Nach dem Schwarzen Montag in Athen geht die Talfahrt der griechischen Börse ungebremst weiter: Zur Eröffnung brach der Leitindex um knapp 5 Prozent ein, nachdem er am Vortag bereits ein Rekord-Minus verbucht hatte. Besonders heftig trifft es die Finanzinstitute: Der griechische Bankenindex stürzte den zweiten Tag in Folge um 30 Prozent ab und notierte mit 324 Punkten so niedrig wie nie zuvor.

Bereits am gestrigen Montag hatte die griechische Börse mit einem massiven Kurssturz ihren Handel nach gut einem Monat Zwangspause wieder aufgenommen. Börsenmakler sprachen von einem schwarzen Montag. Der Leitindex Athex Composite brach um 16,2 Prozent auf 668 Punkte ein. Am Morgen war es allerdings noch um 23 Prozent bergab gegangen.

Griechenlands Industrie auf Rekordtief

Die Regierung hatte die Athener Börse nach der Zuspitzung der Griechenland-Krise vor fünf Wochen geschlossen, um noch schlimmere Turbulenzen zu vermeiden. Es war die längste Handelsaussetzung seit den 1970er Jahren. Zuletzt war in Athen am 26. Juni gehandelt worden.

«Die Börse zeigt, was wir Anleger von der Wirtschaftslage halten», sagte ein altgedienter Börsenmakler. Eine Umfrage des Forschungsunternehmens Markit vom Montag schlug in die gleiche Kerbe: Die Stimmung in den griechischen Industrieunternehmen war demnach im Juli so schlecht wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1999.

Hellenische Banken vor dem Ruin

Die heimischen Banken stehen vor dem Ruin, weil die Griechen aus Angst vor dem «Grexit» – einem Ausscheiden ihres Landes aus der Euro-Zone – ihre Konten leerräumen. Griechenland verhandelt zurzeit mit den Gläubigern über ein neues Hilfspaket in Höhe von bis zu 86 Milliarden Euro. Viel Zeit hat Athen nicht. Am 20. August muss Griechenland 3,2 Milliarden Euro an die Europäische Zentralbank zahlen.

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Der Einbruch um 16 Prozent war nicht nur der grösste Tagesverlust der griechischen Börsengeschichte. Auch im internationalen Vergleich der vergangenen 30 Jahren ist der Crash fast beispiellos (siehe Bildergalerie oben). 

(reuters/awp/moh/me)