«Die Lebenserwartung steigt täglich um ca. eineinhalb Stunden. Seitdem ich diese Statistik kenne, nehme ich das Leben viel lockerer. Mühsame Sitzungen oder langweilige Laudatios sind mir egal. Ich weiss, wenn ich den Tag überlebe, kriege ich diese Zeit am Ende des Tages als zusätzliche Lebenserwartung zurück.

Die demografische Herausforderung für unsere Gesellschaft ist allerdings nicht die erhöhte Lebenserwartung, sondern viel mehr die Veränderung der Form der Altersstruktur der Bevölkerung. Die zahlreichen Babyboomer bewegen sich wie ein Schwimmring entlang der Alterspyramide hoch. Bis vor kurzem waren sind vor allem im Erwerbsalter. Jetzt kommt der Schwimmring über das Rentenalter hoch, schwups, wie der Bierbauch über den Gürtel. Auf einen Schlag, deutlich mehr Rentner und gleichzeitig deutlich weniger Aktive. Und in 20 Jahren wird der Schwimmring noch höher liegen und etwas enger sein mit etwas weniger Luft drinnen, aber mit einer grossen Zahl von Personen, die pflegebedürftig sind. Im Gegenzug wird es weniger Leute im Erwerbsalter geben, die sich um diese kümmern.

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In Zahlen ausgedrückt: Stehen heute ca. 12 Personen im Erwerbsalter pro 80+ als Proxi für die Anzahl Personen mit Pflegebedarf, wird das Verhältnis bis 2035 auf sechs fallen. Aus diesen sechs Personen müssen wir das nötige Pflegepersonal rekrutieren – entweder wird es teurer, damit doppelt so viele Personen wie heute rekrutiert werden können oder die Personen werden anderswo fehlen, z.B. in der Assekuranz. 

Auch die Finanzierung der Pflege – die heute primär über den Transfer von Jung zu alt geschieht, via Krankenversicherung oder Steuern, wird einen zunehmenden Generationentransfer verlangen.

Zu diesen «systemischen» Problemen kommen für den Einzelnen praktische Fragestellungen dazu: 

  • Wen muss ich konkret kontaktieren, wenn meine Eltern oder mein Lebenspartner Hilfe benötigt? 
  • Was wird von den Versicherungen übernommen und was nicht? 
  • Kann ich mir im Alter eine Lesestunde oder einen gemeinsamen Spaziergang mit einer professionellen Hilfskraft leisten?

Genau rund um diese Thematik hat der Preisträger auf dem dritten Podestplatz ein Produkt mit folgenden Komponenten entwickelt:

  • Das Sparen für die Alterspflege in Form einer 3a-Kontolösung. 
  • Eine Prämienbefreiung, falls man vor dem Pensionierungsalter erwerbsunfähig wird, und deshalb vermutlich noch mehr auf Pflegeleistungen angewiesen ist.
  • Eine Partnerschaft mit privaten Betreuungs-, Spitex- und Pflegeheim-Organisationen, die es einem ermöglicht, das angesparte Geld zu einem Vorzugstarif für Leistungen einzusetzen.
  • Flexibilität, indem das Geld nicht ausschliesslich für Pflegeleistungen nach der Pensionierung verwendet werden kann.

Das Produkt an sich ist keine «Rocket Science» – es ist eine 3a-Lösung mit einer Prämienbefreiung und eine «Call-Option», um günstigere Leistungen bei Privatanbietern zu ergattern.

Dieses Recycling von bestehenden Komponenten war der Jury wohl bewusst. Aber Innovation ist eben oft keine Rocket Science – sondern eine geschickte Kombination von bestehendem Wissen. Der gelbe «Post-it», der uns an so vieles erinnert, ist nicht anderes als Papier und Leim. Erst die Kombination und die geschickte Vermarktung durch 3M machten das Produkt zu einem Erfolg.

Ähnlich ist dies auch mit dem Produkt des Anbieters auf dem dritten Platz 

  • das Papier: ein 3a-Konto bei einer Bank
  • der Leim: die Prämienbefreiung einer Versicherung
  • die Vermarktung: ein ansprechendes Produkt im aktuellen demographischen Umfeld, geprägt von der Sorge für die eigene Pflege oder diejenigen der Angehörigen. 

Diese geschickte Kombination von bestehenden Elementen, die Einbettung in eine neue und aktuelle Sales-Story sowie die Cross-Selling-Opportunitäten für beide Partner, hat die Jury dazu bewegt, den dritten Platz 2021 dem Produkt von Visana und der BeKB zu verleihen. 

Herzlichen Glückwunsch!»

 

Innovationspreis der Schweizer Assekuranz:

Die Branchenplattform HZ Insurance, das Institut für Versicherungswirtschaft der Universität St. Gallen, der Schweizerische Brokerverband SIBA, die Swiss Association of Insurance and Risk Managers SIRM, das Prüfungs- und Beratungsunternehmen EY Schweiz sowie Microsoft Schweiz, haben am 11. November 2021 bereits zum 23. Mal den Innovationspreis der Schweizer Assekuranz verliehen.