Es ist ein schwieriger Spagat: In einem denkbar feindlichen Umfeld müssen Ölriesen und Zulieferer ihre Konzernbilanzen solide und zugleich die Anleger bei Laune halten. Für hoch verschuldete Unternehmen wie Transocean oder Glencore gleicht dieses Bemühen bereits jetzt reinster Akrobatik. Breiter aufgestellte Rohstofflieferanten wie Royal Dutch Shell haben noch mehr Luft. Und greifen bei der Dividende in die Trickkiste.

Ähnlich wie seine Konkurrenten Total und BP muss der Shell-Konzern für ausreichend Kapital sorgen. Um den niedrigen Ölpreis auszugleichen, bemühen sich alle Ölriesen, Milliarden beiseite zu legen. Zugleich wollen aber weder Shell noch die Wettbewerber ihre Anleger verschrecken. Zumal Ölkonzerne eigentlich als attraktive Renditebringer gelten.

Fallende Ölpreise abfedern

Um Investoren bei Laune zu halten, findet Shell eine Zwischenlösung. Das Unternehmen bietet Bonusaktien an. Bei dieser Form der Firmenanteile können Anleger nach wie vor eine Ausschüttung wählen, sie haben also die Wahl einer Dividende. Oder aber sie können die Auszahlung zu einem späteren Zeitpunkt gestatten.

Mit Hilfe der Bonusaktien wird Shell jährlich rund 3,5 Milliarden Dollar an Cash generieren, schätzt die Nachrichtenagentur Bloomberg. Das bringt zunächst eine Erleichterung, ohne die Investoren vor den Kopf zu stossen. Allerdings wachsen dafür die Forderungen der Anleger in der Zukunft – die Shell wiederum nur dann erfüllen kann, wenn das Geschäft mit dem Öl wieder mehr einbringt. «Irgendwann muss die Erholung kommen», sagt Rohstoffanalyste Daniel Benz von der Zürcher Kantonalbank. «Sonst steht auch Shell früher oder später vor der Entscheidung, die Dividende zu kürzen.»

Forderungen der Anleger in die Zukunft verschoben

Für andere Unternehmen ist dieser Punkt bereits erreicht: Rohstoffriese Glencore und Öldienstleister Transocean mussten beide die Zahlungen an ihre Aktionäre bereits aussetzen. Glencore stoppt die Jahresdividende 2015 und die Halbjahresdividende 2016. Darüber hinaus will der Konzern Geschäfte im Umfang von 2 Milliarden Dollar verkaufen. Das Unternehmen muss aktuell Schulden in Höhe von 10 Milliarden Dollar abbauen.

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Für die Anleger ist Glencore bereits zum Spielball geworden, nachdem das Papier seit Jahresbeginn ohnehin zwei Drittel an Wert verloren hat: Ende September brach der Kurs um mehr als 30 Prozent ein, um sich innert einer Woche zu erholen. Für Glencore war das der Moment, um die Gunst der Anleger zu kämpfen und zu versichern, dass das Unternehmen überlebt – auf dass diese wieder Vertrauen fassen.

Die Dividende war aber ohnehin kein gewichtiges Argument für den Kauf der Glencore-Aktie. Wie attraktiv kann der Titel in Zukunft überhaupt noch sein? «Ich würde BHP und Rio Tinto deutlich dem Papier von Glencore vorziehen», sagt ZKB-Experte Benz.

«Wette auf den Ölpreis»

Auch bei Transocean verzichten die Anleger derzeit auf Geld, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Konkret stimmten die Anteilshalter zu, die Zahlung der Dividenden für zwei Tranchen auszusetzen. Der Öl-Dienstleister mit Sitz in Baar musste in diesem Jahr bereits 2,8 Milliarden Dollar abschreiben. Mit dem aktuellen Quartal gelang dem Unternehmen wieder ein Gewinn.

Dennoch hängt die Sanierung von Transocean am seidenen Faden. Der Konzern ist auf Off-Shore-Bohrungen spezialisiert und damit aufgrund der Rohstoffpreise viel stärker unter Druck als etwa Shell. Für Anleger bedeutet der Kauf laut ZKB darum vor allem eines: «Der Kauf von Transcocean-Aktien ist eine einzige Wette auf den Ölpreis.»