Lage, Lage, Lage. Das sind schon immer die wichtigsten drei Kriterien für die Bewertung einer Immobilie gewesen. Neben See- und Bergsicht sind dabei auch die Anbindung an Transportnetze sowie Einkaufsmöglichkeiten und Gastronomieangebote wichtige Faktoren.

Wie gross der Einfluss des Gastronomieangebots auf Immobilien- und Mietpreise in der Schweiz ist, hat die Beratungsfirma Pricehubble analysiert. Das Unternehmen will mit Big Data und künstlicher Intelligenz die Immobilienbewertung revolutionieren. In einer Studie untersuchte Pricehubble den Einfluss von Café-Neueröffnungen auf Angebotsmieten. Für die Analyse wurden Daten aus den Jahren 2004 bis Februar 2019 verwendet. Insgesamt wurden schweizweit 540 000 Vermietungsangebote für Wohnungen untersucht. Ein Ergebnis ist, dass in den drei Jahren nach der Eröffnung eines Hipster-Kaffees die Mieten von Wohnungen im Umkreis von 500 Metern im Durchschnitt um 6,1 Prozent gestiegen sind.

Immobilienbesitzer sollten sich also darum bemühen, dass sich hippe Kaffees in der Nähe ansiedeln, denn sie scheinen die Lage-Attraktivität zu steigern.

Anderseits ist den Studienverfassern bei Pricehubble natürlich auch klar, dass die Kaffee-Gastronomen den Markt beobachten und nur dort ein Lokal eröffnen wollen, wo sie eine steigende Attraktivität erwarten.

Die Frage ist also: Steigern die Kaffees die Lage-Attraktivität oder ist die Kausalität umgekehrt und die Lagen mit Potenzial ziehen die Kaffees an? Um dem Phänomen weiter auf die Spur zu kommen, wurde eine Vergleichsstudie angelegt. Die Frage war dort: Steigert die Neueröffnung von McDonald’s-Filialen die Standortattraktivität? Nein, ist die Antwort gemäss Pricehubble. McDonald’s-Filialen haben keinen Einfluss auf die Angebotsmieten im Umfeld.

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In den USA ist der Zusammenhang von Kaffees und Lage-Attraktivität schon länger als Starbucks-Effekt bekannt: Der Immobilienspezialist Zillow stellte fest, dass die Preise für US-Eigenheime zwischen 1997 und 2013 in unmittelbarerer Nähe zu Starbucks-Filialen um rund 30 Prozentpunkte stärker gestiegen sind als anderswo. Die Experten sahen die Ursache dafür ganz klar darin, dass das Starbucks-Management ein sehr gutes Gespür dafür besitzen muss, in welchen Vierteln einer Stadt die Gentrifizierung besonders rasch voranschreitet und künftig mehr Geld ausgegeben wird – insbesondere für den extragrossen Venti-Starbucks-Becher.

Hipster-Kaffee: Das «Boréal» in Zürich-Oerlikon wurde im Januar 2017 eröffnet.

Hipster-Kaffee: Das «Boréal» in Zürich-Oerlikon wurde im Januar 2017 eröffnet.

Quelle: Keystone .

Die Analysten von Pricehubble haben für die «Handelszeitung» einige Kaffees identifiziert, in deren Umfeld gemäss ihrem Datenmodell Mietzins- und Immobilienpreissteigerungen wahrscheinlich sind. In Zürich-Oerlikon ist das der «Boréal Coffee Shop» an der Thurgauerstasse. In Zürich das «Vicafe» an der Geroldstrasse und das «Joe & The Juice» an der Sihlstrasse. In Basel gehört das «Finkmüller» an der Güterstrasse dazu. In Baden das «Kafi Zwoi» an der Bäderstrasse, in Biel das «Kafoj» im Kirchgässli und in Genf das «Birdie Food & Coffee» an der Rue des Bains.

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