Mobilität gehört zu einer global vernetzten Wirtschaft. Die Corona-Pandemie hat jetzt zwar Reisebeschränkungen gebracht, aber trotzdem sind die zukunftsträchtigen Unternehmen gezwungen, ausländisches Know-how in die Schweiz zu holen oder Mitarbeitende ins Ausland zu entsenden. Wichtig sind solche Erfahrungen auch für das persönliche Lebensprofil. Wer eine Karriere anstrebt, für den ist ein beruflicher Auslandsaufenthalt zwingend. Damit verbunden sind zahlreiche Fragen zu einer angemessenen Vorsorgelösung. Viele Pensionskassen sind gar nicht auf die Bedürfnisse dieser zunehmend mobileren Arbeitnehmerschaft ausgerichtet. Für den ins Ausland entsandten Mitarbeiter, im Fachjargon Expatriate, gilt es zunächst eine Bestandsaufnahme zur aktuellen Vorsorge und zur Kranken- und Unfallversicherung zu machen. 

Bilaterale Abkommen helfen

Je nach dem neuen Aufenthaltsland ist zu klären, ob ein Sozialversicherungsabkommen mit der Schweiz besteht. Ist dies der Fall, kann der Entsandte im schweizerischen Vorsorgesystem versichert bleiben. Ohne ein derartiges bilaterales Abkommen besteht bei der AHV trotzdem eine Möglichkeit, die bisherige Lösung weiterzuführen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Person für einen Schweizer Arbeitgeber im Ausland tätig ist und von ihm entlöhnt wird. Überdies muss der Expatriate vor der Entsendung während mindestens fünf Jahren in die AHV einbezahlt haben. Auch die Leistungen in der beruflichen Vorsorge können in der Regel weiterhin versichert werden. Ausschlaggebend ist dabei die Art der Entsendung. Man spricht von einer echten Entsendung, wenn der Arbeitsvertrag beim bisherigen Arbeitgeber verbleibt. In diesem Fall kommt kein Freizügigkeitskonto ins Spiel. Das Altersguthaben ist weiterhin Teil der angestammten Vorsorgeeinrichtung. Bei einer unechten Entsendung ist die Ausgangslage anders. Der Mitarbeiter erhält bei dieser Variante einen Arbeitsvertrag vor Ort. Das ist gleichbedeutend mit dem versicherungstechnischen Verlassen der Schweiz. Die Gelder der beruflichen Vorsorge gehen meist teilweise oder ganz auf ein Freizügigkeitskonto über. 

Internationale Lösungen

Wer dauerhaft ins Ausland wechselt, kann sein Altersguthaben auch bar beziehen. Allerdings darf das Kapital aus dem obligatorischen Teil der zweiten Säule bei einem Wohnsitz im EU/Efta-Raum nur in Ausnahmefällen ausbezahlt werden. Auch gilt es zu klären, wie die Konditionen für die Altersvorsorge im Gastland sind. In einigen Ländern können Expatriates nicht von einem Beitritt zur obligatorischen Sozialversicherung befreit werden. Vielfach sind die Sozialversicherungsleistungen jedoch deutlich tiefer als in der Schweiz. Das kann zu Vorsorgelücken führen, die mit Versicherungs- und Banklösungen ebenso wie mit Absicherungen gegen Tod und Invalidität zu schliessen sind. Vielfach ist die Altersvorsorge für Expatriates, die dauerhaft im Ausland verbleiben, weder im Heimat- noch im Gastland sinnvoll durchführbar. In der gleichen Situation befinden sich auch die Entsandten aus Drittländern. Für solche Fälle bietet sich eine internationale Vorsorgestiftung oder Versicherung an. Diese Deckung kann umfassend oder als Ergänzung zu lokal erworbenen Vorsorgeansprüchen gestaltet werden. 

Varianten für Unternehmen

Für die Unternehmen sind verschiedene Lösungen möglich. Beim Home-Country-Plan werden die Expatriates im Sitzstaat des Konzerns bei den lokalen Vorsorgeeinrichtungen des Stammhauses versichert. Diese Variante ist vor allem angezeigt, wenn die Sozialversicherungssituation im Gastland als ungenügend eingestuft wird. Der Host-Country-Plan kommt zur Anwendung, sofern das Vorsorgesystem im ausgewählten Staat ähnlich gut aufgebaut ist wie in der Schweiz. Schliesslich kommen auch Offshore-Lösungen zum Zug. Ein solches Domizil, etwa auf den Bermudas oder Kanalinseln, ist bei einer grossen Zahl von Expatriates mit einem verwalteten Vermögen von über 10 Millionen Franken angezeigt. Die Personen im Auslandseinsatz entscheiden dabei, in welcher Form sie Beiträge für die Altersvorsorge investieren möchten. Als Ersatz für die schweizerische Altersvorsorge bietet der Versicherungsmarkt zahleiche Produkte und Konzepte im Bereich International Pension Plan (IPP) an. Bei der Kranken- und Unfallversicherung sind lokale Policen möglich. Es gibt aber auch schweizerische Krankenkassen, die spezifische Auslandsprodukte offerieren.