Der Artikel über das neue Datenschutzgesetz und seine Auswirkungen für die Schweizer Brokerlandschaft hat Reaktionen ausgelöst. Das Thema bewegt – nicht zuletzt, weil eine einheitliche saubere Lösung bis jetzt fehlt. Ein Blick in die Geschäftsabläufe von drei mittelständischen Schweizer Versicherungsbrokern zeigt, dass der digitale Austausch zu wenig standardisiert ist und im Zweifelsfall deshalb oft noch der Postweg vorgezogen wird.

Maria Pergola, Geschäftsführerin von der ABS Versicherungs-Treuhand AG aus Subingen SO, sagt: «Online passieren viele Fehler und den Empfang von verschlüsselten E-Mails empfinden wir als mühsam.» Die ABS korrespondiert mit ihren Kunden deshalb bei sensiblen Personendaten konsequent über Briefe. Ihrer Meinung nach sind die Versicherer in der Pflicht, einheitliche und funktionierende Standards zu entwickeln und so die Versprechen der letzten Jahre einzulösen. Es könne nicht sein, dass Broker wie sie für jede Versicherungsgesellschaft ein eigenes System bedienen müssten. Die Situation habe sich eher verschlechtert als verbessert: «Seit Dokumente automatisch eingescannt und verarbeitet werden, häufen sich die Fehler. Wir betreiben einen massiven Mehraufwand, um die Fehler korrigieren zu lassen – bei gleichbleibender Courtage.»

Christoph Marti, Inhaber der Tousure Versicherungsbroker AG aus Olten, sagt zudem: «In der Versicherungsbranche kranken wir an E-Mails.» Es passiere oft, dass er eine Offertanfrage geschützt übermittelt habe und die Offerte anschliessend als unverschlüsselten Mailanhang erhalte. Oder die Kopie von KTG-Schadenfällen in seinem E-Mail-Postfach liegen, die zuvor verschlüsselt im System der Versicherung erfasst wurden. 

Eigentlich seien sie digital sehr sicher unterwegs, sagt Marti: Für die Kunden hat die Tousure ein MFA-authentifiziertes Portal und für Ausschreibungen und Mutationen mit Versicherern arbeiten sie über die Plattform brokerbusiness.ch. Für ihn ist aber klar: «Es braucht gewisse Standards für die ganze Branche. Es kann beispielsweise nicht sein, dass jeder die E-Mails mit einem eigenen System verschlüsselt. Letztlich unterliegen alle dem gleichen Datenschutzgesetz und spätestens in einem Jahr stehen alle vor den gleichen Herausforderungen.»

Vorsicht vor Schnelligkeit

Auch die Brokers Union AG aus Reinach BL bleibt vorsichtig. Geschäftsleitungsmitglied Adrian Allemann erklärt: «Es geht ja bei Versicherungsthemen immer um Sicherheit. Da gehören nicht nur die eigentlichen Versicherungsthemen dazu, es fängt vielmehr mit dem korrekten und verantwortungsbewussten Umgang mit den uns anvertrauten Daten an.» Sie seien ebenfalls noch vorrangig auf Papier unterwegs. Die Brokers Union testet aber zurzeit gemeinsam mit ihrem Software-Partner WMC eine Web-Applikation für ihre Kunden. Auch die Einführung des verschlüsselten Systems SEPP-Mail wird zurzeit geprüft.

Da sie bereits bis anhin zurückhaltend mit Kundendaten umgegangen sind, rechnen die drei Schweizer Broker mit Inkrafttreten des neuen Datenschutzgesetzes nicht mit grossen Veränderungen in ihrem Geschäftsalltag. Um die Digitalisierung auch in der Versicherungswelt nutzen zu können, erhofft sich aber auch Allemann einen effizienten elektronischen Datenaustausch mit den Versicherungsgesellschaften: «Es ist sicher wünschenswert, dass sämtliche Gesellschaften sich noch mehr auf einheitliche Standards einigen. Nur so können auch wir unseren Kunden letztlich rasche und sichere Online-Daten zur Verfügung stellen.»

Versicherer befürworten branchenweite Standards

Die zwei angefragten Versicherungsgesellschaften Allianz Suisse und Axa teilen die Meinung der Broker, dass einheitliche Standards erstrebenswert sind. «Wir setzen uns für den Aufbau von branchenweiten Standards ein», sagt Axa-Sprecher Marcel Rubin. Thargye Gangshontsang, Leiter Broker & Key Accounts der Allianz Suisse, bestätigt: «Wenn es um standardisierte Prozesse und Datentransfers wie den Offertprozess geht, dann macht eine einheitliche Vorgehensweise sicher Sinn.»

Beide Versicherer betreiben ein eigenes Brokerportal. Die Axa hat parallel dazu in die übergreifende Transaktionsplattform Sobrado investiert, die Allianz Suisse verweist auf die Bemühungen der IG B2B, Broker und Versicherer auf eine gemeinsame digitale Plattform zu bringen. Axa-Sprecher Rubin sagt weiter: «Der geläufigste Kanal für den Informationsaustausch bleibt aktuell der E-Mail-Verkehr, für welchen wir verschiedene Möglichkeiten zur sicheren Datenübermittlung anbieten.» 

Sobrado, IG B2B und brokerbusiness.ch: Nach dem Austausch mit einer Handvoll Brokern und Versicherern sind bereits drei Namen von übergreifenden Portalen gefallen. Die Bemühungen sind da – einheitliche digitale Standards sind aber wohl noch weit entfernte Zukunftsmusik.