Lange Zeit sah alles bestens aus. Der Devisen-Trader Forexone aus Zug trat seriös und mit gutem Serviceauf. Dann verlegte er seinen Sitz ins zypriotische Larnaca. Und plötzlich beklagten sich Kunden, dass sie keinen Zugang zu ihren Konten mehr hatten und ihre Buchgewinne nicht mehr realisieren konnten. Sie wurden von Forexone damit vertröstet, dass es Unregelmässigkeiten gegeben habe. Irgendwann brach der Kontakt zu Forexone ganz ab. Und die Vermögen der Kunden bleiben für immer verschwunden.

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Der Handel mit Fremdwährungen boomt in der Schweiz doch für die meisten Privatanleger endet ein Einsatz im Frust. Selbst ein Börsenprofi gibt im Gespräch zu: «Ich habe grosse Volumen gehandelt. Doch obwohl ich ziemlich gut war, habe ich kaum Gewinne erzielt.»

Noch riskanter ist das Handeln mit Renminbi, Rubel und Rupie aber wegen der oftmals undurchsichtigen Anbieter wie Forexone, die sich im milliardenschweren Geschäft tummeln. Online-Firmen aus Malta oder Zypern versprechen ahnungslosen Anlegern sagenhafte Gewinne. Sie treten dabei unter Namen auf, die den Anlegern «Swissness» vorgaukeln. Wer auf die Masche hereinfällt, bezahlt dies oftmals teuer es sind mehrere Fälle von Kunden bekannt, die ihre Einlagen nicht mehr abziehen konnten und einige Hunderttausend Franken verloren.

Es braucht eine Lizenz

Doch auch in der Schweiz genügten bis vor Kurzem eine Internetseite und eine Telefonnummer, um als Devisenhändler aufzutreten. Das hat auch hier zu einem Wildwuchs mit einigen zweifelhaften Angeboten geführt. Nach zahlreichen Beschwerden - insgesamt ist in der Schweiz wegen unbewilligter Finanzmarkttätigkeiten seit 2009 ein Schaden von 220 Millionen Franken entstanden griff die schweizerische Finanzmarktaufsicht Finma durch: Alle Schweizert Kunden-Devisenhändler müssen jetzt über eine Bankenlizenz verfügen. Die Regulierung brachte eine Marktbereinigung mit sich, die mit der Übernahme von ACM durch die Online-Bank Swissquote den Höhepunkt fand (siehe Interview).

Trading-Strategien, die eine Rendite von 1000 Prozent in 30 Tagen versprechen, und Software, die aus eigenem Antrieb Gewinne erzielt: Sie sollen nun vom Markt verschwinden. Doch auch wenn viele zweifelhafte Angebote unterdessen vom Markt sind, warnt die Finma weiter vor betrügerischen Firmen.

Noch immer im Geschäft ist etwa die Online-Anbieterin FXT Swiss, die mit ihrem Namen einen Bezug zur Schweiz herstellt. Die Vorwahl des Telefonkontakts deutet aber auf Österreich hin, während die Registrierung der Webseite verschlüsselt ist eine ungewöhnliche Praktik. FXT Swiss befindet sich inzwischen auf der Netgativliste der Finma.

Den Trick mit der «Swissness» nutzen viele Anbieter: Seit die Devisenhändler in der Schweiz reguliert werden, operieren sie aus dem Ausland so auch FXCH Forex Swiss aus den Virgin Islands und Swiss Forex Trading aus den USA. Auf den Webseiten werben die Händler zudem mit dem Schweizer Kreuz und Postkartenfotografien von Luzern und Zürich. All den Seiten ist nicht nur die vermeintliche Nähe zur Schweiz gemein, sondern auch das Versprechen, «traumhafte Renditen ohne jedes Risiko» erzielen zu können.

Finma braucht Hilfe der Anleger

Besonders beliebte Standorte für die Devisenhändler sind die Virgin Islands, Malta und Zypern. Weil dort Finanzdienstleister wenig durchleuchtet werden, eröffnen gerade in Zypern wöchentlich neue Anbieter ihre Tore. Ihre Plattformen machen dabei oft einen seriösen Eindruck und weisen darauf hin, dass sie von lokalen Behörden beaufsichtigt würden. Die Verweise sind aber missverständlich geschrieben, die angegebenen Behörden und Gesetze nicht aufzufinden.

Den Anbietern spielt in die Karten, dass in der Schweiz eine Bewilligungspflicht für ausländische Devisenhändler nur dann besteht, wenn sie hier auch physisch präsent sind. Die Finma kann erst auf Angebote aus dem Ausland reagieren, wenn ihr die Angebote von Kunden gemeldet werden. Dann sperrt sie die entsprechenden Telefonnummern, schreibt den Internetprovider der Seite an und setzt die Gesellschaft auf ihre Negativliste.

