In 49 Ländern rund um den Globus gibts auch im Jahr 2016 noch keine Börse. Doch die Zahl der börsenfreien Länder könnte schnell abnehmen, denn 14 Nationen haben bereits Pläne für einen Handelsplatz. So will etwa Angola bald zum Kreis der Börsenländer dazustossen. Laut aktuellen Medienberichten interessieren sich offenbar 74 Firmen für eine Kotierung, dabei soll es sich um Versicherer, Telekommunikationsanbieter und Detailhändler handeln. Wie viele dann tatsächlich den Börsengang wagen, bleibt abzuwarten.

Investoren mit einem Hang zu Nischenmärkten haben aber bereits heute eine breite Auswahl.

Tropenparadies Seychellen

Wer sich für die Börse der Seychellen – mit passendem Namen Trop-X – interessiert, kann dort aktuell in sechs Unternehmen investieren. Gestartet war die Börse 2013 mit einem Versicherer. Das jüngste IPO wagte im vergangenen Juli die Seychelles Breweries (SBL).

Damals stellte der CEO von Trop-X zwei weitere Börsengänge in Aussicht, möglich also, dass 2017 ein Wachstumsjahr wird. Noch ist die Börse mit einer Marktkapitalisierung von 132 Millionen Franken ein Zwerg.

Die Webseite Trop-x.com bietet potenziellen Anlegern einen kompakten, wöchentlichen Informationsbericht zu lokalen und internationalen Nachrichten. Ein aktueller Bericht zeigt, dass im Inselparadies keine Hektik herrscht: Keiner der Börsenkurse hat sich innert Wochenfrist auch nur minimal bewegt.

Etwas mehr Auswahl bietet der Aktienmarkt eines weiteren Inselparadieses. Auf den Malediven können die Aktien von zehn Unternehmen gekauft werden. 2002 gegründet, operiert der Handelsplatz in der Hauptstadt Malé seit 2008 in der jetzigen Form.

Besonders viele kleine Börsen befinden sich auf dem afrikanischen Festland. Zu den Nachwuchsplätzen mit holprigen Start gehört Kamerum. Lanciert wurde er 2001, doch erst nach fünfeinhalb Jahren wagte die erste Firma den Gang aufs Parkett. Gegenwärtig werden am Douala Stock Exchange drei Unternehmen mit einer Gesamtkapitalisierung von 657 Millionen Franken gehandelt.

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Offenbar beklagt der Privatsektor die hohen Kosten eines IPO, die auch Steuervergünstigen nicht wettmachen können. Wie die lokale Webseite «Business in Cameroon» schreibt, haben sich Banken, die Börsengänge begleiten sollen, diesen Umstand zunutze gemacht: Sie verkaufen den Interessenten Kredite aus eigenem Haus.

Kaum Handelstage in Kap Verde

Die Börse in Kap Verde gehört ebenfalls zu den Winzlingen, Seit Dezember 2005 in Betrieb sind Ende 2016 Firmen im Wert von 653 Millionen Franken gelistet. Mit 16 ist die Zahl der kotierten Unternehmen zwar ansehlich, gehandelt werden aber nur zwei davon.

Die Bolsa Cabo Verde scheint eine Teilzeitbörse zu sein. Gemäss der neuesten Ausgabe des «African Exchanges Magazine» gab es im vergangenen Oktober keinen einzigen Handelstag, im November nur einen und im Dezember immerhin fünf. Kein Wunder verzeichnete die Börse im gesamten Jahr nur 44 Transaktionen.

Sieben Mitarbeiter kümmern sich in Ruanda um die Börse. Aktuell sind vier lokale Firmen am RSE kotiert. Als letztes wagte die I&M Bank im Februar ihr IPO. In diesem Fall – wie in zwei früheren – war es die Regierung, die ihren Anteil am Unternehmen veräusserte.

Noch ohne den jüngsten Börsengang belief sich die Marktkapitalisierung Ende 2016 auf 3,4 Milliarden Dollar. Der erste Mitarbeiter und heutige CEO Pierre Celestin Rwabukumba arbeitete früher an der Wall Street und hat grosse Pläne für seine Börse. Nächstes Ziel: Die vollständige Umstellung auf elektronische Systeme.

