Die neue Chefin der EU-Versicherungsaufsicht Eiopa, Petra Hielkema zeigte sich bei der Vorstellung der Ergebnisse des diesjährigen Stresstests für die Branche zuversichtlich. «Der Stresstest hat gezeigt, dass europäische Versicherer ihre Finanzkraft auch in einem harten ökonomischen Umfeld erhalten können.» Zwar würden ihre Kapitalpolster in einem derartigen Szenario deutlich schrumpfen, die Versicherten müssten sich aber zu keinem Zeitpunkt Sorgen um ihre versprochenen Leistungen machen.

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Die Eiopa hatte ein Negativ-Szenario vorgegeben, in dem die Pandemie das Vertrauen in die Finanzmärkte untergräbt und zu einem länger anhaltenden Abschwung führt - begleitet von Dauer-Niedrigzinsen. 44 Versicherungsgruppen aus 20 Ländern mussten ihre Widerstandsfähigkeit dagegen unter Beweis stellen, unter ihnen fünf aus Deutschland: die Allianz, die Münchener Rück, der HDI (Talanx) und die genossenschaftliche R+V waren schon beim Stresstest 2018 dabei, statt des Autoversicherers HUK-Coburg wählte die Eiopa diesmal die Alte Leipziger-Hallesche aus. Die 44 Konzerne stehen für drei Viertel des Versicherungsmarktes in der EU.

Stabile Kapitalquoten

Im Schnitt kamen die Versicherer vor dem Schock-Szenario auf eine Kapitalquote von 218 Prozent nach dem Solvency-II-Standard. Diese würde unter dem Dreifach-Stress an den Märkten auf knapp 126 Prozent sinken, wenn die Versicherer keine Gegenmassnahmen ergreifen könnten. Neun würden unter die kritische 100-Prozent-Marke fallen. Mit umgehenden Eingriffen in die Bilanz liesse sich der Rückgang auf eine Solvenzquote von 139 Prozent begrenzen – sieben der neun gefährdeten Versicherer kämen damit wieder über die 100 Prozent. Der Stresstest habe aber auch gezeigt, dass einige Versicherer stark von den Solvency-II-Übergangsregelungen abhängig seien, die in den nächsten neun Jahren auslaufen, sagte Hielkema.

Zum ersten Mal hatte die Eiopa auch unter die Lupe genommen, ob den Versicherern in einem Stress-Szenario das Geld auszugehen drohe. Hier gab Hielkema Entwarnung: Sie profitierten davon, dass sie viele Vermögenswerte hielten, die sich im Notfall rasch zu Geld machen ließen. (reuters/hzi/sec)