Wer im Alter unliebsame Einkommenslücken vermeiden will, sollte frühzeitig mit dem individuellen Sparen beginnen. An Anreizen fehlt es nicht. Banken und Versicherungen haben jüngst die Angebotspalette mit neuen digitalen Produkten in der gebundenen und der freien Vorsorge ausgeweitet. Trotzdem, die steuerbegünstigten Sparmöglichkeiten werden bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Umfragen zeigen, dass viele Leute nicht mit der Säule 3a vorsorgen. Das hat verschiedene Gründe. Einerseits fehlt vor allem bei jüngeren Versicherten oft das Geld, andererseits ist aber auch das Wissen rund um das persönliche Alterssparen nur ungenügend vorhanden. Ein Kenner der dritten Säule sagt: «Da ist noch einiges an Ausbildungsarbeit zu leisten.»

Nur jeder und jede zweite Erwerbstätige investiert in ein steuerbegünstigtes Bank- oder Versicherungsprodukt. Bald soll es aber mehr Flexibilität beim individuellen Sparen geben. Vom Parlament hat der Bundesrat den Auftrag erhalten, eine Lösung für den nachträglichen Einkauf in die Säule 3a zu präsentieren. Damit lassen sich Vorsorgelücken von Personen schliessen, die in jungen Jahren kein solches Konto hatten, als Selbstständige die finanziellen Mittel nicht aufbringen konnten oder über ein zu geringes Einkommen verfügten.

Zusätzlichen Schwung ins Vorsorgegeschäft haben auch neue Anbieter aus der Fintech-Szene gebracht. Mit Smartphone-Apps visieren Jungunternehmen wie Viac, Selma, Descartes Finance oder PSS speziell eine junge Kundschaft an. Vor Jahresfrist ist überdies mit der Zürcher Kantonalbank (ZKB) ein gewichtiger Player in diesen noch jungen Markt eingetreten. Andere Banken und Versicherungen stossen ebenfalls mit innovativen Angeboten nach.

Noch Potenzial in der Säule 3a

 

Für Finanzexperten und -expertinnen zeichnet sich ab, dass die Branche ihre Vorsorgedienstleistungen in den kommenden Jahren zunehmend automatisiert. Der erleichterte Zugang über digitale Kanäle wird den aktuellen Kapitalbestand von rund 125 Milliarden Franken in der Säule 3a rasch anwachsen lassen. Zum Vergleich: Die Altersguthaben der beruflichen Vorsorge summieren sich bereits auf über 1000 Milliarden Franken. Gemäss den Steuerstatistiken nutzt nur jede und jeder siebte Versicherte in einer Pensionskasse den jährlichen Maximalbetrag von 6883 Franken in der Säule 3a aus. Die durchschnittliche Einzahlungshöhe liegt lediglich bei 3500 Franken pro Jahr. Damit ergibt sich gegenüber dem maximalen Betrag ein zusätzliches Einkaufspotenzial von jährlich etwa 10 Milliarden Franken.

Durch die Einführung einer Nachzahlmöglichkeit würden mehr Gelder in die Säule 3a fliessen. Weil diese einbezahlten Beträge vollständig vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden dürfen, würde dies entsprechend zu Steuerausfällen führen. Zumindest ein Teil dieser Einbussen lässt sich aber durch höhere Steuereinnahmen beim Kapitalbezug ausgleichen. Stärkere Anreize zugunsten der privaten Vorsorge dürften sich positiv auf die finanzielle Situation im Alter auswirken. Es wird aber auch kritisch vermerkt, das zusätzliche Angebot würde wohl nur von den Besserverdienenden genutzt. 

Mehr Rendite mit Wertschriftenlösung

Bei der Wahl einer Säule-3a-Lösung sind die individuellen Bedürfnisse ausschlaggebend. Der Durchblick ist für die Sparer und Sparerinnen im breiten Angebot von Banken und Versicherungen allerdings nicht einfach. Bei den Vorsorgepolicen der Assekuranz ist auch eine Versicherung zu den Risiken Todesfall und Invalidität eingeschlossen. Die Zinskonten und Wertschriftenlösungen der Banken sind einzig auf den Sparaspekt ausgerichtet. Als äusserst populär haben sich in der Vergangenheit die reinen Zinskonten erwiesen. Im aktuellen Tiefzinsumfeld haben sich die Konditionen aber massiv verschlechtert. Die höchste Verzinsung liegt noch bei bescheidenen 0,25 Prozent, und viele Banken operieren mit einer Nullverzinsung. Diese Sparvehikel bleiben jedoch wegen der Steuerersparnis attraktiv. Die anhaltend gute Börsenstimmung hat in der jüngsten Zeit den Vorsorgeprodukten mit Aktien zu einem markanten Aufschwung verholfen. Bei einer solchen Wertschriftenlösung fliessen die Gelder gesamthaft oder teilweise in einen Anlagefonds.

