Einen Jüngling mit lockigem Haar zeigt das Gemälde, das bei einer Auktion in Zürich soeben einen Rekordpreis erzielt hat. Ein internationaler Kunsthändler bot dafür 6,4 Millionen Franken. Dabei war das Bild zu einem Schätzpreis von nur 5000 bis 7000 Franken angeboten worden.

Was war geschehen? Der Käufer habe darauf spekuliert, dass es sich bei dem Gemälde um ein echtes Werk des Florentiner Renaissance-Künstlers Sandro Boticelli (1445–1510) handelt, sagte Herbert Koch, Sprecher von Schuler Auktionen in Zürich, zur Agentur Keystone-SDA. «Einen solch astronomischen Preis hat unser Auktionshaus in seiner Geschichte seit 1984 nie erzielt.»

Das Auktionshaus spricht von einem «atemberaubenden Bietergefecht unter Interessenten im Saal, am Telefon und im Internet», das am Freitag in Zürich-Wollishofen über die Bühne gegangen sei. Das begehrte Gemälde kam schliesslich für 6,4 Millionen Franken unter den Hammer. 

«…die Authentizität fundamental stören»

Ob das Ölgemälde wirklich von Boticelli stammt, ist umstritten. Schuler hatte es als «Bildnis eines jungen Mannes» ohne Autorenangabe angeboten: «Öl auf Holz. 53x33,5 cm».

Ein Bericht des Schweizerischen Instituts für Kunstwissenschaft hielt dazu fest: «Die technologischen Beobachtungen erlauben den Schluss, dass es sich im Kern um ein spätmittelalterliches, respektive frühneuzeitliches Tafelgemälde handelt. Die umfangreichen Manipulationen in massgeblichen Partien des Portraitierten und eine jüngere Restaurierung nach 1961 führten jedoch zu eklatanten Veränderungen, die die historische Authentizität fundamental stören. (…) Das Gemälde ist durch frühere Überarbeitungen so weitgehend verändert, dass das ursprüngliche Portrait nicht mehr nachvollziehbar ist. Diese Überarbeitungen erfolgten möglicher Weise nicht in einem restauratorischen Sinn, sondern manipulativ, um die Zuschreibung herbeizuführen.»

Ebenfalls einen Rekordpreis erzielte das Auktionshaus Schuler mit einem Zigarettenetui. Dieses hatten die Experten zu einem Preis von 700 Franken ausgerufen. Ein Bieter zahlte schliesslich aber 11'000 Franken dafür, wie das Auktionshaus weiter mitteilte.

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