Pensionskassen und andere Vorsorgeeinrichtungen stehen vor grossen Herausforderungen, das ist zur Genüge bekannt. Da für viele Personen die Renten aus AHV und zweiter Säule nach der Pensionierung nicht alle Bedürfnisse decken können, kommt der dritten Säule eine immer wichtigere Bedeutung zu. Die Kundinnen und Kunden können zwischen 3a-Lösungen von Banken und Versicherungen wählen, wobei die Faustregel gilt, dass Banken-lösungen mehr Flexibilität und Versicherungsprodukte mehr Sicherheit bieten.

Bei einer Versicherungslösung müssen die Kunden und Kundinnen für den Risikoschutz einen entsprechenden Risikoaufschlag bezahlen, und es besteht – im Gegensatz zu Bankprodukten – meist ein jährlicher Ein-zahlungszwang. Bei Erwerbsausfall oder Invalidität übernimmt jedoch die Versicherung die Prämienzahlungen, und das Sparziel wird erreicht. Zudem hat eine Versicherungslösung den Vorteil, dass Partner oder Kinder speziell begünstigt werden können und das Versicherungskapital dem Konkursprivileg untersteht.
 

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Jederzeit Zugang zum Vorsorgekonto

Doch diese Vorteile allein genügen nicht mehr. Die Ansprüche der Kundinnen und Kunden steigen, sie fordern auch bei Versicherungslösungen mehr Flexibilität und benutzerfreundliche, digitale Kontaktpunkte und Applikationen. Um attraktiv zu bleiben, müssen Versicherungen kundenfreundlicher, digitaler und transparenter werden. Was bedeutet das konkret?

Versicherungen sollten ihre Kundinnen und Kunden etwa gegen Ende Jahr via App informieren, wie viel sie bereits einbezahlt haben und welcher Betrag für den maximal möglichen Steuerabzug in der dritten Säule noch notwendig ist. Die Versicherungsnehmenden sollten jederzeit per Swipe oder Mausklick Zugang zu ihrem Versicherungskonto haben, um den Kontostand zu überprüfen, die Performance ihres Portfolios zu erfahren und den Ist- mit dem versprochenen Sollzustand zu vergleichen. Das Anpassen persönlicher Daten sollte digital möglich sein, ebenso wie die rasche  Kontaktaufnahme mit der Versicherungsberaterin. Kunden wünschen in der heutigen digitalen Welt die neue Versicherungspolice nicht in einer Woche, sondern in einem Tag, und am liebsten gleich sofort mit -digitaler Unterschrift auf dem Tablet. 
 

Vertrauen aufbauen

Doch bei vielen Versicherungen läuft immer noch vieles langsam und über den Postweg ab. In anderen Worten: Versicherungen müssen ihre digitalen Angebote deutlich verbessern, beschleunigen und auf die Bedürfnisse der Kundschaft abstimmen. Während einige Banken in ihrer digitalen Transformation schon fortgeschritten sind – nicht zuletzt aufgrund des Drucks seitens neuer Fintech-Player wie etwa N26 und Neon –, stehen viele Versicherungen diesbezüglich noch in der Pflicht. Ein Grund dafür können im Unternehmen verteilte und alte IT-Systeme sein, die einen effizienten Datenaustausch zwischen den verschiedenen Silos verunmöglichen.

Technologie allein reicht aber nicht. Versicherungen müssen von ihren Kundinnen und Kunden auch als vertrauenswürdige Partner wahrgenommen werden – und eine professionelle und persönliche Beratung ist für die komplexen Vorsorgeprodukte unabdingbar. Vorsorgelösungen müssen im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung erarbeitet werden. Deshalb sollten Anbieter von Vorsorgeprodukten ihre Agentinnen und Broker kontinuierlich schulen und weiterbilden und deren Wissenstand transparent ausweisen. Auch dort bietet die Nutzung neuer Technologien grosse Vorteile, sei es durch interaktive Schulungs-Apps oder digitale Ausbildungsplattformen für sämtliche Produkte und neue regulatorische Anforderungen.
 

ESG ist die Zukunft

Versicherer sollten ebenfalls berücksichtigen, dass die Nachfrage nach nachhaltigen Anlageprodukten und Versicherungslösungen markant gestiegen ist. Dies vor allem auch im Vorsorgebereich, da Vorsorgeprodukte und Lebensversicherungen meist auf einem längerfristigen Horizont basieren. In der mittleren und längeren Frist haben Unternehmen, die ESG-Prinzipien (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) befolgen, deutliche Wettbewerbsvorteile, da sie in ihren Aktivitäten sämtliche systemischen Risiken adressieren, auch Umweltrisiken.

Wollen sie in Zukunft relevant bleiben, müssen Produktanbieter also in der Lage sein, eine breite Palette an ESG-Fonds oder «Impact Investing Funds» zu offerieren. Liechtenstein Life zum Beispiel bietet verschiedene Vorsorgelösungen für die dritte Säule an, die ausschliesslich in Anlagefonds investieren, die strikte Nachhaltigkeitskriterien erfüllen – transparentes Reporting inklusive.

Zu guter Letzt sind «coole» Apps auch eine Möglichkeit, der jungen Generation den Einstieg in die selbstständige Alters-vorsorge zu erleichtern. Im Covid-19-Jahr 2020 ist das Bewusstsein rund um das Thema Altersvorsorge unter jungen Personen gestiegen; einerseits machten sich viele Gedanken über die Zukunft und ihre beruflichen Aussichten allgemein, anderseits verfügten sie wegen der Einschränkungen plötzlich über mehr freie finanzielle Mittel. Wenn Altersvorsorge mithilfe digitaler Tools Spass macht, führt das zu einer Win-win--Situation für Versicherte, Finanzinstitute und die Gesellschaft als Ganzes.

Gordon Diehr ist Chief Operation Officer der Liechtenstein Life Assurance