Die wachsenden Spannungen im Nahen Osten und der dadurch ausgelöste stärkste Ölpreis-Anstieg seit dem Golfkrieg 1991 versetzen Anleger weltweit in Unruhe. Die Ölsorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich am Montag um zeitweise knapp 20 Prozent und kostete mit 71,95 Dollar je Barrel (159 Liter) so viel wie zuletzt vor vier Monaten.

Gleichzeitig verloren die Aktienindizes Dax und EuroStoxx50 jeweils über 0,7 Prozent auf 12'371 und 3525 Punkte (Stand 11:40). Der SMI gab um ein halbes Prozent auf 9990 Punkte nach.

«Höhere Ölpreise belasten zwar auch direkt die Wirtschaft», sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. «Die Angst, dass sich die geopolitischen Spannungen nun weiter verschärfen, wiegt aber schwerer.»

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Iran weist Anschuldigungen zurück

Am Wochenende hatten Angriffe auf saudi-arabische Förderanlagen fünf Prozent der weltweiten Rohöl-Produktion lahmgelegt. Die USA machen den Iran für die Drohnen-Attacken verantwortlich, zu denen sich die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen aus dem Bürgerkriegsland Jemen bekannt haben. Iran weist die Anschuldigungen zurück.

Anleger registrierten mit Sorge, dass der Öl-Nachschub aus Saudi-Arabien so leicht unterbrochen werden könne, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Das werfe auch einen Schatten auf den geplanten Börsengang des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco.

Franken und Gold gefragt

Vor diesem Hintergrund nahmen einige Anleger Kurs auf «sichere Häfen». Die «Antikrisen-Währung» Gold verteuerte sich um bis zu 1,6 Prozent auf 1511,91 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Auch der Schweizer Währung war gefragt. Der Dollar verbilligte sich dadurch um bis zu 0,3 Prozent auf 1,0925 Franken.

Die Ölpreis-Rally verhalf auch den Währungen von Exportstaaten wie Kanada, Norwegen oder Russland Auftrieb. Dort verbilligte sich der Dollar zeitweise um jeweils rund ein Prozent auf 1,3204 kanadische Dollar, 8,9173 norwegische Kronen und 63,65 Rubel.

Währungen von Staaten, deren Wirtschaft stark von Energie-Importen abhängt, gerieten dagegen unter Verkaufsdruck. Dies gelte vor allem für die Türkei und Indien, weil deren Notenbanken nicht zugetraut werde, den Inflationsdruck steigender Ölpreise mit Zinserhöhungen abzufangen, sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. «Dazu sind beide Zentralbanken viel zu sehr unter der Fuchtel ihrer Regierungen.»

Die grossen Pläne des saudischen Machthabers

Kronprinz Mohammed bin Salman will Saudi-Arabien zu wirtschaftlicher Stärke und Macht führen. Gelingen soll dies mit dem IPO von Aramco. Mehr hier.

Airlines müssen Federn lassen

Am Aktienmarkt deckten sich Investoren mit Werten aus der Ölbranche ein. So verteuerten sich die Titel der Förderer BP, OMV, Repsol, Shell und Total um bis zu 3,7 Prozent. Die Papiere von Dienstleistern wie Schoeller Bleckmann, Saipem oder Petrofac gewannen ähnlich stark.

Aus den Depots flogen dagegen Fluggesellschaften, da für sie Treibstoff der Haupt-Kostenfaktor ist. Die Aktien der Lufhansa und ihrer Rivalen Air France sowie der British Airways-Mutter IAG verloren bis zu 3,2 Prozent. Die Billig-Flieger Ryanair und EasyJet büssten bis zu 2,7 Prozent ein.

(reuters/gku)

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