Vor Kurzem sah es noch so aus, als würde das Schreckgespenst des starken Frankens schneller verblassen als erhofft. Bis Anfang Oktober legte der Euro deutlich zu und hielt die Marke von 1,09 Franken. Damit war die eidgenössische Währung nach Konsens noch immer zu stark bewertet, aber die Tendenz versprach Hoffnung.

Doch der Schweizerischen Nationalbank (SNB) stehen starke Kräfte entgegen. Die Gemeinschaftswährung hat in der vergangenen Woche deutlich geschwächelt und kostet trotz leichter Erholung auch heute nur leicht mehr als 1,08 Franken. Immerhin verlieren die Schweizer Firmenchefs ihre Angst vor einem Wechselwurs von um die 1,10 Franken. Einen Nachteil sieht in einem solch starken Franken nur noch ein Fünftel der hiesigen Unternehmer, das zeigt eine Studie von Deloitte.

Aufwertung gegenüber Franken verlangsamt

Die Bereitschaft von EZB-Präsident Mario Draghi, absehbar wieder mehr Geld in den Markt zu pumpen, schwächt die Gemeinschaftswährung. «Leider hat dies eine negative Seite: Der Euro wird sich gegenüber dem Schweizerfranken weniger schnell als erwartet aufwerten», sagt Adrian Scherer von der Vermögensverwaltung Limmat Wealth in Zürich. Darum erwartet der Anlagestratege für den SMI perspektivisch eine unterdurchschnittliche Entwicklung an der Schweizer Börse, nach dem Plus der vergangenen Woche.

Bis zum Jahresende rechnet Scherer zwar durchaus mit einer Kursrally in den traditionell guten Börsenmonaten November und Dezember: «Als Folge fehlender Alternativen kommen Investoren weiterhin kaum um Aktien herum, ich sehe daher eine Jahresendrally.» Aber: Die Jahreshöchstwerte werden nach seiner Prognose nicht erreicht und zum Ende des Jahres wird eine Nullrendite im SMI stehen.

Potenzial in Hongkong

Potenzial sieht Scherer dagegen in einem anderen Markt, der im Sommer für starke Turbulenzen sorgte: Nach den schwachen Wirtschaftsdaten und der geplatzten Aktienblase seien die Anleger zu negativ gegenüber China, sagt er. «Insbesondere die in Hongkong kotierten Aktien offerieren langfristig gute Chancen.» Der Markt sei rund 50 Prozent günstiger als der SMI bewertet.

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