Führung, davon ist Sandra Hauser felsenfest überzeugt, besteht im Wesentlichen darin, den Menschen zu verstehen und ihm die Möglichkeit zu geben, sich nicht nur zu entfalten, sondern seine Fähigkeiten sinnhaft und erfolgreich einzusetzen. «Dazu muss man Menschen gerne haben und spüren, wofür ihr Herz schlägt.» Struktur, Sinn und Erfolg – diese drei Worte braucht die IT-Spezialistin auch, wenn sie über ihre Vorliebe für das Schneiden und Pflegen von Bäumen und Rosen spricht. «Es fasziniert mich, zu sehen, dass sie mehr Ertrag generieren, wenn ich ihnen Struktur gebe.»

Dass sie keine detailversessene Micromanagerin ist, sondern lieber die realitätsnahe Interaktion mit Menschen hat, spürte Sandra Hauser schon als Projektleiterin bei der UBS; damals ihre erste Stelle nach dem Informatikstudium. Seither ist es ihr auch ein grosses Anliegen, dem Berufsnachwuchs und insbesondere dem weiblichen Teil davon aufzuzeigen, dass IT-, Ingenieur- oder andere MINT-Berufe nicht nur aus theoretischen Studien, Programmieren und Konzipieren von Maschinen bestehen, sondern viel Kreativität erfordern sowie den Austausch mit unterschiedlichsten Menschen im Unternehmen.

Ein weiteres Steckenpferd der 52-Jährigen ist die Diversität. Damit meint sie nicht die vielzitierte Gender Diversity, sondern erweiterte Perspektiven. «Meinungen, berufliche Werdegänge, Alter, Geschlecht, Herkunft – je gemischter ein Team ist, desto mehr Perspektiven erhält es bei der Lösungsfindung und desto spannender ist die Zusammenarbeit.»

Aufgewachsen in einem technikbegeisterten Elternhaus – beide Eltern sind Vermessungsingenieure – liebte Sandra Hauser bereits als kleines Mädchen Knobel- und Logikspiele sowie Rätsel. Nach der Matura schrieb sie sich für ein Informatikstudium an der ETH ein und realisierte zum ersten Mal, dass sie eine Exotin war. «Wir waren höchstens eine Handvoll Frauen unter 300 Männern.» Auf diese Tatsache sowie auf die Aussage des Professors, dass die Hälfte der Anwesenden das erste Vordiplom nicht bestehen werde, habe sie typisch weiblich reagiert. «Ich huschte in den Hörsaal, schrieb fleissig mit, huschte wieder hinaus und tauschte mich kaum mit meinen Mitstudentinnen und -studenten aus, weil ich dachte, diese seien ohnehin viel gescheiter und computererfahrener als ich.» 

Heute kann sie darüber nur noch schmunzeln. «Viele Grossmäuler fielen durch, ich bestand.» Leider hätten viele ihrer Kommilitoninnen aufgegeben, doch sie habe durch diese Erfahrung an Selbstsicherheit gewonnen. Diese hat ihr später auch in der Berufswelt geholfen. Sie hatte das Glück, immer wieder auf Vorgesetzte zu treffen, die sie bei der nächsten Herausforderung ermutigt hatten. Zudem seien auch die rund 16 Jahre im Ausland ein Augenöffner dafür gewesen, dass als Frau alles möglich sei. «Als ich 2002 in New York zu arbeiten begann, gab es bereits rund 40 Prozent Frauen auf Direktionsstufe, und in Asien habe ich realisiert, dass mehr Frauen als Männer programmierten.»

Mit dem Wechsel zur Zurich Versicherung vor bald zwei Jahren hat sich Sandra Hauser aus der Bankenwelt verabschiedet. Die Lust an einem Branchenwechsel war aber nicht der Hauptgrund dafür, dass sie sich für die GL-Stelle Head Transformation & Technology interessierte, sondern das Statement von CEO Juan Beer. «Er will, dass die Zurich zur technologiebasierten Innovationstreiberin des Schweizer Assekuranzmarktes wird. Diesen Weg zu begleiten und zu prägen, motiviert mich ungemein.» Diese Motivation und vor allem die Sinnhaftigkeit dahinter gibt sie täglich auch ihren Mitarbeitenden weiter. «Sinn und Spass sind die beste Kombination für den persönlichen Erfolg.»