Turbulente Zeiten sind meist auch gute Zeiten – zumindest für Asset-Management-Firmen, die Fonds und ETF handeln und verkaufen. Vanguard, einer der grössten Asset Manager weltweit, meldete für den April hohe Zuflüsse. Alleine in der Woche nach Ostern verzeichnete man bei den eigenen europäischen ETF Zuflüsse von 2,7 Milliarden Dollar. Am beliebtesten waren Obligationen-ETF, gefolgt von Rohstoff-ETF und Aktien-ETF. 

Dabei gibt es diese ETF in Europa erst seit 20 Jahren. Zu den immer wichtiger werdenden Käufern solcher Produkte zählen auch Vorsorgeeinrichtungen wie Pensionskassen. Diese Pensionskassen hätten in der jüngsten Krise besonnen reagiert, sagt Mirjam Staub-Bisang, Länderchefin des US-Asset-Managers Blackrock in der Schweiz: «Pensionkassen verhalten sich in volatilen Märkten in der Regel disziplinierter als Privatinvestoren und ihre Anlageverantwortlichen lassen sich nicht so rasch aus der Ruhe bringen.» Damit seien sie sehr gut gefahren. Im Gegensatz dazu mussten Sammelstiftungen reagieren. «Viele Sammelstiftungen mussten vorsichtiger sein und Bargeld halten, um im Konkurs einzelner KMU die Altersguthaben der Versicherten auszahlen zu können», so Staub-Bisang. Branchen, die beispielsweise mit Reisen, Handel und Gastronomie zu tun haben, seien deutlich stärker unter Druck gekommen als andere Branchen. 

Blackrock propagiert auch für Pensionskassen ETF, die bei Privatinvestoren und institutionellen Investoren aufgrund der guten Handelbarkeit in den vergangenen Jahren beliebt und zu einer Alternative von Anlagefonds geworden sind. «Im Bereich Fixed Income haben sie während der jüngsten Krise teilweise verkauft, um ein Rebalancing ihrer Portfolios vorzunehmen», beobachtete Ed Gordon, Leiter iShares und Wealth bei Blackrock in der Schweiz. Abflüsse sah man im High-Yield-Bereich, bei Corporate Bonds und teilweise auch bei Schwellenländern. «Zum ersten Mal seit Juni 2015 sahen wir in diesem Bereich Abflüsse», so Gordon. «Das grössere Bild zeigt dann aber, dass sich das relativiert, den 35 Milliarden Dollar Abflüssen bei Fixed-Income-ETF im März standen im April bereits wieder Zuflüsse mit einem Volumen von 62 Milliarden Dollar gegenüber.»    

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Sichtbar waren die Turbulenzen auch an den grösseren Spreads, den Differenzen zwischen Kauf- und Verkaufsangeboten am Obligationenmarkt. «Je nach Situation kann es zu einem Abschlag des Net Asset Value eines ETF gegenüber dem inneren Wert kommen», so Gordon. «Dabei drückt sich auch aus, dass nicht jede Obligation immer gehandelt wird. Tatsächlich sind die Spreads teilweise grösser geworden.» 

ETF sind indes aufgrund der Stempelsteuern benachteiligt. Dennoch sieht Staub-Bisang Vorteile: Mit ETF könnten Pensionskassen Nischenstrategien abdecken. Dazu gehören beispielsweise in grossen Portfolios ETF auf Schwellenländer oder High-Yield-Obligationen. «Natürlich können grosse institutionelle Anleger auch direkt investieren», so Staub-Bisang. «Aber die jüngste Krise hat ihnen gezeigt, dass sich Bond-ETF relativ einfach verkaufen lassen, wenn sie kurzfristig Liquidität beschaffen müssen.» 

Als das nächste grössere Thema nach dem passiven Anlegen, wie es durch ETF – als Alternative zu Index-Fonds und Index-Zertifikaten – umgesetzt werden kann, gelten im Asset Management nachhaltige Anlagen, prognostizieren die Analysten von Moody’s, einer grossen Rating-Agentur. «Denn wenn sich Asset Manager auf solche nachhaltigen Anlagen konzentrieren, ist das ein guter Indikator für einen innovativen, nach vorne gewandten Ansatz bei der Produktentwicklung – und das verhilft dazu, bei den Klienten relevant zu bleiben.»