Nachhaltige Unternehmenspolitik – geht das überhaupt? Muss eine unternehmerische Tätigkeit, um das Überleben einer Firma zu sichern, in letzter Konsequenz nicht der Generierung von Gewinn verpflichtet sein? Rasch ist beim Thema Nachhaltigkeit deshalb der Vorwurf von Greenwashing zur Hand. Doch der Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken ist ein Gebot der Stunde. Nicht zuletzt für Risikomanager in Wirtschaft und Verwaltung. Diese können sich ab sofort auf ein Grundlagenpapier mit dem Titel «People, Planet & Performance» stützen.

Der Leitfaden ist von der Federation of European Risk Management Associations (Ferma) entwickelt worden, einem Dachverband, der rund 5000 Risiko- und Versicherungsmanager in Europa vertritt, die in einer Vielzahl von Branchen tätig sind, von grossen Industrie- und Handelsunternehmen bis hin zu Finanzinstituten und kommunalen Behörden. In der Ferma sind 22 nationale Risikomanagementverbände in 21 europäischen Ländern vereint. In der Schweiz ist dies die Vereinigung der Insurance und Risk Managers (Sirm).

Praktische Anleitung

Das Grundlagenpapier will praktische Anleitungen zur Einbeziehung von Nachhaltigkeitszielen in das unternehmensweite Risikomanagement bieten. Bei der Erarbeitung des Leitfadens hat Ferma Beispiele für bewährte Verfahren von führenden Risikomanagern herangezogen. Unternehmen sollen ermutigt werden, Entscheidungen in Bezug auf finanzielle, ökologische (einschliesslich Klima und Biodiversität), soziale und menschliche Auswirkungen zu treffen, um Widerstandsfähigkeit und langfristige Wertschöpfung zu gewährleisten. Das Risikomanagement ist ein Geschäftsprozess, der auch die Nachhaltigkeitsziele eines Unternehmens unterstützt. Es zielt darauf ab, Nachhaltigkeit und Risikomanagement in Einklang zu bringen.

Nun ist die Beachtung von ESG-Kriterien, also die Berücksichtigung von Kriterien aus den Bereichen Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und verant wortungsvolle Unternehmensführung (Governance) alles andere als Neuland für Risikomanagerinnen und -manager. Für die Ferma ist jedoch «der Reifegrad der Unternehmen im Hinblick auf das Nachhaltigkeitsmanagement sehr unterschiedlich». Der Leitfaden bietet deshalb Unterstützung, indem er zeigt, wie ein Prozess für ein Nachhaltigkeitsrisikomanagement mit strategischen Zielen und Risikobereitschaft verknüpft werden kann. Er beinhaltet unter anderem einen Muster-Risikokatalog, der nachhaltigkeitsbezogene Risiken wie Umwelt-, Sozial- und Governan-ce-Themen (ESG) enthält sowie mögliche Ansätze zur Risikobewertung. Doch das Rad wird nicht neu erfunden: So basiert die Vorlage auf dem klassischen Risikomanagementprozess: Risikoidentifikation und -priorisierung, Risikobewertung und -behandlung, Berichterstattung, Kommunikation und Offenlegung.

Ein robuster Rahmen

«People, Planet & Performance» steht vor dem politischen Hintergrund des European Green Deal, in dem sich die Europäische Union rechtlich zur Klimaneutralität bis 2050 verpflichtet. Für die Vor sitzende des Ferma-Nachhaltigkeitsausschusses, Valentina Paduano, ist klar: «Eines der Instrumente des Risikomanagers, das Enterprise Risk Management (ERM), bietet einen robusten Rahmen, um die Auswirkungen und Chancen unserer Entwicklung hin zur Nachhaltigkeit zu identifizieren und zu managen. Wir glauben, dass ‹People, Planet & Performance› zur Nachhaltigkeit und damit zur Widerstandsfähigkeit unserer Unternehmen beitragen wird.»