Nachhaltigkeit ist und bleibt auch nach der Corona-Krise Richtschnur und Voraussetzung für eine stabile Wirtschaft, eine sichere Gesellschaft und eine lebenswerte Umwelt. Sie ist im Versicherungsgeschäft zentral. Deswegen engagiert sich der Schweizerische Versicherungsverband SVV mit seinen Mitgliedgesellschaften für eine nachhaltige und am langfristigen Erfolg ausgerichtete Entwicklung der Versicherungswirtschaft.

Der SVV hat die Nachhaltigkeit als Stossrichtung in seiner Strategie verankert. Erstmals publiziert er ein Nachhaltigkeitsreporting. Dieses untersucht die Berücksichtigung der Nachhaltigkeit bei den Kapitalanlagen, der Betriebsökologie und im Underwriting. Es zeigt transparent, wo die Versicherungsbranche in Sachen Nachhaltigkeit steht, und bietet einen Überblick über die ergriffenen Massnahmen sowie die bestehenden Herausforderungen. An der Erhebung des SVV für das Jahr 2019 haben 32 Mitgliedgesellschaften teilgenommen. 

Urs Arbter ist stellvertretender Direktor des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV.

Aktuell stehen die Kapitalanlagen besonders im Fokus. Für diese ermöglicht die Datenerhebung erstmals Aussagen für die Branche. Die mitwirkenden Versicherer halten zusammen 94 Prozent (547 Milliarden Franken) der Kapitalanlagen der Schweizer Privatversicherer. Der Bericht zeigt unter anderem, dass bei 86 Prozent der von der Studie erfassten Kapitalanlagen ESG-Nachhaltigkeitskriterien (Environmental, Social und Governance) für den Investitionsentscheid mitberücksichtigt werden. Sie bestimmen also schon heute in einem hohen Mass den Anlagekompass der Schweizer Privatversicherer. Das kommt nicht von ungefähr. Das Versicherungsgeschäft ist naturgemäss langfristig angelegt. Die Versicherungsunternehmen sind deshalb ganz besonders auf Anlagen angewiesen, die bei vergleichsweise geringem Risiko langfristig stabile Renditen abwerfen. Nachhaltige Investitionen können diese Voraussetzungen meist besonders gut erfüllen. Es gibt also keine Gründe, sie nicht zu tätigen. Vielmehr stellen sie eine Chance dar. Als treibende Kraft der Schweizer Wirtschaft sind die Versicherer bereit, ihre Verantwortung für einen nachhaltigen Finanz- und Wirtschaftsstandort wahrzunehmen.

Es gehört auch seit je zum Versicherungsgeschäft, Fragen zur Nachhaltigkeit bei der Risikobeurteilung, bei der Ausgestaltung von Versicherungsverträgen und bei der Schadenprävention einzubeziehen. Besonders die global tätigen Versicherer wurden schon früh auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam und mussten sich mit seinen Auswirkungen auf Umwelt, Gesellschaft und Geschäft auseinandersetzen. Unter diesem Eindruck haben sich die Mitgliedgesellschaften des SVV bereits 2016 für die Einhaltung des Pariser Abkommens ausgesprochen. Sie unterstützen die damit verbundenen CO2-Reduktionsziele des Bundesrats.

Der SVV will das Nachhaltigkeitsreporting in Zukunft jährlich auflegen. Die Datenbasis soll kontinuierlich erweitert und die Aussagekraft erhöht werden. Der Bericht leistet so einen wichtigen Beitrag zu einer faktenorientierten Nachhaltigkeitsdebatte und dient auch der Branche selbst als Standortbestimmung. Er bringt die Überzeugung des SVV zum Ausdruck, dass Selbstverantwortung und Freiwilligkeit auch in Zukunft die besten Voraussetzungen bieten, die Nachhaltigkeit in der Wirtschaft zu verankern. Mit dem Grundsatz der Subsidiarität staatlichen Handelns sowie des Primats marktwirtschaftlicher Ansätze kann die effektivste Wirkung erzielt werden. Denn wo die Nachhaltigkeit im eigenen Interesse liegt, so wie es bei der Versicherungswirtschaft der Fall ist, muss sie nicht noch zusätzlich vorgeschrieben und reguliert werden. Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit widersprechen sich nicht – im Gegenteil. Sie unterstützen sich gegenseitig, wenn die Rahmenbedingungen richtig gesetzt sind.

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