Das Prinzip der verhaltensabhängigen Versicherungsprämien gewinnt in der Schweiz immer mehr an Akzeptanz. Das zeigt die aktuelle Bevölkerungsbefragung Monitor «Datengesellschaft und Solidarität», welche die Forschungsstelle Sotomo im Auftrag der Stiftung Sanitas Krankenversicherung heuer bereits zum dritten Mal durchgeführt hat. So spricht sich 2020 erstmals mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Befragten dafür aus, dass Versicherungskunden, die sich gesund ernähren und fit halten, weniger Krankenkassenprämien bezahlen sollen als andere.

Felix Gutzwiller, Stiftungsratspräsident Sanitas Krankenversicherung, steht dieser Entwicklung ambivalent gegenüber: «Wenn gesundheitsförderndes Verhalten belohnt wird, kann das einen positiven Effekt auf die Eigenverantwortung der Menschen haben – das ist die Wirkung von Anreizmechanismen.» Allerdings könne die Verknüpfung zu den Versicherungsprämien problematisch sein. Gutzwiller: «Gesundes Verhalten mag in der Regel das Krankheitsrisiko positiv beeinflussen, aber der Zusammenhang ist bei vielen gesundheitsfördernden Massnahmen ungenügend erforscht.» Und auch mit den heutigen vermehrten Tracking-Methoden könne gesundes Verhalten nicht immer einfach gemessen und mit Daten belegt werden. Zudem hätten auch nicht alle Menschen die gleichen Voraussetzungen, bestimmte Massnahmen zur Gesundheitsförderung anzuwenden.

Eigene versus fremde Absicherung

Wie die Befragung zeigt, ist das Bedürfnis, die gesellschaftliche Solidarität hochzuhalten, nach wie vor gross. Der Rückhalt für Solidarität im Gesundheitsbereich hat seit 2019 sogar signifikant zugenommen (von 56 auf 63 Prozent). Geht es indes um die Krankenkassenprämien, so belegt die Studie, dass diese nicht primär aus Solidarität, sondern zur Absicherung eigener Risiken bezahlt werden. «Es ist wohl natürlich, dass die Menschen in einer konkreten Frage zu ihrer Haltung zu Versicherungsprämien zuerst an ihre eigene Situation denken», relativiert Felix Gutzwiller. Immerhin jeder vierte Befragte (27 Prozent) wolle damit aber explizit auch einen Betrag zur Absicherung aller leisten. Und eine Minderheit von 14 Prozent würde sogar bereit sein, zusätzlich freiwillig einen Solidaritätsbeitrag zu leisten. «Man kann der Mehrheit aber wegen ihres Fokus auf die eigene Absicherung kein unsolidarisches Verhalten vorwerfen, denn aus welcher Motivation sie auch die Prämien begleichen, sie tragen immer auch zur Absicherung der Risiken der anderen Mitglieder des Versichertenkollektivs bei – so funktioniert das Versicherungsprinzip.»

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Im Prinzip sind die Menschen also für Solidarität, aber bei konkreten Fragen steht die eigene Situation oft im Vordergrund. Es stellt sich die Frage, ob Solidarität im Gesundheitsbereich künftig nur noch mit freiwilligen Beiträgen aufrechterhalten werden kann. «Nein, das denke ich nicht», winkt der Sanitas-Stiftungsratspräsident ab. Sicher würde freiwillige Solidarität im Rahmen von Spenden, Crowdfundings oder generell durch wohltätige Organisationen, namentlich auch Stiftungen, eine wichtige Rolle spielen. «Persönlich bin ich aber überzeugt davon, dass eine solidarisch ausgestaltete obligatorische Krankenversicherung weiterhin einen wichtigen Stellenwert im Schweizer System hat.»
 

Stiftung Sanitas Krankenversicherung

Die Stiftung Sanitas Krankenversicherung wurde 1958 gegründet. Sie hält als Alleinaktionärin die Beteiligungen der Sanitas Gruppe. Sie fördert zudem Projekte und bearbeitet gesellschaftliche Aspekte im Bereich Digitalisierung, Gesundheit und Versicherung. Die Befragung der Schweizer Bevölkerung zum Thema Datengesellschaft und Solidarität wird seit 2018 jährlich wiederholt und die Resultate sollen aktiv zur gesellschaftlichen Debatte beitragen. Den aktuellen Monitor «Datengesellschaft und Solidarität» finden Sie hier.