Der aktuelle Allianz Safety and Shipping Review 2024 zeigt einen signifikanten Rückgang der Schiffshavarien. Im Jahr 2023 sank die Zahl der havarierten Schiffe auf 26, gegenüber 41 im Vorjahr und 200 vor 30 Jahren. Dies stellt ein neues Rekordtief dar und bedeutet eine Reduktion von mehr als 70 Prozent im Vergleich zu 2013, als noch 729 Schiffe verunglückten. Trotz dieser positiven Entwicklung steht die Schifffahrtsbranche vor erheblichen Herausforderungen.

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Geopolitische Spannungen und Klimarisiken

Konflikte wie im Gazastreifen und in der Ukraine beeinflussen die globale Schifffahrt erheblich. Laut Kapitän Rahul Khanna, Global Head of Marine Risk Consulting bei Allianz Commercial, wirken sich diese Konflikte auf die Sicherheit von Besatzungen und Schiffen sowie auf Lieferketten und Umwelt aus. Piraterie, besonders am Horn von Afrika, und Klimawandel-bedingte Störungen wie die Dürre im Panamakanal erhöhen die Risiken zusätzlich.

Südostasien bleibt Risikozone

Die Region Südostasien bleibt mit 184 Havarien in den letzten zehn Jahren die am stärksten betroffene Seeregion. Im Jahr 2023 entfielen fast ein Drittel der weltweiten Verluste auf diese Region. Frachtschiffe machten über 60 Prozent der weltweiten Ausfälle aus, wobei gesunkene Schiffe die Hauptursache für alle Totalverluste darstellten.

Zunahme technologiebasierter Bedrohungen

Die Nutzung von Drohnen stellt eine zunehmende Bedrohung für die Handelsschifffahrt dar. Berichte über GPS-Störungen, besonders in der Straße von Hormus, im Mittelmeer und im Schwarzen Meer, nehmen zu. Auch die Sanktionen gegen russische Öl- und Gasexporte haben zur Entstehung einer "Schattenflotte" beigetragen, die aus älteren, schlecht gewarteten Schiffen besteht und erhebliche Umwelt- und Sicherheitsrisiken birgt.

Umwege und ihre Auswirkungen

Angriffe auf die Schifffahrt im Nahen Osten haben den Transitverkehr auf dem Suezkanal stark beeinträchtigt. Die Umgehung des Kanals über das Kap der Guten Hoffnung verlängert die Fahrzeit und erhöht die Emissionen. Diese Umleitungen werden als Hauptgrund für den Anstieg der Emissionen im EU-Schifffahrtssektor um 14 Prozent in diesem Jahr genannt.

Herausforderungen der Dekarbonisierung

Die Schifffahrt ist für etwa drei Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die Branche steht vor der Herausforderung, eine Infrastruktur für alternative Kraftstoffe zu entwickeln und gleichzeitig fossile Brennstoffe auslaufen zu lassen. Laut Justus Heinrich, Leiter der Schifffahrtsversicherung bei Allianz Commercial, müssen bis 2050 jährlich über 3.500 Schiffe gebaut oder umgerüstet werden, während die Zahl der Werften seit 2007 um mehr als die Hälfte gesunken ist. Diese Engpässe könnten zu Verzögerungen bei Reparaturen und Wartungen führen, was die Sicherheitsrisiken weiter erhöht.

Der Allianz Safety and Shipping Review 2024 zeigt, dass trotz eines historischen Rückgangs der Schiffshavarien, die Schifffahrtsbranche vor komplexen und vielfältigen Herausforderungen steht.(pd/hzi/hoh)

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