Reto Lipp ist eine Gallionsfigur des Schweizer Wirtschaftsjournalismus. Das Magazin «Who is Who» kürte den SRF-Mann jüngst zu einem der 200 bekanntesten Persönlichkeiten – als einziger Medienvertreter in der Sektion «Wirtschaft», zusammen mit so illustren Namen wie ABB-Chef Ulrich Spiesshofer udn Economiesuisse-Chefin Monika Rühl.

Im Interview verrät 55-Jährige, der mit seiner Sendung «Eco» Montag für Montag rund 200'000 Zuschauer erreicht, womit er sein erstes Geld verdient hat, ob er sich für reich hält, was er mit einer Million Franken machen würde und wie er sein Geld anlegt.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Reto Lipp: Ich habe während meines Studiums jahrelang am Samstag im Zürcher Seefeld die Post verteilt. Ein super Studentenjob, der gut bezahlt ist, aber gelegentlich bei Sturm und Schnee ganz schön hart war. Respekt vor jedem Briefträger!

Wie kamen Sie später zu Geld?
Ich habe für mein Geld immer hart gearbeitet – leider flog es mir nie zu. Obwohl ich viel über die Börse berichte, sind uns SRF-Moderatoren Börsenengagements verboten. Das ärgert manchmal.

Halten Sie sich für reich?
Als Journalist wird man nicht reich. Reich wird man nur mit einer eigenen Erfindung und der Umsetzung in ein kommerzielles Unternehmen. Ich habe leider kein Unternehmer-Gen und auch als Top-Manager eigne ich mich nicht. Aber ich beklage mich nicht, ich komme mit meinem Einkommen gut aus.

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Was macht glücklicher als Geld?
Liebe und Gesundheit kann man sich nicht kaufen – und sie sind das Wichtigste. Was mich auch sehr glücklich macht: Ein tolles Buch, schöne Musik, ein fantastisches Konzert, ein interessanter Film und erinnerungswürdige Ferien.

Was würden Sie mit 1000 Franken machen?
Ich würde wieder mal in meine Lieblingsbuchhandlung gehen und mir alle jene Bücher kaufen, die ich schon lange lesen will.

Was mit 1 Million?
Die würde ich gut anlegen. Hier meine Anlagephilosophie: Ein Drittel Aktien, ein Drittel Obligationen, ein Drittel Immobilien. Und nicht vergessen: Die Anlagestrategie immer durchhalten, auch in schlechten Zeiten.

Wofür geben Sie gern sinnlos Geld aus?
Für Musik, für Bücher, für ein tolles Essen mit Freunden, für die Übernachtung in einem Luxushotel und manchmal für Kleider.

Wofür ungern?
Für den Zahnarzt – meistens sind die Rechnungen hoch und weh tut es auch noch. Zum Vergessen!

Was war Ihr bestes Investment?
Meine Wohnung, die ich seit zwei Jahren besitze. Statt Nullzinsen zu erhalten, ist es besser, in den eigenen vier Wänden zu wohnen – auch wenn sie klein sind.

Sparen Sie fürs Alter?
Auf jeden Fall. Keiner weiss, ob unser Rentensystem langfristig überhaupt noch funktioniert. Zudem kann sich heute niemand mehr nur mit der Pension einen Platz im Alters- oder Pflegeheim leisten. Was ich für einen Skandal halte.

Spenden Sie Geld?
Wenn man privilegiert ist, muss man auch geben können. Ende Jahr wird Kassensturz gemacht, und was übrig bleibt, geht an karitative Organisationen, unter anderem die Aids-Hilfe und die Krebsliga.

Dieses Interview erschien im «Millionär», dem Anlegermagazin der «Handelszeitung». Die «Handelszeitung», am Kiosk oder mit Abo bequem jede Woche im Briefkasten.

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