Wie geht es weiter nach den jüngsten Drohungen des US-Präsidenten? Die Handelsgespräche mit den USA sollen diese Woche fortgesetzt werden. Der Besuch von Vize-Ministerpräsident und Verhandlungsführer Liu He in Washington werde aber verkürzt: Dies berichtet die «South China Morning Post» unter Berufung auf mit den jüngsten Plänen vertraute Personen.

Die Hongkonger Zeitung meldet zwar, Vize-Ministerpräsident und Verhandlungsführer Liu He könnte weiterhin wie vorgesehen diese Woche nach Washington reisen. Er könnte den Besuch jedoch verkürzen oder aber auch ganz absagen. Zunächst hatte die Zeitung unter Berufung auf mit den Plänen vertraute Personen nur die Möglichkeit einer verkürzten Reise ins Gespräch gebracht, nicht aber eine Absage. US-Präsident Trump hatte am Sonntag angekündigt, kommenden Freitag würden die Importzölle für bestimmte chinesische Produkte auf 25 Prozent erhöht.

Laut der «South China Morning Post» könnte Liu am Donnerstag nach Washington reisen, drei Tage später als eigentlich geplant. Er werde bereits am Freitag wieder nach China zurückkehren. Zuvor hatten bereits verschiedene Medien wie die von der herrschenden Kommunistischen Partei herausgegebene «Global Times» gemeldet, China erwäge einen Abbruch der Gespräche.

Chinesen von Drohung auf dem falschen Fuss erwischt

Trumps Verhalten habe die chinesische Seite überrascht, die nicht unter Drohungen weiterverhandeln wolle, berichtete das «Wall Street Journal» unter Berufung auf Insider. Auch nach Informationen des Senders CNBC könnte Liu daher die mit einer 100-köpfigen Delegation geplante Reise abblasen.

In dem seit Monaten andauernden Handelsstreit hatte Trump den Druck auf China zuletzt deutlich erhöht. Die von ihm angekündigten Zölle sollen Einfuhren im Wert von 200 Milliarden Dollar betreffen. Auch andere Waren würden mit zusätzlichen Importabgaben belegt, kündigte Trump an. 

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Das Szenario eines Scheiterns der Gespräche sorgte an den Börsen rund um den Globus für Schockwellen. Die Wall Street eröffnete am Nachmittag deutlich im Minus. In Europa sackten der Dax und EuroStoxx50 um je rund 1,7 Prozent ab. Auch Anleger in China ergriffen die Flucht. Weltweit hatten die Börsen in den vergangenen Wochen deutlich zugelegt, weil Anleger auf ein Ende des Streits setzten.

Der SMI gab bis kurz vor Handelsschluss um 1,2 Prozent nach.

Aktien in China abgestürzt

Auch Anleger in China haben wegen des drohenden Scheiterns der Handelsgespräche zwischen Peking und Washington die Flucht ergriffen.

Das wichtigste Börsenbarometer CSI300 und der Shanghai-Composite-Index brachen jeweils um mehr als sechs Prozent ein.

Der Hang-Seng-Index in Hongkong rutschte um drei Prozent ab. In Japan und Südkorea blieben die Börsen wegen Feiertagen geschlossen. «An den Märkten wird die Situation jetzt neu bewertet, weil man bislang davon ausgegangen war, dass die Verhandlungen ihrem Ende zugehen», sagte Analyst Ken Cheung von der Mizuho Bank in Hong Kong.

«Die grosse Frage ist nun, ob das eine von Trumps berüchtigten Verhandlungstaktiken ist oder ob es wirklich zu einer solch deutlichen Zollerhöhung kommen wird», sagte Analyst Nick Twidale vom Brokerhaus Rakuten Securities. «Falls es letzteres sein sollte, wird das weltweit auf die Börsen erheblichen Druck ausüben.»

Die chinesische Landeswährung Yuan fiel mit 6,7994 Dollar auf den niedrigsten Stand seit dreieinhalb Monaten. Als sicherer Hafen gefragt war hingegen der japanische Yen, der auf den höchsten Stand seit fünf Wochen kletterte

(reuters/tdr/gku)

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