Nach den verheerenden Hochwasserschäden hat die regional im Westen Deutschlands sehr stark verankerte Provinzial-Versicherungsgesellschaft bereits bekannt gegeben, dass ihr Schäden in Höhe von mehr als 750 Millionen Euro gemeldet worden waren – die bislang höchste Summe in der Firmengeschichte des zur Sparkassen-Finanzgruppe gehörenden Versicherers. Allianz hatte eine Schadensumme ihrer Versicherten von 500 Millionen Euro genannt und Axa bezifferte die Schäden in Deutschland und in Belgien zusammen auf 400 Millionen Euro. «Wir gehen insgesamt von versicherten Schäden in der Höhe von 4,5 Milliarden bis 5,5 Milliarden Euro aus», sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Das Tiefdruckgebiet namens Bernd richtete damit den höchsten bislang vom GDV gemessenen Hochwasserschaden an. 

Weniger als die Hälfte ist versichert

Dabei sind in Deutschland lange nicht alle Häuser überhaupt gegen Elementarschäden versichert. Laut GDV-Zahlen besitzen in Nordrhein-Westfalen nur 47 Prozent der Immobilienbesitzer eine entsprechende Police, in Rheinland-Pfalz sind es mit 36 Prozent noch einmal deutlich weniger. Dies, weil Häuser, die an potenziell gefährlichen Orten stehen, erst gar keinen Versicherungsschutz erhalten. Daher ist nun, wie schon nach dem Elbe-Hochwasser im Jahr 2002 und allen anderen Unwetterkatastrophen der letzten Dekaden, die Diskussion über eine staatliche Elementarschadenversicherung erneut entflammt. Bislang blieben die Verhandlungen stets ohne Ergebnis. Eine solche staatliche «Zwangsversicherung» sei ein zu grosser Eingriff in die freiheitlichen Rechte des Einzelnen, so eine offizielle Begründung. «Die Prämien einer solchen obligatorischen Versicherung wären für viele Versicherte eine zu hohe finanzielle Belastung», lautet eine andere. 

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Freiwillige Hilfsfonds statt fairer Solidarität

Von einer solidarischen Pool-Lösung, wie sie in der Schweiz zur Anwendung kommt (siehe Interview mit Fredy Egg), scheint Deutschland weit entfernt. Stattdessen legen einige Versicherer in Deutschland nun freiwillige Hilfsfonds auf wie beispielsweise Axa, die einen Hilfsfonds von 10 Millionen Euro aufgelegt hat. Vertriebspartner sollen die Kunden vor Ort darüber aufklären, welche Kriterien für die Vergabe der Hilfsgelder gelten. Insbesondere Versicherte ohne Elementarschutz sollen Mittel aus diesem Fonds erhalten. Auch die Gothaer hat einen Hilfsfonds von zunächst 500’000 Euro aufgelegt und verspricht unbürokratische Hilfe. Gefördert werden sollen vor allem Projekte, die soziale Härten ausgleichen oder zu einem nachhaltigen Wiederaufbau in den Regionen beitragen. Die Kosten für den Wiederaufbau der öffentlichen Infrastruktur bezifferte Bundesfinanzminister Olaf Scholz bereits auf mehr als 6 Milliarden Euro und damit etwa die Summe, die nach der letzten Hochwasserkatastrophe 2013 aufgewendet werden muss. Damit bleibt das Elbe-Hochwasser von 2002 das bislang teuerste Schadenereignis. 

Schweiz von Hagel geschlagen

Hierzulande hat nebst Hochwasser und Sturm vor allem der Hagel in diesem Jahr bislang für die meisten Kosten gesorgt. Bei den kantonalen Gebäudeversicherungen summieren sich die erwarteten Unwetterschäden auf mindestens 650 Millionen Franken. Alleine bei der Gebäudeversicherung Bern (GVB) sind 22’000 Schäden gemeldet worden. Daraus resultiert eine Schadensumme von rund 110 Millionen Franken. Die Juni-Unwetter seien das grösste Elementarereignis seit 2007, lässt sich Stefan Dürig, Chef der GVB, zitieren. 

Die Schäden der Privatversicherer dürften sich ebenfalls auf mehr als 600 Millionen Franken belaufen. Da einige Versicherungsgesellschaften wie Axa Schweiz und Zurich aber keine Schätzungen mehr über den ihnen entstandenen Schadenaufwand bekannt geben, können genaue Summen erst mit der Veröffentlichung der jeweiligen Jahresabschlüsse ermittelt werden. Die Mobiliar hat die Ereignisse des 28. Juni aber bereits als das teuerste Hagelunwetter in der Geschichte des Unternehmens bezeichnet.