Für Anleger heisst es daher, die Augen offen zu halten und nur auf Plattformen zu handeln, die auch wirklich von der Finma geprüft wurden. Doch die sind in der Schweiz heute rar: Es ist nur zwei Devisenhändlern gelungen, die Hürde Banklizenz zu nehmen die MIG Bank aus Neuenburg und die Dukascopy Bank aus Genf. Daneben sind noch die Online-Banken Saxo Bank und Swissquote in diesem Geschäft tätig. «Der eine oder andere Devisenhändler wird auf der Strecke bleiben und ist für uns dann günstig zu haben», sagte der Swissquote-Chef Marc Bürki vor einigen Monaten gegenüber der «Handelszeitung».

Er behielt damit recht: Vor Kurzem hat Swissquote den Genfer Anbieter ACM übernommen. Das Unternehmen war zwar wirtschaftlich durchaus erfolgreich. Dennoch ist es ihm nicht gelungen, eine Banklizenz zu erlangen. Nicholas Bang, operativer Chef und eines der drei ACM-Gründungsmitglieder, war vor einem Jahr noch zuversichtlich: «Wir sind bereits wie eine Bank aufgestellt.»

Weshalb es mit der wichtigen Lizenz dann doch nicht geklappt hat, bleibt bis heute offen. «Die Finma äussert sich in keiner Form zu Bewilligungsverfahren», so ein Sprecher der Regulierungsbehörde. Bang, der ACM unterdessen verlassen hat, nahm auf die Anfragen der «Handelszeitung» keine Stellung.

Auch ACM könnte Opfer von Abzockern geworden sein - und muss sich inzwischen gar selbst gegen diesen Verdacht wehren. Vor rund zwei Jahren erhob nämlich der mexikanische Devisenhändler und ACM-Kunde Mexbank Vorwürfe gegen den Genfer Devisenspezialisten. ACM soll die Wechselkurse auf der Plattform zuungunsten der Mexbank manipuliert haben. Bei einer anschliessenden Razzia der Genfer Polizei bei ACM sollen Beweise für die Vorwürfe gefunden worden sein, sagt der Genfer Anwalt Yves Klein, der die Mexbank juristisch vertritt.

Braut mit tückischer Mitgift

Swissquote-Chef Bürki betrachtet diese Vorwürfe als «völlig aus der Luft gegriffen». Seither läuft in Genf eine Untersuchung, die bis Mitte des nächsten Jahres abgeschlossen sein soll. Doch auch wenn ACM nachgewiesen werden könnte, Kunden betrogen zu haben, wären die Konsequenzen für Swissquote nicht strafrechtlicher Natur.

Auf die Online-Bank würde aber eine Schadenersatzforderung zukommen. Die Höhe der Summe hinge davon ab, wie stark und wie lange die Wechselkurse bei ACM manipuliert wurden. «Unsere Forderungen gehen über 10 Millionen Franken hinaus», sagt Klein.





«Die Vorwürfe sind aus der Luft gegriffen»



Marc Bürki, CEO Swissquote

Gegen den vor Kurzem von Swissquote übernommenen Genfer Devisen-Trader ACM laufen derzeit Ermittlungen.  Wie beurteilen Sie die Vorwürfe des  mexikanischen Devisen-Traders  Mexbank gegenüber ACM?

Marc Bürki: Die Vorwürfe sind völlig aus der Luft gegriffen.

ACM soll die Wechselkurse manipuliert haben. Nehmen Sie die Anschuldigungen von Mexbank ernst?

Bürki: In der Due-Diligence-Phase haben wir uns mit dem Thema Mexbank auseinandergesetzt. Wir sind zum Entschluss gekommen, dass das Risiko für uns unwesentlich ist. Von der Finma wurde die Sache bereits im Juli 2009 ad acta gelegt. Die Untersuchungen der Finma zeigen zudem, dass die Preise von ACM stets marktkonform waren.

Weshalb wurde das Gesuch von ACM auf eine Bankenlizenz aufrechterhalten?

Bürki: Das Unternehmen ACM wird vollständig mit der Swissquote Bank fusioniert. Somit wird auch das Gesuch für eine Banklizenz storniert.

Welche Funktion wird Nicholas Bang, operativer Chef und eines der Gründungsmitglieder von ACM, bei Swissquote  übernehmen?

Bürki: Keine. Er hat das Unternehmen bereits verlassen.

Welchen Stellenwert hat der Devisenhandel und damit das Geschäft von ACM für das gesamte Unternehmen Swissquote?

Bürki: Die Forex-Sparte wird in Zukunft etwa 40 Prozent des Gesamtertrags von Swissquote ausmachen.

Nach der Übernahme von ACM sind mit der Saxo Bank, der MIG Bank, Dukascopy und Swissquote noch vier bedeutende  Anbieter im Fremdwährungsgeschäft  vertreten. Ist damit die Marktbereinigung in der Schweiz abgeschlossen?

Bürki: In der Schweiz vorläufig ja. Es gilt jedoch zu beachten, dass es sich beim Devisenhandel um einen globalen Markt handelt, der nicht überall gleich reguliert wird. Die Konsolidierung im globalen Markt hat erst begonnen.