Der ehemalige Generali-Generalmanager Frédéric de Courtois wechselt zu Axa und avanciert dort zum Vize-CEO. Er wird bei Axa für Finanzen und Strategien verantwortlich sein. Der Posten des Generali-Generalmanagers wird nicht neu besetzt. Ein weiterer Topmanager bei Generali, der Brite Timothy Ryan, CIO und CEO Asset & Wealth Management, hat das Unternehmen Anfang März verlassen. Ryan war seit 2017 für die Investment-Strategie des Unternehmens mitverantwortlich. Während Ryan «freiwillig» gegangen sei und keinerlei Abfindung erhalte, soll de Courtois auch auf Druck einiger italienischer Grossaktionäre seinen Posten verlassen haben. Ihm werden angeblich 40 Millionen Euro aus der Kasse von Generali als Abfindung zukommen. Seinen Posten bei Axa tritt der Manager im August 2021 an. Laut Agenturmeldungen haben die neuen Grossaktionäre von Generali, in erster Linie die Gruppe Leonardo Del Vecchio, aber auch der Baukonzern Caltagirone und die Unternehmerfamilie Benetton, Bedenken über einen zu grossen ausländischen Einfluss in der Konzernführung geäussert. Bei Generali wird zu diesen Gerüchten keinerlei Stellung genommen.

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Bei Generali dreht das Karussell rasant

Del Vecchio hält derzeit 13 Prozent Anteile an der Investmentbank Mediobanca mit der Option, die Beteiligung bis 20 Prozent aufzustocken. Mediobanca ist mit ebenfalls 13 Prozent grösster Generali-Einzelaktionär. Analysten bewerten den kürzlich erfolgten Managerwechsel dahingehend, dass die heimischen Aktionäre mehr Einfluss auf die Unternehmensführung nehmen. So handelt es sich ausschliesslich um italienische Manager, die neue Positionen bei der derzeit stattfindenden Generali-Umstrukturierung einnehmen: Sandro Panizza hat Anfang März die neu geschaffene Position des Group Chief Insurance & Investment Officer eingenommen. Investment Management und Assekuranzstrategie sollen in Zukunft zusammenrücken. Carlo Trabattoni avanciert zum CEO für Asset und Wealth Management. Der 43-jährige Bruno Scaroni, Mitglied des Vorstands von Generali Deutschland AG, rückt zum Group Chief Transformation Officer auf und ist unter anderem auch für die neue Digitalstrategie bei Generali verantwortlich. Last but not least wird der bisherige Chief Financial Officer Italy, Giancarlo Fancel, künftig das Amt des Group Chief Risiko Officer übernehmen.

Das Management von Italiens grösster Assekuranz, Generali, ist seit Jahren eine Baustelle. Unter anderem wechselten ehemalige Generali-Chefs oder deren Vize wie etwa Mario Greco oder Sergio Balbinot in das Chefmanagement ausländischer Konkurrenten (Zurich Versicherung, Allianz). Vize-Generaldirektor Alberto Minali verliess seinen Posten im Jahr 2017 und wechselte vorübergehend in das Topmanagement von Cattolica Assicurazioni.

Die Amtszeit von Generali-Chef Philippe Donnet läuft 2022 aus. Bis dahin soll auch der von ihm lancierte Vier-Jahres-Geschäftsplan umgesetzt sein. CEO Donnet bestätigte kürzlich vor der Presse, dass Generali 2,3 Milliarden Euro für Zukäufe, insbesondere im Asset Management, investieren wolle. Generali hatte erst kürzlich den portugiesischen Versicherer Seguradoras übernommen und avancierte damit zum zweitgrössten Versicherer in Portugal. Den Bieterwettbewerb um die polnische Aviva-Tochter hat Generali zugunsten der Allianz Gruppe verloren. 

Axa wechselt ebenfalls die Spieler aus

Aber nicht nur bei Generali gibt es in Italien Veränderungen im Management. Patrick Cohen, seit fünf Jahre Chef von Axa Italia, kehrt nach Frankreich zurück. Sein Nachfolger wurde noch nicht bestimmt. Ein Management Wechsel wird auch beim drittgrössten börsennotierten Versicherungskonzern Italiens, Cattolica Assicurazioni, erwartet. Denn die Versicherungsaufsicht Ivass hat kürzlich nicht nur eine Kapitalerhöhung gefordert sondern auch Zweifel an der Konzernführung äusserte. Jedenfalls werde Paolo Bedini, Präsident des Assekuranzunternehmens, keine weitere Amtsperiode annehmen, wird aus Unternehmenskreisen bestätigt. Im Rahmen der Kapitalerhöhung avanciert Generali mit 12% Anteilen zum grössten Cattolica Aktionär. Eine Aufstockung der Beteiligung soll in den nächsten Wochen entschieden werden.