In der Schweiz unterscheidet die Gesetzgebung zwischen gebundenen und ungebundenen Versicherungsvermittlern. Erstere sind z. B. Aussendienstmitarbeitende von Versicherungsgesellschaften, die ihre eigenen Produkte verkaufen. Der ungebundene Versicherungsvermittler, auch Versicherungsbroker oder -makler genannt, vermittelt seinen Kunden die Versicherungslösungen, welche am besten zu ihnen passen. Beide, sowohl der Versicherungsbroker als auch der Versicherungsmakler, sind keinem Versicherer verpflichtet, unternehmerisch selbstständig und sie pflegen in der Regel Zusammenarbeiten mit allen Versicherungsgesellschaften, Krankenkassen und Vorsorgeeinrichtungen.

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Michael Kurt ist Vorstandsmitglied der Swiss Insurance Brokers Association (SIBA) sowie Partner und Mitglied der Geschäftsleitung von Glausen + Partner AG.
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Die Dienstleistung des Versicherungsbrokers/-maklers geht aber noch weiter als nur bis zur Vermittlung von Versicherungslösungen: So berät er den Kunden gesamtheitlich, zeigt, wie Risiken versicherungstechnisch abgesichert werden können, und entlastet den Kunden im Tagesgeschäft, indem er z. B. Versicherungspolicen kontrolliert, Deklarationen ausfüllt, Prämienabrechnungen verifiziert und den Kunden bei der Abwicklung von Schadenfällen unterstützt. Im Weiteren sorgt der Versicherungsbroker/-makler dafür, dass der Versicherungsschutz seines Kunden stets aktuell ist; dafür vergleicht er Versicherungslösungen regelmässig auf Preis und Leistung und führt auch Risikobesichtigungen durch. Die meisten KMU arbeiten heute mit einem Versicherungsbroker/-makler zusammen, weil es für sie der sicherste und effizienteste Weg ist, das Versicherungsmanagement im Griff zu haben. Für die Versicherer sind die Versicherungsbroker mittlerweile zum wichtigsten Vertriebskanal im Unternehmensgeschäft geworden.

Nach wie vor gibt es aber viele Leute, welche den «Versicherungsbrokern» und «Versicherungsmaklern» misstrauen. Ich bin der Sache vor einigen Jahren nachgegangen und habe mittels einer Umfrage herausgefunden, dass ein grosser Teil des Misstrauens rein auf der Begrifflichkeit, also unserer Berufsbezeichnung beruht:

So glaubt mehr als ein Fünftel der Befragten, dass der Versicherungsbroker und -makler Versicherungen da platziert, wo er am meisten verdient. Besonders die Bezeichnung «Makler» schnitt bei meiner Umfrage besonders schlecht ab: Über ein Drittel der Befragten ist nämlich der Meinung, dass der Versicherungsmakler gar nicht wirklich neutral berate und so die Interessen des Kunden nur ungenügend vertrete. Über die Hälfte der Befragten attestiert dem Versicherungsbroker übrigens die Fähigkeit, sie im Bereich Risikomanagement beraten zu können und auch langfristig als neutraler Berater geeignet zu sein, immerhin. Besonders spannend ist die Erkenntnis, dass die Berufsbezeichnung «Versicherungstreuhänder» am besten abschnitt. Ihr werden Bestwerte in Sachen Neutralität, Unabhängigkeit, Nachhaltigkeit und Wahrung der Kundeninteressen verteilt. Diese Erkenntnisse lassen den Schluss zu, dass die Begrifflichkeit, also die Berufsbezeichnung als solche, einen entscheidenden Einfluss darauf hat, wie unsere Branche von aussen wahrgenommen wird. Wenn der Begriff «Treuhand» besser zur Umschreibung unserer Tätigkeit passt (und das tut er nämlich tatsächlich, da wir stets die Interessen unserer Kunden vertreten) und unser Umfeld diese Berufsbezeichnung als wertiger und vertrauenswürdiger empfindet, dann sollten wir Broker das für unsere Zukunftspläne berücksichtigen, ganz nach dem Motto: «Es ist drin, was draufsteht.»