Der Reformstau bei AHV und beruflicher Vorsorge hat die zwei Hauptpfeiler im viel gelobten Dreisäulensystem in eine Schieflage gebracht. Umso wichtiger wird das individuelle Sparen innerhalb der 3. Säule. Für die Erwerbstätigen lässt sich wegen der demografischen Veränderungen und der Verwerfungen an den Kapitalmärkten abschätzen, dass die Renten aus diesen Sozialwerken nicht ausreichen, um den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand aufrechtzuerhalten.

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Die Möglichkeiten der persönlichen Altersvorsorge werden jedoch bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Zwar haben gemäss einer Studie der Hochschule Luzern gut zwei Drittel der unter 65-Jährigen eine Säule-3a-Lösung, aber davon bringt nur die Hälfte den Maximalabzug auf, um optimal von Steuervergünstigungen zu profitieren. Finanzexperte Heinz Zimmermann, Professor an der Universität Basel, sieht noch einiges an Ausbildungsarbeit: «Es geht darum, dass sich die Leute ein solches Investment vermehrt zutrauen und es attraktive, kostengünstige Anlagemöglichkeiten gibt.» 

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Persönliche Beratung nicht ausklammern

Die Sparmöglichkeiten in der gebundenen (Säule 3a) und freien Vorsorge (Säule 3b) sind mit dem Markteintritt von jungen Fintech-Unternehmen nebst den etablierten Banken und Versicherungen sprunghaft gewachsen. Vorsorge findet nicht mehr ausschliesslich über einen Finanzexperten statt, denn neuerdings lässt sich dieses Investment auch über eine Smartphone-App bewerkstelligen. «Die Zukunft im Vorsorgesparen ist digital», sagt Benjamin Manz vom Online-Vergleichsdienst Moneyland. Mit den neuen Verkaufskanälen sind auch die Gebühren ins Rutschen geraten. Das kommt nicht zufällig: Mit dem digitalen Abschluss von Vorsorgeprodukten vereinfachen sich die bisher komplexen Abläufe. Entsprechend sinken die Kosten.

Derzeit sind die 3a-Produkte per Smartphone noch ein Nischenmarkt. Aber das Wachstumspotenzial ist gross. «Der Anteil der komplett digitalen Abschlüsse wird in den kommenden Jahren steigen», meint Reto Näscher, CEO bei The Prosperity Company, die über ihre wichtigste Tochtergesellschaft Liechtenstein Life Assurance fondsgebundene Produkte zur Altersvorsorge vertreibt. Die Anbieter müssten jedoch noch wichtige Zukunftsthemen und Kundenwünsche abdecken, wie etwa die Förderung der Transparenz, die Verständlichkeit oder den Ausbau der Gestaltungsmöglichkeiten über eine App. Aus der Sicht von Marktkenner Näscher liefern die eigenen digitalen Plattformen den Versicherungsvermittlern ein wichtiges Werkzeug für den schnellen und unkomplizierten Abschluss eines Vorsorgeprodukts. Die persönliche Beratung klammert er aber nicht aus: «Es ist sinnvoll, wenn Vorsorgeprodukte mit einem ausgebildeten Berater individuell abgestimmt und abgeschlossen werden.» 

Produkte mit hohem Aktienanteil gesucht

Für die Anleger steht das steuerbegünstigte Sparen in der Säule 3a ganz klar im Vordergrund. Das Gesetz erlaubt Arbeitnehmenden und Selbstständigerwerbenden, jährlich einen Maximalbetrag auf ein Konto oder in einen Wertschriftenfonds einzuzahlen. Für 2021 sind Überweisungen von maximal 6883 Franken für Personen mit einer Pensionskasse und 34’416 Franken für selbstständig Arbeitende ohne Vorsorgeeinrichtung möglich.

Bei Banklösungen ist das Vorsorgekonto die häufigste und einfachste Variante. Mehr als die Hälfte der Leute entscheiden sich für ein 3a-Konto, obwohl der Zins nur knapp über der Nullmarke liegt. Dabei sind 3a-Wertschriftenfonds speziell für junge Erwerbstätige interessant. Mit einem langfristigen Anlagehorizont von zwanzig Jahren und mehr rentieren Fonds mit einem hohen Aktienanteil besser als reine Zinskonten. Grundsätzlich gilt bei diesen Vehikeln gleich wie in der beruflichen Vorsorge eine Aktien-Obergrenze von 50 Prozent. Der Regulator hat allerdings die Vorschriften derart gelockert, dass 3a-Fonds im Extremfall bis zu 100 Prozent in Aktien investieren können. Einzige Bedingung: Die Kunden müssen über die höheren Risiken mit Aktien aufgeklärt werden. Im aktuell günstigen Börsenumfeld sind derartige Produkte attraktiv. So wird etwa bei der neuen Frankly-App der Zürcher Kantonalbank der Index-Vorsorgefonds mit einem Anteil von 95 Prozent Aktien am stärksten nachgefragt.

Versicherer bieten Sicherheit und Planbarkeit 

Vielfältig sind auch die Säule-3a-Modelle der Versicherer. Bei der gemischten Lebensversicherung erfolgt der Kapitalaufbau mit einer garantierten Verzinsung und mit Leistungen im Todesfall oder bei Erwerbsunfähigkeit. Die fondsgebundene Lebensversicherung bietet im Sparteil Anlagefonds, ähnlich wie beim Vorsorgedepot einer Bank. Die Versicherer argumentieren bei ihren 3a-Policen mit der Sicherheit und Planbarkeit. Anders als bei einer Banklösung sind im Fall der 3a-Police regelmässige Einzahlungen während der fixierten Vertragsdauer fällig. 

In der freien Vorsorge (Säule 3b) gibt es keine Beschränkungen, wenn es konkret um die Anlage der Gelder geht. Dafür entfallen auch die Steuerprivilegien. Die Produktpalette präsentiert sich äusserst vielfältig. In dieses Spektrum gehören Sparkonti, Investments in Wertpapiere, Immobilien, strukturierte Vermögensanlagen wie ein Fondssparplan, Lebensversicherungen und Leibrenten. Diese Kategorie des individuellen Sparens hat einen wichtigen Vorteil: Im Gegensatz zu den steuerbegünstigten 3a-Produkten ist das in der freien Vorsorge angesparte Kapital jederzeit verfügbar.