Was sind die grössten Risiken, mit denen wir in Zukunft konfrontiert sind? Mit dieser Frage setzen sich jedes Jahr namhafte Unternehmen und Organisationen auseinander. Der Funk Global Risk Consensus analysiert jeweils fünf Berichte, womit mögliche Verzerrungen in den einzelnen Reports geschmälert werden. 2020 standen Cyberrisiken, sich ändernde Regulierungen und eine ungünstige Marktentwicklung an oberster Stelle.

Eine Pandemie hatten die Analytiker nicht auf dem Radar. Einzig der WEF-Report nannte das Risiko Pandemie im Bereich der Auswirkungen an zehnter Stelle. Da die Eintrittswahrscheinlichkeit als sehr gering eingestuft wurde, haben es die Autoren aber nicht näher beleuchtet. In früheren Jahren, typischerweise unmittelbar nach einer Pandemie wie der Schweine- oder Vogelgrippe, Sars und Ebola, wurde es höher bewertet. «Das zeigt, dass auch Spezialisten schnell vergessen und der Fokus rasch wechselt», sagt Stefan Brändli vom Funk RiskLab. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Ereignis eintritt, sei enorm schwierig zu beurteilen, und Brändli plädiert dafür, diese nicht zugunsten einer Scheingenauigkeit beziffern zu wollen.

«Gefahren sind schwer vorstellbar»

Latente Risiken, die allerdings von hoher Tragweite sein können, geraten auf diese Weise schnell in Vergessenheit. Für Stefan Brändli ist klar: «Wir müssen umdenken. Diese Gefahren scheinen weit weg und sind schwer vorstellbar, man kann aber nicht einfach hoffen, dass nichts passiert.» Ähnlich wie bei häufig wiederkehrenden Risiken sei es sinnvoll, sich vorzubereiten; unwahrscheinliche Szenarien durchzuspielen, Notfallpläne zu erarbeiten. Obwohl man diese vermutlich nie einsetzen werden muss.

Neben anderen Aspekten wie dem Preis sollte künftig das Risiko bei unternehmerischen Entscheidungen eine grössere Rolle spielen, findet Brändli. So könnte zum Beispiel ein inländischer Lieferant anstelle von einem kostengünstigeren Anbieter im Ausland zum Zug kommen. Denkbar sind auch ein Backup-Lieferant, ein grösseres Lager, eine zusätzliche Internetleitung oder ein Notstromgenerator.

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Funk Global Risk Consensus Top 10 Risiken 2020.

Quelle: Funk Insurance Brokers AG

Weitere Risiken mit globalen Auswirkungen

Das Risiko einer Pandemie wird aufgrund der aktuellen Ereignisse in den nächsten Risikoanalysen mehr Gewicht bekommen. Das Funk RiskLab hat zudem weitere Risiken mit massiven globalen Auswirkungen eruiert, die genauso wie das Coronavirus unterschätzt werden könnten. Darunter fallen etwa:

  • Unterbruch des Internets
    Infrastrukturschäden (z. B. gleichzeitiger Ausfall mehrerer Unterwasserkabel) oder Cyberangriffe könnten die Kommunikationsinfrastruktur oder das Internet als Teil davon lahmlegen.
  • Stromausfall in den grössten globalen Wirtschaftszentren
    Ein Sonnensturm könnte weltweit viele Transistoren zerstören, aber auch gross angelegt Cyberangriffe könnten die Stromzufuhr weiträumig kappen.
  • Ausbruch eines Supervulkans
    Eine kontinentale Zerstörung mit einhergehenden Erdbeben würde nicht nur vulkanische Winter und Ernteausfälle mit sich bringen, sondern auch Auswanderungswellen verursachen.
  • Globaler Schädlingsbefall
    Ein unbekannter Pilz oder ein gefährliches Bakterium könnte sich rasch ausbreiten und grosse Bestände von Kulturpflanzen befallen.

Fremde Risiken durch Globalisierung

In der Schweiz sind die Risiken vergleichsweise überschaubar, doch auch hierzulande gibt es Szenarien wie einen gebrochenen Staudamm oder einen Unfall im Atomkraftwerk, die gerne ausgeblendet werden. Mit zunehmender Globalisierung gehen uns allerdings nicht mehr allein lokale Risiken etwas an, sondern eben auch die Gefahren in anderen Ländern. Beim Vulkanausbruch in Island konnte man drei Wochen lang nicht über den Atlantik fliegen. Für Firmen, die diesen Lieferweg nutzen, ein Problem.