Die Jungfraubahnen aus Interlaken bringen Besucher zum höchsten Bahnhof Europas. Sie haben auch für Börsenanleger einiges zu bieten: Die Aktie des Unternehmens hat in den vergangenen 12 Monaten um 15 Prozent zugelegt. Noch besser lief es sogar für die Papiere der Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis. Sie verteuerten sich in diesem Zeitraum um mehr als 30 Prozent.

Nirgendwo auf der Welt gibt es mehr Bergbahnen-Aktiengesellschaften als hierzulande. Die grössten von ihnen sind an der Börse kotiert und zählten in den vergangenen Jahren zu den Lieblingen der Anleger. Allerdings steht der Höhenflug der beiden Bergbahnaktien im Kontrast zur zuletzt schlechten Entwicklung des Tourismus.

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So verbuchten die Jungfraubahnen für Juli und August wegen des schlechten Wetters deutliche Rückgänge der Besucherzahlen. Kein Wunder, dass die Aktie seitdem günstiger geworden ist. Doch insgesamt profitieren die Top-Bergbahnen. Die Anleger goutieren, dass diese sich auf weiteres Wachstum einstellen, um künftig noch mehr Besucher transportieren zu können. Für Investoren bleiben sie damit interessant.

Wachstumsgrenze erreicht

Anders als das Gros der Bergbahnen, die vom stagnierenden Wintergeschäft abhängen, profitieren die grössten Bergbahnunternehmen von der in der Regel einträglichen Sommersaison. Bei der Jungfraubahn etwa bringen die Sommergäste rund 70 Prozent der Einnahmen. In den vergangenen Jahren konnte das Transport- und Logistikunternehmen so Umsatz und Ertrag kontinuierlich steigern. Allerdings ist die Wachstumsgrenze erreicht.

«Die aktuellen Bahnkapazitäten erlauben keinen substanziellen Ausbau der Gästezahlen mehr während der Hochsaison», sagt René Weber, Analyst der Bank Vontobel. Deshalb will das Unternehmen eine neue Bahnstrecke realisieren, auf der Züge und Seilbahnen im Sommer und im Winter mehr Besucher transportieren und die Reisezeit verkürzen können. Die Gemeinden müssen dem 250 Millionen Franken teuren Expansionsprojekt allerdings zustimmen. Sollte das passieren, werden die hohen Investitionen zwar zunächst das Ergebnis schmälern, dafür aber neue Wachstumschancen eröffnen, wie Analyst Weber sagt.

Titlisbahn setzt auf Expansion

Auch wenn die Bedenken der Naturschützer, die sich gegen das Projekt wenden, Gehör finden sollten, sieht Weber für die Aktien nicht schwarz: «Die Bahn wird bei anhaltend hoher Nachfrage kontinuierliche Transportumsätze tätigen, die den Cashflow sicherstellen.» Eine höhere Dividende als die zuletzt 1.80 Franken wäre dann sicherlich ein Thema, denn die Jungfraubahn ist solide finanziert – mit einer Eigenkapitalquote von über 80 Prozent.

Die Titlisbahnen setzen ebenfalls auf Expansion. Eine neue komfortable Gondel soll ab übernächstem Winter die Logistik zwischen der Talstation Engelberg und den Destinationen am Berg optimieren. So kann das Unternehmen neben dem Transport auch von seinen übrigen Dienstleistungen profitieren, den Hotels, der Gastronomie und den Pisten.

Trotz den guten Perspektiven sollten Anleger nicht vergessen: Auch die Titlisbahnen spüren die warmen Winter. Die Kosten für die Pistenpräparierung sind zuletzt deutlich gestiegen. Zugleich werden Buchungen wegen der Sorge vor Schneemangel mit Zurückhaltung getätigt. «Schnee ist die Grundlage des Geschäfts. Die Bahnen müssen in Massnahmen wie etwa Schneekanonen investieren», sagt Björn Zern, Gründer des Internetportals für Nebenwerte, Schweizeraktien.net.

Winterwetter ist oft entscheidend

Insbesondere für die kleineren Betreiber von Bergbahnen, die auf die klassischen Ski- und Schlittentouristen aus der Schweiz und Deutschland angewiesen sind, ist die Abhängigkeit vom Winterwetter und den Touristenströme in ihrem Skigebiet hoch. Viele dieser Firmen, die sich vor Jahrzehnten als Aktiengesellschaften gegründet haben, um den Aufbau der Infrastruktur bezahlen zu können, kämpfen mit der Wirtschaftlichkeit. Im letzten Winter nahm der Verkehrsertrag der heimischen Seilbahnen schweizweit nach Auskunft der Titlisbahnen um 2 Prozent ab.

Mehr als 70 Bergbahnen sind an der Nebenwertebörse in Bern gelistet. Bei den meisten findet aber kaum einen Handel statt. «Das Gros der Titel ist nur etwas für Liebhaber und Investoren mit lokalem Bezug. Nur drei bis vier Bahnen sind letztlich für externe Anleger interessant», so Zern. Voraussetzung ist etwa, ohne Quersubventionen durch andere Betriebe schwarze Zahlen schreiben zu können.

Naturaldividenden statt Geld

Beispiele sind die Pilatusbahnen aus Kriens, die Schilthornbahn aus Mürren, die Zermatt-Bergbahnen und die Davos Klosters Bergbahnen. Von florierendem Aktienhandel kann aber auch hier keine Rede sein. 60 Transaktionen wie bei Pilatus- und Schilthornbahn sind für das bisherige Jahr schon viel.

Neben möglichen Kurssteigerungen bieten diese Nebenwerte-Bahnen ausserdem noch eine Dividende, die künftig steigen könnte, wenn die Bahnen mit soliden Finanzen aufwarten. Doch für klassische Dividendenjäger ist das eher nichts. Sie könnten allerdings an etwas anderem Gefallen finden: Die meisten Bergbahnen schütten statt Barem lieber Naturaldividenden aus – wie Restaurantgutscheine oder Freifahrscheine.