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Zinssatz
«Die Migros Bank geht von der Zinswende aus»

Marketing-Chef Matthias Hunn: «Das Sicherheitsbedürfnis bei vielen Kunden ist weiterhin sehr hoch.» (Bild: ZVG)

Zinserhöhung für Kassenobligationen: Marketing-Chef Matthias Hunn nimmt Stellung zum Druck für weitere Anpassungen nach oben – und erklärt die Wichtigkeit dieses fast vergessenen Anlageprodukts.

Von Volker Strohm
am 09.09.2013

Die Migros Bank erhöht die Zinssätze für Kassenobligationen im Laufzeitenbereich von vier bis acht Jahren. Tönt das nach Zinswende?
Matthias Hunn: Ja, davon gehen wir aus. Dass sich die Zinssituation jetzt langsam wieder normalisiert, erachten wir als positive Entwicklung.

Das heisst konkret: Wie schätzen Sie die weitere Zinsentwicklung ein – mit welchen Zeithorizonten?
Im Moment sind alle Augen auf die Sitzung der US-Notenbank von nächster Woche gerichtet. Wie rasch das Fed von der expansiven Geldpolitik abrücken wird, ist derzeit schwer abzuschätzen. Wir gehen jedoch davon aus, dass mit dem Zinsanstieg der letzten Wochen das Szenario einer restriktiveren Politik zum grössten Teil vorweggenommen wurde.

Was hat Sie zur Zinserhöhung veranlasst?
Lange Zeit waren die Hypothekarzinsen im Vergleich zu den Kassenobligationen zu tief. Nun, mit der Normalisierung an den Kapitalmärkten, ist auch die Zinsdifferenz zwischen den Hypotheken und den Kassenobligationen auf ein früher übliches Niveau gestiegen. Das hat uns ermöglicht, die Zinsen der Kassenobligationen ebenfalls anzuheben.

Die Migros Bank liegt selbst nach der Erhöhung teilweise noch hinter den Zinsangeboten diverser landesweit tätiger Banken – wie beispielsweise Credit Suisse oder Raiffeisen – zurück. Ist da also nicht noch mehr Luft nach oben?
Bei den Spar- und Vorsorgekonten liegen die Zinssätze der Migros Bank über denjenigen der meisten anderen Anbieter. Bei den Kassenobligationen liegen wir nun im oberen Mittelfeld, so dass kein unmittelbarer Druck für eine weitere Anpassung besteht. Zudem stellen wir insgesamt nach wie vor einen hohen Zustrom an Kundengeldern fest.

Hand aufs Herz: Würden Sie persönlich Ihr Geld für beispielsweise mickrige 0,6 Prozent auf fünf Jahre fest binden?
Das Sicherheitsbedürfnis bei vielen Kunden ist weiterhin sehr hoch. Der Vorteil der Kassenobligationen besteht darin, dass der Anleger auch bei einem Zinsanstieg keine Kursverluste erleidet. Wer absolut keine Risiken eingehen möchte, ist mit einer Kassenobligation also gut bedient.

Welche Rolle spielen Kassenobligationen in Ihrem Geschäftsmodell überhaupt noch?
Das Volumen der Kassenobligationen bei der Migros Bank beträgt aktuell 1,1 Milliarden Franken, bei einem Rückgang von rund 10 Prozent seit Anfang Jahr. Wir denken, dass dieses Volumen mit einem höheren Zinsniveau mittelfristig wieder deutlich zunimmt. Kassenobligationen sind auch für uns als Migros Bank attraktiv, weil die fixen Laufzeiten eine hohe Planbarkeit der Refinanzierungskosten ermöglichen.

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