«Dass Menschen mit körperlich harten Jobs und häufig weniger Lohn Besserverdienenden mit Büro-Jobs ein langes Rentenleben finanzieren, ist ein zutiefst ungerechter Vorschlag», sagte der Fraktionsvize der Grünen im Bundestag, Andreas Audretsch, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag). Derzeit würden rund 15 Prozent aller älteren Menschen sterben, bevor sie überhaupt das gesetzliche Renteneintrittsalter erreicht haben und viele aus Erschöpfung vorzeitig in Rente gehen. «Die Idee, man könnte Pflegekräfte, Stahlarbeiter oder Feuerwehrleute künftig bis 70 arbeiten lassen zeigt, dass nicht alle bereit sind, die Lebensrealität vieler Menschen zur Kenntnis zu nehmen.»

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«Wer 67 Jahre alt ist, muss in Rente gehen dürfen», sagte der SPD-Arbeitsmarktexperte Michael Gerdes. Eine weitere Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters bedeute für viele, die nicht länger arbeiten könnten, eine Rentenkürzung. «Das ist ungerecht.» Wer länger arbeiten könne oder wolle, könne auf freiwilliger Basis die "Flexi-Rente" nutzen, die laut dem Koalitionsvertrag der Ampel bekannter und lukrativer gemacht werden solle.

Flexibles Renteneintrittsalter nach dem Vorbild Schwedens

Die FDP-Bundestagsfraktion plädiert für eine Aktienrente und ein flexibles Renteneintrittsalter nach dem Vorbild Schwedens. «Jeder, der älter als 60 Jahre ist, sollte selbst entscheiden, wann er aus dem Erwerbsleben ausscheidet. Wer früher ausscheidet, bekommt weniger, wer später ausscheidet, bekommt mehr», erklärte der arbeitsmarkt- und sozialpolitischer Sprecher Pascal Kober (FDP).

Auch die Unionsfraktion im Bundestag lehnt den Arbeitgeber-Ruf nach der Rente mit 70 ab. «Für die Anhebung der Regelaltersgrenze gibt es keinen akuten Handlungsbedarf», sagte der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales der CDU/CSU, Stephan Stracke, dem RND.

Ein späteres Eintrittsalters ist laut Bericht auch für den Paritätischen Gesamtverband ausgeschlossen. «Die Forderung nach der Rente mit 70 ist nichts anderes als eine Rentenkürzung mit Ansage», sagte Geschäftsführer Ulrich Schneider. Viele Menschen in anstrengenden Berufen, wie insbesondere auch in der Pflege, würden schon jetzt das Renteneintrittsalter nicht erreichen und Abschläge in Kauf nehmen müssen. «Um die Rente solidarisch und zukunftsfest zu finanzieren, braucht es stattdessen endlich die Einführung einer Bürgerversicherung, in die alle - auch Selbständige, Freiberufler, Politiker und Beamte - einzahlen.» (reuters/hzi/kbo)