Ein Sprichwort sagt: «Wer zwei Hasen gleichzeitig jagt, wird keinen davon fangen.» Wenn wir nicht leer ausgehen wollen, müssen wir uns also für einen Hasen entscheiden, womit wir beim Jagdkampf sind. Das Wort «entscheiden» stammt vom althochdeutschen «sceidan» und steht für «aus der Schwertscheide ziehen, trennen» und ist zur heutigen Bedeutung gekommen, weil Entscheidungsträger mehrere Alternativen voneinander zu trennen hatten. Im Wesentlichen geht es in der Finanzplanung um Entscheidungshilfen für die eigene Lebensplanung. Dabei geht es bei finanziellen Entscheidungen nicht gleich um Leben und Tod, aber letztlich doch um existenzielle Fragen, wie das eigene Leben gestaltet werden soll.

Fatale «Aufschieberitis»

Das Phänomen der Prokrastination ist nicht nur in Privathaushalten zu beobachten, sondern auch in der Politik. Von der letzten AHV-Revision (1997) bis zur nächstmöglichen (2022) werden 25 Jahre vergangen sein – das wichtigste Sozialwerk ist nicht mehr nachhaltig finanziert und trägt der gesellschaftlichen Entwicklung ungenügend Rechnung – weil keine Entscheidung für Reformen getroffen wurden. Ein Eigenheim, das 25 Jahre nicht mehr gepflegt und erneuert wird, verfällt und verliert an Wert. Die AHV gleicht bald dem «alten Haus von Rocky Docky»! Weil auch bei der beruflichen Vorsorge (BVG) wichtige Entscheidungen bis heute aufgeschoben wurden, obliegt es jedem Einzelnen, sich mit den Konsequenzen auseinanderzusetzen und Massnahmen zu treffen, um den eigenen Wohlstand zu sichern. Oft erkennt man erst in Krisen, wie wichtig Liquiditätsreserven und Budgetplanung sind. Im Vorsorgebereich schlummern die Risiken unerkannt vor sich hin – man wähnt sich noch in Sicherheit, weil es noch lange dauert bis zum dritten Lebensabschnitt und man sich damit noch nicht auseinandersetzen möchte. Man fühlt sich noch zu jung und meint, noch viel Zeit zu haben. Vielleicht sollten wir uns dem Thema einfach positiver und emotionaler nähern: Statt «Altersvorsorge» sagen wir «Wohlstandsaufbau» und überlegen, wie wir die Vorfreude auf die Zukunft steigern können. Wer die Entscheidung, sich mit Finanzplanung zu befassen, aufschiebt, verliert wertvolle Zeit und Geld, vor allem aber Kontrolle und Handlungsfreiheit.