Für jüngere Leute, die einen langen Anlagehorizont vor sich haben, sind derartige Vorsorgedepots mit einem hohen Aktienanteil interessant. Bei einem langfristigen Investment von zwanzig Jahren und mehr lassen sich deutlich höhere Renditen erzielen. Banken und Versicherungen haben jüngst neue Produkte mit einem höheren Anteil an Risikopapieren lanciert. Grundsätzlich gilt für 3a-Fonds bei der Anlage gleich wie in der beruflichen Vorsorge eine Obergrenze von 50 Prozent Aktien. Dank einer gelockerten Regulierung kann diese Limite überschritten werden, wenn die notwendige Aufklärung und Beratung garantiert ist. Dazu gehört insbesondere der Hinweis auf die höheren Risiken mit Aktien. Mittlerweile gibt es Produkte mit bis zu 100 Prozent Aktien. Einzelne Anbieter offerieren zudem ein Life-Cycle-Depot, bei dem vor der Pensionierung das Anlagerisiko mit einer Umschichtung von Aktien zu Obligationen vermindert wird.

Wer sich für eine Wertschriftenlösung entscheidet, sollte vor allem auch die Gebühren unter die Lupe nehmen. Die aktiv gemanagten Wertschriftenfonds sind nicht ganz billig, und die Kosten unterscheiden sich zum Teil ganz erheblich. Massgebend ist bei Fonds die sogenannte Total Expense Ratio (TER), ausgedrückt in Prozent der Anlagesumme, die letztlich einen starken Einfluss auf die Rendite hat. Produkte mit einem hohen Aktienanteil weisen jährliche Gebühren von 1 bis 2 Prozent aus.

Anders sieht es bei den passiv verwalteten 3a-Fonds aus. Diese Exchange Traded Funds (ETF) bilden gängige Börsen- und Kapitalmarktindizes ab, wie etwa den Swiss Market Index (SMI). Die TER bewegt sich bei diesen Indexfonds in der Regel zwischen 0,4 und 0,6 Prozent. Die neuen Digitalprodukte weisen oft eine leicht tiefere Gebührenstruktur auf oder verwenden eine Flatrate, die für sämtliche Angebote gilt. Nachhaltigkeitsanlagen sind oft etwas teurer, weil man aktiv gewisse Aktien aus dem Index ausschliessen muss. 

3b als ungebundene Alternative

Bei der freien Vorsorge ist das Alterssparen nicht steuerlich privilegiert. Zu dieser sogenannten Säule 3b gehören allgemeine Sparkonti, Wertpapiere, Immobilien, Lebensversicherungen und Leibrenten. Im Gegensatz zu den 3a-Produkten ist das in der freien Vorsorge angesparte Kapital jederzeit verfügbar. Mit einer Lebensversicherung lassen sich die finanziellen Folgen von Unfällen, Krankheiten oder Tod abdecken. Zudem wird mit einem Sparanteil, je nach Versicherungstyp, ein Kapital oder eine Rente für das Alter aufgebaut.

Wegen der anhaltend tiefen Zinsen am Kapitalmarkt hat die klassische Lebensversicherung an Attraktivität eingebüsst. Viele Versicherer offerieren reine Auszahlungspläne über eine Laufzeit von bis zu zwanzig Jahren. Mit diesen skalierbaren Vehikeln eliminieren die Anbieter das demografische Risiko.

Weiterhin beliebt bleibt die Leibrente. Die Leute schätzen dieses Vorsorgeprodukt im Vergleich zum zeitlich befristeten Auszahlungsplan, obwohl es mit einer leicht tieferen Rente verbunden ist. Entscheidend ist aber die Fortsetzung der Rentenzahlung bis zum Lebensende.

Für Finanzexperten und -expertinnen zeichnet sich ab, dass die Branche ihre Vorsorgedienstleistungen in den kommenden Jahren zunehmend automatisiert. Der erleichterte Zugang über digitale Kanäle wird den aktuellen Kapitalbestand von rund 125 Milliarden Franken in der Säule 3a rasch anwachsen lassen. Zum Vergleich: Die Altersguthaben der beruflichen Vorsorge summieren sich bereits auf über 1000 Milliarden Franken. Gemäss den Steuerstatistiken nutzt nur jede und jeder siebte Versicherte in einer Pensionskasse den jährlichen Maximalbetrag von 6883 Franken in der Säule 3a aus. Die durchschnittliche Einzahlungshöhe liegt lediglich bei 3500 Franken pro Jahr. Damit ergibt sich gegenüber dem maximalen Betrag ein zusätzliches Einkaufspotenzial von jährlich etwa 10 Milliarden Franken.

Durch die Einführung einer Nachzahlmöglichkeit würden mehr Gelder in die Säule 3a fliessen. Weil diese einbezahlten Beträge vollständig vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden dürfen, würde dies entsprechend zu Steuerausfällen führen. Zumindest ein Teil dieser Einbussen lässt sich aber durch höhere Steuereinnahmen beim Kapitalbezug ausgleichen. Stärkere Anreize zugunsten der privaten Vorsorge dürften sich positiv auf die finanzielle Situation im Alter auswirken. Es wird aber auch kritisch vermerkt, das zusätzliche Angebot würde wohl nur von den Besserverdienenden genutzt.