ gering. Infolgedessen werden die Ersparnisse der Verbraucher nicht in die Kapitalmärkte gelenkt, um die Wirtschaft zu finanzieren, und es ist weniger wahrscheinlich, dass die Verbraucher ihre finanziellen Ziele erreichen, was sie wiederum anfälliger für Schocks macht. Eine höhere Quote kann durch die Entwicklung die Akzeptanz von einfacheren, sichereren und leichter zugänglichen Sparprodukten gefördert werden. Zudem sollte laut Eiopa sichergestellt werden, dass Anlageprodukte ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten, indem die Qualität der Finanzberatung verbessert wird  und indem der Schwerpunkt der Regulierung auf die Beherrschung von Verhaltensrisiken gelegt wird. In allen Phasen des Produktlebenszyklus, insbesondere bei grenzüberschreitenden Geschäften, muss die Aufsicht verstärkt werden.

2. Verstärkte grenzüberschreitende Tätigkeit von Versicherern und Pensionsfonds.

Derzeit sind fast 12 Prozent des europäischen Versicherungsgeschäfts grenzüberschreitend. Eine Erhöhung dieses Anteils würde es den Versicherern ermöglichen, eine grosse Zahl von Kleinanlegern in Europa zu erreichen, so dass die Verbraucher von einer breiteren Palette von Anlagemöglichkeiten für ihre Ersparnisse und ihre Altersvorsorge profitieren könnten.

3. Stärkere Nutzung von Dashboards für die Altersvorsorge und automatische Einschreibung in betriebliche Altersversorgungssysteme, um Schutzlücken zu schliessen.

Ein Überblick über die Altersvorsorgeersparnisse sowohl auf nationaler als auch auf individueller Ebene durch die Verwendung von Renten-Dashboards, die jeden nationalen Markt abdecken, sowie von individuellen Tracking-Systemen würde die Transparenz erhöhen, das Bewusstsein schärfen und Kleininvestitionen mobilisieren. Darüber hinaus werden Systeme für die automatische Einschreibung ebenfalls zur Vertiefung der Kapitalmarktunion beitragen. Insgesamt profitieren Länder mit einem gut entwickelten Mehrsäulen-Rentensystem häufig von einer «Silver Economy», die aktiv zum BIP beiträgt.

Schritt halten

Eine stärkere Kapitalmarktunion geht nach Ansicht von Eiopa Hand in Hand mit einem gut funktionierenden Binnenmarkt. Beides sollte nicht auf Kosten des Verbraucherschutzes gehen. Versicherungsnehmer und Begünstigte brauchen ein ähnliches Schutzniveau, unabhängig davon, wo sie in Europa ansässig sind und wo sich der Hauptsitz des Versicherungsunternehmens befindet. In dem Masse, in dem sich die Geschäftsmodelle weiterentwickeln und die Früchte des Binnenmarktes, z. B. eine grössere Produktauswahl und wettbewerbsfähigere Preise, zum Tragen kommen, muss die Aufsicht mit dem Wandel Schritt halten.

Zentralisierte Aufsicht

Ein schrittweiser Übergang zu einer stärker zentralisierten Versicherungsaufsicht ist nach Ansicht von Eiopa sinnvoll, um einen einheitlichen Schutz der Verbraucher in der gesamten EU zu gewährleisten. Ein solcher Schritt würde bedeuten, dass eine Aufsichtsbehörde auf europäischer Ebene in der Lage wäre, in Fällen von Verbraucherschädigung einzugreifen, wenn die nationalen Aufsichtsbehörden nicht in der Lage sind zu handeln. Ebenso müssen die Verbraucher besser geschützt werden, wenn ein grenzüberschreitend tätiges Versicherungsunternehmen in Konkurs geht.

Hier sollen weitere Fortschritte im Hinblick auf eine Mindestharmonisierung der Versicherungsgarantiesysteme dazu beitragen, die Fragmentierung und das Vertrauen in den Binnenmarkt zu verringern. Schliesslich wird die Überwindung der derzeitigen Fragmentierung bei der Genehmigung interner Modelle für Versicherungsunternehmen dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit grosser Versicherungsgruppen zu verbessern.

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Ein stärker integrierter europäischer Binnenmarkt und eine stärkere Kapitalmarktunion sind der Schlüssel zur Förderung des Wirtschaftswachstums - auch durch die Förderung des Übergangs zu einer grünen und digitalen Wirtschaft -, der Wettbewerbsfähigkeit und des Verbraucherschutzes durch eine stärkere europäische Aufsicht. Der Versicherungs- und der Altersvorsorgesektor haben das Potenzial, zu diesem Ziel beizutragen, ist die Eiopa überzeugt. (eiopa/hzi/bdw)