Swasilands Börse schliesst zum Mittagessen

Der Swaziland Stock Exchange zählt mit aktuell sieben gehandelten Titeln ebenfalls zu den Zwergbörsen. Wie wenig los ist, zeigen die Kursentwicklungen zwischen Dezember 2016 und Januar 2017. Nur einer der Kurse bewegte sich überhaupt. Wer Aktien erwerben oder verkaufen möchte, hat dafür täglich von Montag bis Freitag ein Zeitfenster von je zwei Stunden: Die Börse öffnet um 10 Uhr lokale Zeit und schliesst um 12 Uhr wieder. Die nächste grössere Gelegenheit für Händler soll der geplante Börsengang von Swazi Mobile bieten.

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Drei Mini-Aktienmärkte befinden sich in Asien. Die neueste nahm den Handel erst im März letzten Jahres auf. Bisher ist die Börse von Myanmar nur für einheimische Investoren geöffnet. Diese haben die Qual der Wahl zwischen vier Titeln. Mit der Asia Green Development Bank soll aber bereits bald das nächste Unternehmen dazustossen.

Dieser dynamische Start stimmt optimistisch. Im Vergleich zu den beiden anderen Kleinstbörsen in Laos und Kambodscha hat Myanmar den Vorteil einer grossen Bevölkerung. 53 Millionen Burmesen können theoretisch Aktien erwerben. Und allenfalls könnte sich der Handelsplatz in Zukunft auch für Ausländer öffnen. Als weiteren Pluspunkt nennt ein Experte die Wahlen von November 2015, die Schwung ins Land und die Wirtschaft gebracht hätten.

Koreanische Entwicklungshilfe

Während die Börse von Myanmar auf japanische Hilfe durch ein Finanzdienstleistungsunternehmen zählt, kommt die Unterstützung in Laos aus Korea. Die Börse von Seoul besitzt 49 Prozent des Unternehmens. Die Koreaner sind für die Technologie und das Training der lokalen Angestellten zuständig. Die kleine Börse ist im Herbst 2010 gestartet. Unterdessen sind fünf Unternehmen kotiert, in den letzten zwei Jahren kam aber nur ein einziges hinzu. Durch die IPO-Pläne einer Import-Export-Firma besteht Hoffnung, dass der Handelsplatz 2017 wieder Fahrt aufnimmt.

Der Korea Exchange glaubt offenbar an Mini-Börsen, denn auch in Kambodscha ist er beteiligt. Die erste Firma wurde dort 2012 gelistet, zwei Jahre später folgte die nächste. Inzwischen sind Aktien von vier Firmen im Handel, eine fünfte soll bald dazukommen.

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Die Zukunftsaussichten für den kambodschanischen Handelsplatz sind durchzogen. Während das starke Wirtschaftswachstum der letzten Jahre ein Pluspunkt ist, stimmen weitere Faktoren eher negativ. So ist die Wirtschaft weiterhin stark auf die Landwirtschaft ausgerichtet und es fehlt sowohl an gut entwickelten Firmen, als auch an Technologie. Der kleine Kreis von potenziellen Investoren durch die kleine Mittelklasse ist ebenfalls ein Hindernis für einen regen Aktienhandel.

Handel im Bürgerkriegsgebiet Syrien

Wer glaubt, wegen des jahrelangen Konflikts liege die Börse in Damaskus auf Eis, der täuscht sich. Doch richtig viel los ist dort seit Langem nicht mehr. Der Aktienhandel startete 2009. Heute sind 24 Firmen mit einer Marktkapitalisierung von 1,2 Milliarden Franken kotiert. Aktiv gehandelt werden aber nur sechs davon.

Trotzdem war 2016 gemäss offiziellen Berichten das bisher geschäftigste. Wie eine Einschätzung eines Saxo-Bank-Experten darlegt, sind die Zahlen nichts als Fiktion. Hauptsächlich sei dies auf die hohe Inflation und den Wertzerfall der syrischen Währung zurückzuführen. Selbst den Quartalsberichten der Banken, deren Titel noch gehandelt werden, sei nicht zu trauen, meint ein Risikoanalyst mit syrischen Wurzeln. Die positive Nachricht: Schlimmer kann es kaum werden. Besser allerdings auch nur schwerlich, denn eine investitionskräftige Mittelklasse gibt es im Land nicht mehr. Wohl auch deshalb ist die Börse nur vier Tage in der Woche jeweils von 10.30 bis 13.15 Uhr geöffnet.

Malawi, Mosambik, Uganda, Armenien, Zypern – für Liebhaber gibt es noch einige weitere Mini-Handelsplätze. Kleiner als die Seychellen - gemessen an der Marktkapitalisierung - ist momentan aber keiner.

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