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CBD-Hanf
Das Geschäft mit legalem Gras zieht noch immer

Cannabis
Cannabis: Vor einem Jahr begann in der Schweiz der Hype um das legale CBD-Gras.Quelle: Keystone

Coop nahm vor einem Jahr die Schweizer Hanfzigi «Heimat» ins Sortiment auf. Und löste einen Hype aus. Ist der inzwischen verpufft?

Von Bastian Heiniger
am 09.07.2018

Cannabis war plötzlich en Vogue. Nicht länger etwas für klandestine Kiffer. Öffentlich Gras rauchten nun alle – vom Berufsschüler bis zum Banker. Hanfdampf in allen Gassen sozusagen. Und das völlig legal.

Ausgelöst wurde der Hype vor einem Jahr – als Coop Mitte Juli die Zigarette «Heimat Tabak & Hanf» ins Sortiment aufnahm; hergestellt von einer kleinen ostschweizer Tabakfirma. Die Meldung, dass man in einem Schweizer Supermarkt Hanfzigaretten kaufen kann, ging um die Welt. Bald schon nahm auch Valora mit seinen Kiosken die Hanf-Zigi auf ins Sortiment. Und auch Migros-Tochter Denner stellte sie in die Regale.

Die kleine Tabakmanufaktur kam kaum noch nach mit der Produktion. Doch auch Produkte von anderen Herstellern kamen in die Läden: Etwa diverse Sorten legaler Grasblüten zum Selberdrehen, als Tabakersatz. Möglich wurde das ganze, weil das Bundesamt für Gesundheit im August 2016 Produkte mit CBD-Hanf zuliess – eine Cannabis-Sorte, die keine psychoaktive Wirkung hat.

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30'000 Päckli pro Woche

Um das CBD-Gras ist es unterdessen ruhig geworden. Der mediale Hype ist verflogen. War alles nur Schall und Rauch? Fragt man bei Koch & Gsell nach, die Erfinder der Hanfzigarette, heisst es, dass der Hype zwar abgeflacht sei, nicht aber die Nachfrage. Anfangs produzierten sie 8’000 Päckli pro Woche. Nun sind es 30’000. Tendenz steigend. Und das bei einem Preis im Handel von knapp 20 Franken pro Päckli. 

Da in der Schweiz der CBD-Markt jedoch allmählich gesätigt ist, peilt das Unternehmen aus Steinach SG den Export an. Das ist allerdings nicht ganz einfach aufgrund der in vielen Ländern weniger liberalen Rechtslage. «Unsere Anwälte klären derzeit ab, in welche EU-Länder wir exportieren können», sagt Björn Koch, zuständig fürs Marketing. In einem ersten ausländischen Markt sind die Hanf-Zigis bereits angekommen: im britischen Überseegebiet Bermuda. Ein dortiger Händler sei auf Koch & Gsell zugekommen und habe in den letzten beiden Monaten je 2500 Päckli bestellt, sagt Koch.

Heimat
Heimat: Die Ostschweizer Tabakmanufaktur Koch & Gsell produziert derzeit 30'000 Päckli pro Woche.
Quelle: Keystone

Zum 1-Jahr-Jubiläum der Hanf-Zigarette ist nichts geplant. Dafür bringt das Unternehmen Ende Monat ein neues Produkt auf den Markt: CBD-Blüten für alle, die selber drehen wollen. Ein Grossverteiler, den Koch noch nicht verraten will, wird die Blüten ins Sortiment aufnehmen.

Für Valora ist CBD-Hanf ein Wachstumsmarkt

Für die Grossverteiler sind CBD-Produkte noch immer ein gutes Geschäft. Verkaufszahlen gibt zwar keiner von ihnen bekannt. Bei Coop heisst es jedoch: «Wir sind weiterhin sehr zufrieden mit der Nachfrage. Nach dem grossen Ansturm zu Beginn hat sie sich nun auf einem Normalniveau eingependelt», sagt Coop-Sprecherin Alena Kress.

Ähnlich tönt es bei Denner: «Die CBD-Produkte entwickeln sich positiv», sagt Sprecherin Grazia Grassi. Kioskbetreiberin Valora, die CBD-Produkte bei Kiosk, Press & Book und Avec verkauft, spricht von einem «klaren Wachstumsmarkt». Seit diesem April führt auch Lidl CBD-Hanfblüten als Tabakersatz im Sortiment. «Wir sind mit der Lancierung des Produktes sehr zufrieden und erhalten durchwegs positives Feedback unserer Kunden», so Sprecherin Corina Milz. Fazit: Der erste Dampf ist verpufft, geraucht wird noch immer.