Der wieder auflebende Häusermarkt hat im vergangenen Jahr die wirtschaftliche Erholung Chinas deutlich unterstrichen. Jetzt könnte der Boom des Immobilienmarkts eines der grössten Risiken für ein anhaltendes Wachstum in der Volksrepublik sein. Chinas Wirtschaft expandierte um 8,7%. Bald könnte China die Nummer zwei der Weltwirtschaft, Japan, überholen. Wie dort wuchs Chinas Wirtschaft durch schnelle Industrialisierung und Urbanisierung. Und wie einst die japanische zieht es nun die chinesische Landbevölkerung in die Städte, wo sie Jobs sucht, Eigenheime erwirbt und konsumiert.

Und es gibt eine weitere beunruhigende Parallele zu Japan: Die Bedenken häufen sich, dass China in dieselbe Falle tappen könnte wie das Land der aufgehenden Sonne in den frühen 1990er-Jahren, als dort nach einer Boomphase eine Immobilienblase platzte und über Jahre das Wirtschaftswachstum bremste. Wang Shi, Chef von Chinas grösstem Immobilienunternehmen China Vanke, bestätigte in einem Interview, dass das Risiko einer Immobilienblase nach japanischem Vorbild durchaus bestehe. Dass diese Befürchtungen auch in Regierungskreisen angekommen sind, zeigte sich, als Peking die Kreditvergabe massiv einschränkte. Der Glaube an Chinas Immobilienmarkt ist zentral für die ökonomischen Geschicke im Reich der Mitte. Laut Angaben der Weltbank war der Immobiliensektor die Triebfeder der privaten Investitionen im vorigen Jahr. «Da der Export harten Zeiten entgegensieht, sind Immobilien eine wichtige Säule des chinesischen Wirtschaftswachstums», so Ji Zhu, Professor an der Beijing Technological and Business University.

Stark steigende Preise

Die Preise für neue Eigenheime steigen jährlich um mehr als 20%, Luxusapartments in den Megastädten übertreffen diese Rate sogar deutlich. Die explodierenden Preise bewegen Bauunternehmen zu immer neuen Projekten, was Rohstoffe verteuert und Löhne treibt. Im November und Dezember wurden 75% mehr Baustellen eröffnet als im gleichen Zeitraum 2008. Ob das schon auf eine Blase hindeutet oder ob lediglich die grosse Nachfrage des dynamischen Aufsteigers befriedigt wird, ist umstritten. Das Risiko ist, dass zu viele neue Eigenheime zu Preisen gebaut werden, die für grosse Teile der Bevölkerung unbezahlbar sind. Fehlallokationen und geplatzte Kredite wären die Folge. Das würde die chinesische Wirtschaft nachhaltig schwächen.

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Die Quadratmeterpreise in den Innenstädten von Peking und Schanghai sind auf etwa 1170 Dollar geklettert und für Familien mit kleinen und mittleren Einkommen unerschwinglich. Die Investmentbank China International Capital schätzt, dass sich nur 20% der chinesischen Stadtbevölkerung ein Eigenheim leisten können. Zwar ein mit 120 Mio Menschen beachtlicher Markt, doch im Vergleich zu den restlichen 80%, die nicht in ein eigenes Heim investieren können, eine schwindende Zahl.

Keine Chance für Familien

Vor allem junge Paare können sich ohne Unterstützung ihrer Familien keine Wohnung kaufen. Die Regierung beginnt nun, auf die Sorgen der Bevölkerung einzugehen. Allerdings hat sie noch mit den Folgen ihrer Marktintervention aus den Jahren 2007 und 2008 zu kämpfen, als ebenfalls eine Immobilienblase drohte. Damals verloren die Chinesen das Vertrauen in den Markt und liessen die Immobilienpreise noch vor dem Höhepunkt der Finanzkrise in den Keller rauschen.

Dieses Mal geht Peking umsichtiger vor. Statt in den Markt einzugreifen, wird sozialer Wohnungsbau gefördert. Die Immobilienunternehmer haben indes kaum Interesse an diesem für sie weniger rentablen Geschäft. Eine Untersuchung der Regierung belegt, dass 2009 nur 24% der öffentlichen Eigenheimprojekte wie geplant und zeitnah fertiggestellt wurden.