Europaweit schrumpfen die Umsätze der Telecom-Netzbetreiber. Die in der Schweiz aktiven Unternehmen bilden keine Ausnahme. Swisscom meldete Anfang Mai einen um 0,5% rückläufigen Umsatz in der Schweiz. Das Umsatzwachstum kommt hier durch die italienische Tochter Fastweb zustande. Auf Gruppenebene resultierte so ein Gewinnanstieg auf Stufe Ebitda um 20% auf 1,161 Mrd Fr. und um knapp 6% auf 654 Mio Fr. auf Stufe Ebit. Der Reingewinn schrumpfte um 7% aufgrund von Abschreibungen und höheren Kosten von Akquisitionen.

Unverständliche Verluste

Mit Ausnahme des Gewinns auf Ebit-Stufe lag Swisscom damit unter den Erwartungen des Marktes. «Wir gehen davon aus, dass die Gewinnvorgabe auf Stufe Ebitda für das Gesamtjahr trotz schwächerem Konkurrenzumfeld nicht erreicht werden wird», kommentierte Nicolas Didio, Analyst bei Exane BNP Paribas, das Ergebnis.Er bleibt bei seiner «neutral»-Einstufung. Beim ebenfalls französischen Broker Natixis lösten der verlängerte Abschreibungszyklus sowie das unter den Erwartungen gebliebene Fastweb-Resultat Stirnrunzeln aus. Allein die doppelt so lange Abschreibungsdauer bei Festnetzinvestitionen hat einen positiven Effekt von 120 Mio Fr. auf den Gewinn. Völlig unverständlich sind die Verluste von 36 Mio Fr. durch Währungsabsicherungsgeschäfte. Bei der WestLB reduzierte Analyst Stefan Borscheid seine Umsatzerwartung für das laufende Jahr auf 12,1 Mrd Fr., 200 Mio Fr. unter die Zielvorgabe, die sich Swisscom selber gegeben hat. Er bestätigt seine Kaufempfehlung mit Zielkurs 430 Fr. Und auch bei der Citigroup hält Analyst Andrew Lee das Umsatz- und Gewinnziel von Swisscom für dieses Jahr trotz der geringeren Visibilität für erreichbar. Halten- und Kaufempfehlungen halten sich die Waage. Bei France Télécom, Konzernmutter der Mobilsparte Orange, stieg der Umsatz im 1. Quartal um 0,8% auf 13 Mrd Euro, der Gewinn auf Stufe Ebitda um 1,4% auf 4,8 Mrd Euro. Trotz einer Reduktion der Terminierungsgebühren um 12% konnte auch das Inlandgeschäft gesteigert werden. Der grösste Wachstumstreiber ist laut Credit-Suisse-Analyst David George derzeit Polen. Etliche Analysten raten trotz der guten operativen Leistung hinsichtlich eines Aktienkaufs zum Abwarten, bis sich eine mögliche Übernahme der skandinavischen TeliaSonera oder der norwegischen Telenor geklärt hat. Laut Dexia-Analyst Rob Goyens wäre Telenor aufgrund des grösseren Wachstumspotenzials in aufstrebenden Märkten der bessere Kauf – allerdings zeichnet sich bei der norwegischen Regierung keine Änderung der Haltung ab, die 54%-Mehrheit zu reduzieren.

Attraktive Dividendenrendite

Und auch bei Tele2 sind Analysten unterschiedlicher Meinung. Zwar konnte der Umsatz auf 10,4 Mrd Kronen und der Gewinn auf Stufe Ebitda um 13% auf 1,8 Mrd Kronen (etwa 280 Mio Fr.) gesteigert werden. Aber aufgrund des schwächer als erwartet ausgefallenen Breitband- und Mobilgeschäfts in Kontinentaleuropa dürfte der Umsatz lediglich um 1% und der Gewinn auf Stufe Ebitda um 4% wachsen. Der schwedische Broker Öhman sieht keinen Auslöser für höhere Kurse und rät zum Verkauf. Für Per Ekstrand, Analyst bei Kaupting, ist allenfalls die hohe Dividendenrendite von 7% attraktiv. Vor einem Kauf der Aktie müsse Tele2 indes zuerst noch Teile des Unternehmens verkaufen.

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