Rund 21 Milliarden Franken – so viel kosten Absenzen am Arbeitsplatz aufgrund psychisch bedingter Beschwerden die Wirtschaft und Gesellschaft gemäss OECD-Erhebungen pro Jahr im OECD Raum. Und günstiger dürfte es in naher Zukunft kaum werden, denn Krankschreibungen aus psychischen Gründen nehmen in der Schweiz wie auch in anderen Industrieländern stetig zu. Die Gründe dafür sind unklar, grundsätzlich stellen Fachleute keine epidemiologische Zunahme von psychischen Krankheiten fest. Klar aber ist: Die Wahrnehmung und der Umgang mit psychischen Problemen hat sich nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch in Unternehmen verändert.

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Daher führte die Swica gemeinsam mit Workmed, dem Kompetenzzentrum der Psychiatrie Baselland für Psyche und Arbeit, erstmals für die Schweiz eine repräsentative Studie durch. «Als grösste Krankentaggeld-Versicherung der Schweiz mit rund 27’000 versicherten Unternehmen und mit rund 600’000 versicherten Personen haben wir ein grosses Interesse daran, den Ursachen für diese Entwicklung auf den Grund zu gehen», erklärt Roger Ritler, Leiter Leistungen Unternehmen bei Swica, die Teilnahme an der Studie, für die 1350 aussagekräftige Krankentaggeld-Dossiers eingehend analysiert wurden.  

Im Schnitt sieben Monate weg vom Job

Die Erkenntnisse sind ernüchternd: Psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit dauert im Schnitt fast sieben Monate und bedeutet in 95 Prozent der Fälle Vollzeit-Krankschreibungen. «Das ist deutlich länger als die meisten Krankschreibungen aus somatischen Gründen», so Ritler. Rund die Hälfte der krankgeschriebenen Versicherten verliert im Rahmen der Arbeitsunfähigkeit denn auch die Stelle. Am häufigsten werden Krankschreibungen aufgrund von Konflikten am Arbeitsplatz ausgelöst. 

Latente Konflikte als grosses Risiko

«In 57 Prozent aller psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeiten ist die Arbeitsunfähigkeit eine Reaktion auf Kränkungen oder Konflikte am Arbeitsplatz», so Roger Ritler. Komme es dann nach längerer Zeit zu einer Krankschreibung, sei es für alle Beteiligten schwierig, hier noch eine gute Lösung zu finden. Für Niklas Baer, Leiter Workmed, ist klar: «Es braucht frühe Massnahmen aller Beteiligten, also der Ärzte, der Arbeitgeber, aber auch der Versicherer, um solche Eskalationen präventiv zu entschärfen.» Die da zum Beispiel wären: von Ärzten, Versicherern und Arbeitgebern gemeinsam entwickelte Leitlinien, wie in schwierigen Situationen so gehandelt werden könnte, dass die Betroffenen längerfristig im Arbeitsmarkt verbleiben. «Zudem wollen wir als Taggeld-Versicherer die Unternehmen dafür sensibilisieren, dass sie bei Verdacht auf verdeckte Konflikte nicht erst spät oder zu spät reagieren, sondern präventiv», betont Roger Rittler.

Grossbetriebe stärker betroffen

Gemäss der Studie arbeiten 80 Prozent der krankgeschriebenen Versicherten in einem 80- bis 100-Prozent-Pensum, neun von zehn als Arbeiter oder Angestellte ohne Kaderfunktion. Die grossen Unternehmen mit 250 und mehr Beschäftigten sind hier eher übervertreten. Das spielt eine Rolle, weil die Anzahl Mitarbeitender mit der Arbeitsunfähigkeitsdauer (nicht unbedingt mit der Anzahl Fälle) korreliert: je grösser das Unternehmen, desto länger die Arbeitsunfähigkeit. «Der Zusammenhang zwischen Betriebsgrösse und Arbeitsunfähigkeitsdauer erklärt sich womöglich damit, dass mit zunehmender Betriebsgrösse die soziale Kontrolle reduziert ist und je nachdem ein Ausfall weniger direkte Konsequenzen hat als in einem Kleinbetrieb», erklärt Niklas Baer. Auf der anderen Seite könne gerade in den grossen Unternehmen meist auf eine Vielzahl von Supportdiensten wie Coaches, Psychologen oder Sozialdienst zurückgegriffen werden, die in den KMU normalerweise fehlen.

 

Dieser Artikel erschien das erste Mal am 24.03.22 auf HZ Insurance und wurde am 09.08.22 aktualisiert.